Wenn der Huf den Takt vorgibt
Funken. Präzision. Hammerschläge und Pferde: Bei Hufschmied Hannes Hofer lernt André Vasicek einen Beruf, der weit mehr ist als ein altes Handwerk.
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„Langsam, brav.“ André Vasicek legt die Hand an den Vorderlauf des Pferdes, streicht ihm über das Bein und hebt vorsichtig den Huf an. Wenig später hallen Hammerschläge durch den Stall. Während das Pferd geduldig wartet, sitzt jeder Handgriff. Für den 18-jährigen angehenden Hufschmied bei Hannes Hofer in Großrußbach ist diese Arbeit längst mehr als nur ein Beruf – sie ist seine Leidenschaft.
„Weil er alles vereint, was mir wichtig ist: Genauigkeit, Kommunikation, Einfühlungsvermögen, körperliche Arbeit und den Kontakt mit Pferden, Menschen und der Natur“, sagt André Vasicek. Der angehende Hufschmied aus Großrußbach beschreibt seine Lehre mit drei Hashtags: #Traumberuf #Pferde #Handwerk.
Doch bevor überhaupt ein Werkzeug zum Einsatz kommt, richtet sich der Blick auf das Pferd. André und sein Lehrmeister lassen das Tier vorführen, beobachten die Gangart und beurteilen mögliche Fehlstellungen. Erst danach werden die alten Eisen entfernt, die Hufe bearbeitet und für den neuen Beschlag vorbereitet.
Dann wird es heiß. Im mobilen Schmiedewagen glüht das Eisen in der Esse orange auf. Funken sprühen. Mit gezielten Schlägen wird das Metall geformt, immer wieder erhitzt und angepasst. „Wir bearbeiten es so lange, bis es perfekt auf den Huf passt“, erklärt André. „Das ist Maßarbeit.“ Am Ende wird das Hufeisen aufgenagelt, vernietet und der Huf sorgfältig versorgt. Verkittet, eingeölt – fertig.
Die genaue Beurteilung des Pferdes unterschätzen viele. Jeder Huf ist anders, jedes Pferd hat eigene Anforderungen.
André Vasicek
Hufschmied-Lehrling
Dass hinter einem Hufeisen weit mehr steckt als ein paar Hammerschläge, überrascht viele Außenstehende. „Die genaue Beurteilung des Pferdes unterschätzen viele“, sagt André. „Jeder Huf ist anders, jedes Pferd hat eigene Anforderungen. Präzision ist hier genauso wichtig wie handwerkliches Geschick.“
Wie er auf den Beruf gekommen ist? Eigentlich durch Zufall. Seine Mutter, die als Hebamme arbeitet, betreute ein Paar, dessen Mann Hufschmied war. Die Erzählungen machten ihn neugierig. Über diesen Kontakt kam die Möglichkeit zum Schnuppern zustande. Den entscheidenden Ausschlag gab schließlich ein Praktikum bei seinem heutigen Lehrmeister.
„Mein Aha-Moment war, als ich das erste Mal gesehen habe, wie ein Hufschmied arbeitet“, erinnert sich André. „Ich war sofort fasziniert.“
Hufschmied in fünfter Generation
Diese Begeisterung spürt auch sein Ausbilder. Hannes Hofer beobachtet die Arbeit seines Lehrlings aufmerksam und nickt zufrieden. „André ist hoch motiviert und sehr bemüht“, sagt er. Hofer weiß, wovon er spricht. Er ist Hufschmied in fünfter Generation. Zwar hatte sein Vater zwischenzeitlich versucht, im Landmaschinenhandel Fuß zu fassen, kehrte aber schließlich wieder zum traditionellen Familienhandwerk zurück. Als sich 1995 die Frage der Betriebsübernahme stellte und sein Bruder kein Interesse zeigte, übernahm Hannes Hofer selbst – und entdeckte dabei seine eigene Leidenschaft für den Beruf.
„Mich faszinieren bis heute die Herausforderungen“, sagt er. Besonders spannend seien orthopädische Fälle, bei denen gemeinsam mit Tierärzten Lösungen gefunden werden. „Man kann viel zum Positiven verändern. Wenn ein Pferd nach einer Behandlung wieder besser läuft, ist das ein schönes Erfolgserlebnis.“
Dazu komme der Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen. „Man trifft viele interessante Persönlichkeiten, findet gemeinsam Lösungen und bekommt unglaublich viel positives Feedback zurück.“
Seine Kunden sind vor allem Besitzer von Turnierpferden aus dem Dressur- und Springsport. Hauptsächlich ist Hofer im Weinviertel und im Wiener Umland unterwegs. Mobilität gehört heute zum Berufsbild dazu. Während früher nahezu jede Ortschaft ihren eigenen Hufschmied hatte, kommen die Fachleute heute direkt zu den Pferden in die Ställe.
Und die Nachfrage wächst.
„Der Beruf boomt“, sagt Hofer. „Es gibt wieder mehr Pferde, gleichzeitig braucht es gut ausgebildete Fachkräfte.“
Deshalb engagiert er sich auch besonders in der Ausbildung. Schon bevor der Hufschmied 2010 offiziell ein eigener Lehrberuf wurde, bildete er Nachwuchskräfte aus. Seitdem hat er rund zehn junge Menschen durch ihre Lehrzeit begleitet. Zusätzlich unterrichtet er an der Berufsschule.
Warum er sich diese Arbeit antut?
Hofer lächelt. „Weil es ein wunderschöner Beruf ist und ich meine Erfahrungen gerne weitergeben möchte.“ Besonders erfüllend sei es, die Entwicklung der Jugendlichen mitzuerleben. „Es ist schön zu sehen, wie junge Menschen reifer werden, Verantwortung übernehmen und an ihren Aufgaben wachsen.“
Es ist schön zu sehen, wie junge Menschen reifer werden, Verantwortung übernehmen und an ihren Aufgaben wachsen.
Hannes Hofer
Unternehmer und Lehrlingsausbilder
Und auch André wächst täglich an diesen Aufgaben. Gerade die Vielfalt macht für ihn den Reiz des Berufs aus. Kein Pferd gleicht dem anderen, kein Arbeitstag verläuft gleich.
„Ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu“, sagt er. „Über die Anatomie der Pferde, die Bearbeitung der Hufe oder den Umgang mit den Tieren.“
Sein Ziel nach der Lehre steht bereits fest: „Ich möchte im Beruf bleiben und mich ständig weiterentwickeln.“
Draußen scharrt das nächste Pferd bereits ungeduldig mit dem Huf. André greift nach Hammer und Zange, streicht dem Tier kurz über den Hals und macht sich an die Arbeit. Langsam. Ruhig. Präzise. Genau so, wie es ein guter Hufschmied eben macht.