Zum Inhalt springen
www.studiohuger.at
© www.studiohuger.at

Wo aus Nachwuchs Zukunft wird

Die Lehre sichert Fachkräfte und eröffnet echte Chancen. Damit sie stark bleibt, unterstützt die WKNÖ Unternehmen mit Service, Beratung und Initiativen.

Lesedauer: 9 Minuten

Einen Moment bitte. Ladevorgang läuft ...
0:00
Audio konnte nicht geladen werden. Erneut versuchen
0:00
0:00
Aktualisiert am 23.06.2026

Ein kurzer Signalton, dann setzt sich die neue Anlage in Bewegung. Rollen greifen ineinander, Metall läuft millimetergenau durch die Maschine. Manuel Pitzl (großes Foto) verfolgt jeden Schritt mit konzentriertem Blick. Der 18-Jährige steht dort, wo Präzision zählt: mitten in der Produktion von Welser Profile. „Ich arbeite im Störungsdienst mit und beim Aufbau von neuen Anlagen“, sagt der Lehrling für Maschinenbau-, Elektroanlagen- & Betriebstechnik. Für den jungen Mann ist das kein Ausnahmeprogramm, sondern Alltag. Denn wer bei Welser Profile eine Lehre beginnt, darf von Anfang an mit anpacken. Die Ausbildung junger Menschen zu Fachkräften hat beim Industriebetrieb mit Sitz in Ybbsitz eine lange Tradition. Der erste Lehrling startete bereits 1946. Seither hat das Unternehmen 840 Lehrlinge ausgebildet. Heute stehen 110 junge Menschen in Ausbildung, verteilt auf neun Lehrberufe – vor allem in Metall- und Elektroberufen sowie in der IT-Systemtechnik. Für das Unternehmen ist das weit mehr als Nachwuchspflege. „Die Lehrlingsausbildung sichert unsere Fachkräfte für die Zukunft“, weiß CEO Thomas Welser. 

www.studiohuger.at
© www.studiohuger.at Seit 1992 bildet Kastner Lehrlinge aus. Mittlerweile sind es schon mehr als 200.


Das Unternehmen zählt international zu den Spezialisten für Sonderprofile – Produkte, die in vielen Bereichen des täglichen Lebens stecken: in der Automotive-Branche, in der Agrartechnik, im Hoch- und Tiefbau, in Solaranlagen oder dem Innenausbau. Gleichzeitig ist Welser Profile tief in der Region verwurzelt – auch als Ausbildungsbetrieb. Und gelernt wird hier nicht nur an Maschinen. Lehrlinge bekommen Mathematik- und Englischunterricht, können die Lehre mit Matura absolvieren, an Auslandspraktika teilnehmen oder sich über Prämien und Projektarbeit zusätzliche Motivation holen. Dazu kommen Teambuilding-Angebote und Persönlichkeitsschulungen. 
„Wir wollen nicht nur Fachkräfte ausbilden, sondern junge Menschen stärken“, beschreibt Welser die Philosophie dahinter. Dass das ankommt, bestätigt Manuel. Für ihn war immer klar, dass er praktisch arbeiten möchte. „Ich mach‘ gerne was mit meinen Händen. Und Welser ist für seine gute Ausbildung bekannt“, sagt er. Kennengelernt hat er den Betrieb beim Schnuppern. „Die Arbeit ist abwechslungsreich, die Projekte sind interessant. Und ich mag die Du-Kultur“, bringt es Manuel auf den Punkt. Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Werteorientierung und eine hochwertige fachliche wie persönliche Ausbildung. „Für junge Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen, sind das starke Argumente“, weiß der Chef. 
Lehrlinge auszubilden bedeutet allerdings auch Verantwortung. „Jugendliche beim Einstieg ins Berufsleben zu begleiten, ist sehr fordernd, aber auch sehr erfüllend“, meint Welser mit Blick auf Manuel. „Fachliche Entwicklung, persönliche Reife, erste Herausforderungen im Job – all das braucht Zeit, Aufmerksamkeit und gute Begleitung.“ 

WKNÖ als verlässlicher Partner

Unterstützung kommt dabei von der Wirtschaftskammer NÖ. Sie begleitet Betriebe seit acht Jahrzehnten rund um die Lehrlingsausbildung. Auch Welser Profile greift hier gerne auf Angebote der WKNÖ zurück: Fachliche Trainings, Förderungen, Initiativen zur Lehre, Skills-Wettbewerbe oder Formate wie die „Sieger Lounge“. „Gerade als Ansprechpartner für Ausbildungsbetriebe und als Sprachrohr für die Wirtschaft ist die Rolle der Wirtschaftskammer NÖ zentral, wenn es darum geht, die Bedeutung der Lehre sichtbar zu machen.“
Und die eigenen Ziele? Hoch gesteckt. „Wir wollen zu den besten Ausbildungsbetrieben Österreichs und darüber hinaus gehören – und das Niveau der Ausbildung laufend weiterentwickeln“, stellt der Chef klar. Und auch Manuel denkt bereits weiter. „Nach der Lehre möchte ich im Unternehmen bleiben, mich weiterentwickeln und den nächsten Karriereschritt machen.“

Gasthaus Kappl
© Gasthaus Kappl Laura Romar Sommer (l.) mit Chefin Evelyn Kappl.

Familiäres Klima 

Ortswechsel. Gasthaus Kappl in Biberbach. Aus der Küche strömt der Geruch von Rindsuppe, im Gastraum klirren Gläser, eine Tür geht auf, Schritte huschen vorbei. Es ist Vormittag im familiengeführten Landgasthaus. Die Vorbereitungen für das Mittagsgeschäft laufen. Hier wird aber nicht nur gekocht und serviert – hier wird auch ausgebildet. Und das seit Generationen.
„Solange ich denken kann, hatten wir Lehrlinge“, sagt Evelyn Kappl, die den Betrieb gemeinsam mit ihrer Schwester Angelika führt. Wie viele junge Menschen in den vergangenen Jahrzehnten durch Küche und Service gegangen sind, könne niemand mehr genau sagen. „Es waren viele.“ Allein seit die Schwestern am Ruder sind, haben sie fünf Lehrlinge bis zum Abschluss begleitet.
„Wir geben unsere Erfahrung weiter und bekommen gleichzeitig neue Ideen und frischen Wind zurück“, weiß die Gastronomin und blickt zu Laura Romar, Sommer, 18 Jahre alt, angehende Gastronomiefachfrau. Sie kam auf Empfehlung von Bekannten. „Die Website hat mich angesprochen“, meint sie und lacht. Ihre Aufgaben? „Ich darf in allen Bereichen arbeiten. Und genau das reizt mich: Neues lernen, mich entwickeln, Möglichkeiten entdecken.“ 
Im Landgasthaus setzt man bewusst auf die Ausbildung zur Gastronomiefachkraft – einen Beruf, der Service und Küche verbindet. Die Lehrlinge lernen beide Bereiche kennen und bekommen damit einen umfassenden Blick auf die Branche. Einmal pro Woche setzen sich Ausbilderinnen und Lehrlinge zusammen. Dann wird besprochen, was gelernt wurde, Inhalte werden vertieft, Fortschritte dokumentiert. „Uns ist wichtig, dass sie nicht nur fachlich, sondern auch persönlich wachsen“, sagt die Chefin. Dazu kommen interne und externe Schulungen – und Möglichkeiten, die weit über den Betrieb hinausreichen. Mit „Let’s Walz“, einer Initiative von Wirtschaftskammer NÖ und AK NÖ, können Lehrlinge Praktika im Ausland absolvieren und den eigenen Horizont erweitern.
Überhaupt sei die Wirtschaftskammer ein wichtiger Partner. „Wenn es um organisatorische Fragen, Lehrlingsausbildung oder aktuelle Entwicklungen in der Branche geht, erhalten wir rasch Unterstützung.“ Auch Weiterbildungsangebote und Vernetzungstreffen werden regelmäßig genutzt. „Es ist gut, einen starken Ansprechpartner an seiner Seite zu haben.“ Im Gasthaus Kappl finden junge Menschen einen Ausbildungsplatz, der weit über Küche und Gastraum hinausgeht. Zum Betrieb gehören eine eigene Rinderzucht, Gänse, Obst- und Kräutergärten sowie ein Gewässer mit Forellenbestand. Die Lehrlinge erleben die gesamte Kette – vom Lebensmittel bis zum fertigen Gericht. Wertschätzung für Produkte, Regionalität und Kreisläufe gehören hier genauso zum Alltag wie Mise en Place oder Serviceabläufe. Berühmt ist das Haus vor allem für seine Rindsuppe – die Gastgeberinnen auch bekannt als „Suppenfeen aus dem Mostviertel“. Die Gastronomie, sagen die Schwestern, verlange viel Einsatz und Flexibilität. „Junge Menschen langfristig für den Beruf zu begeistern, ist manchmal eine Herausforderung. Die schönen Momente sind dafür umso größer: Wenn Lehrlinge über sich hinauswachsen oder ihre Ausbildung abschließen und man merkt, dass sie ihren Weg gefunden haben.“ Und Laura? Die weiß schon, was nach der Lehre kommen soll. „Etwas von der Welt sehen“, meint sie. Ein kurzer Blick, ein Lächeln, dann ist sie schon wieder unterwegs.

Welser Profile
© Welser Profile Die NÖ Ausbildungsbetriebe, so auch Welser Profile, übernehmen Verantwortung – nicht nur für die Ausbildung und Begleitung junger Menschen, sondern auch für die Zukunft ihrer eigenen Unternehmen.

Alle Bereiche kennenlernen

Unterwegs ist auch Viktoria Ebner, angehende Betriebslogistikkauffrau bei Kastner in Zwettl. „Ich bin gerne aktiv“, erzählt sie lachend, während sie eine Lieferung prüft: Mengen vergleicht, den Zustand der Ware kontrolliert und dafür sorgt, dass alles am richtigen Platz landet. Zwölf Wochen pro Lehrjahr verbringt sie auch in anderen Unternehmensbereichen. „So lernt man das Unternehmen viel besser kennen“, ist sie sicher. Dass sie überhaupt bei KASTNER gelandet ist, war zunächst Zufall. Eine Stellenausschreibung machte sie neugierig. „Ich bin außerdem oft an der Firma vorbeigefahren. Weil sie in der Nähe ist, wollte ich mir den Beruf genauer anschauen.“ Heute kann sie sich gut vorstellen, langfristig zu bleiben. „Ich werde hier gefördert und gefordert.“ Perspektiven sieht sie viele – vom Verwaltungsbereich bis hin zu Aufgaben im Marketing.
Solche Geschichten sind bei KASTNER kein Einzelfall. Der Waldviertler Familienbetrieb, der seit 1828 besteht und heute zu den führenden österreichischen Großhändlern für Gastronomie, Hotellerie und den Lebensmittelhandel zählt, setzt seit Jahrzehnten auf die Ausbildung eigener Fachkräfte. „Eine hochqualitative Lehrlingsausbildung ist für uns eine tragende Säule, um zukünftige Expertinnen, Experten und Führungskräfte selbst auszubilden“, weiß Chef Christof Kastner. Seit 1992 werden Lehrlinge ausgebildet, seit 2009 gebündelt in der KASTNER Lehrlingsakademie. Mehr als 200 junge Menschen haben ihre Lehre bereits im Unternehmen absolviert.
Derzeit lernen hier 34 Jugendliche – von Großhandel und Betriebslogistik über Einkauf und Büro bis zum E-Commerce. Künftig sollen weitere zukunftsorientierte Lehrberufe dazukommen. Neben der fachlichen Ausbildung investiert Kastner gezielt in die persönliche Entwicklung seiner Lehrlinge. Workshops zu Kommunikation, Teamkultur oder „Erste Hilfe für die Seele“, Auslandspraktika, moderne Lernangebote sowie ein Prämiensystem für besondere Leistungen gehören zum vielseitigen Paket. Neue Lehrlinge werden von Beginn an begleitet, lernen bei einem gemeinsamen Tag mit der Geschäftsleitung das Unternehmen kennen und erhalten feste Ansprechpersonen.
„Wir profitieren von gut ausgebildeten, hoch motivierten Fach- und Führungskräften, die ihr Know-how einbringen.“ Tatsächlich haben zahlreiche heutige Fach- und Führungskräfte ihre Karriere einst als Lehrlinge begonnen. „Gleichzeitig bringt jede neue Generation frische Ideen mit. Gerade das Zusammenspiel unterschiedlicher Erfahrungen führt oft zu innovativen Lösungen.“ 
Eine Herausforderung bleibt die Suche nach Nachwuchs: Die Zahl der Lehrstellensuchenden sinkt, die Konkurrenz um junge Talente wächst. Mit neuen Berufsbildern und vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten versucht Kastner, Jugendliche für eine Lehre im Lebensmittelgroßhandel zu begeistern. Unterstützung erhält das Waldviertler Unternehmen dabei auch von der Wirtschaftskammer Niederösterreich. Programme wie „Let’s Walz“ ermöglichen internationale Erfahrungen – 2026 absolviert Viktoria ein Praktikum in Schweden. Formate, wie der Ausbilderkongress, den Austausch mit anderen Betrieben. Und auch bei organisatorischen Fragen rund um die Lehre ist die WKNÖ wichtiger Ansprechpartner. Seit 80 Jahren.

Gerhard Rauch GmbH
© Gerhard Rauch GmbH Bei Gerhard Rauch in Trasdorf, im Bild Sebastian Kölch, beginnt die Ausbildung in der eigenen Lehrwerkstatt.

Wenn Präzision Alltag ist

Während Viktoria die nächste Lieferung in Augenschein nimmt, greift 70 Kilometer südöstlich, im idyllischen Perschlingtal, eine Hand nach einem Metallrohling. Dann fährt die Maschine an. Tausendstel-Millimeter entscheiden hier darüber, ob ein Bauteil später in der Medizintechnik, im Rennsport oder in der Luft- und Raumfahrt funktioniert. Präzision ist in den Werkhallen der Gerhard Rauch GmbH in Trasdorf Alltag. Und genau hier beginnt auch die Ausbildung jener Fachkräfte, die das Unternehmen später einmal tragen sollen. „Unsere Lehrlinge sind unser Potenzial für die Zukunft“, weiß Lehrlingsausbilder Maximilian Singer. Seit 1970 wird hier ausgebildet, inzwischen haben mehr als hundert junge Menschen ihre Lehre abgeschlossen. 
Der Einstieg beginnt in der eigenen Lehrwerkstatt, danach durchlaufen die angehenden Fachkräfte sämtliche Abteilungen und lernen Maschinen, Abläufe und Arbeitsbereiche kennen. „Ich wollte schon immer einen handwerklichen Beruf lernen“, meint Sebastian Kölch, Werkzeugbautechniker im zweiten Jahr. Seine Aufgaben reichen vom Zuschneiden des Rohmaterials bis zur Arbeit an modernen Maschinen. „Die Arbeit ist abwechslungsreich und herausfordernd – und man wird von einem hilfsbereiten Team unterstützt.“
Jungen Menschen die Grundlagen des Berufs zu vermitteln, sei manchmal eine Herausforderung. „Umso schöner ist es, ihre Entwicklung zu beobachten: Wenn man merkt, wie sie sicherer werden und schließlich ihre Lehrabschlussprüfung erfolgreich schaffen“, erklärt Singer. 
Zusätzliche Schulungen, Teambuildings, ein kostenloser Mittagstisch oder Prämien für gute schulische Leistungen gehören ebenso dazu wie Unterstützung durch die Wirtschaftskammer NÖ – etwa durch Rechtsberatung oder Lehrstellenangebote wie die Lehrstellenbörse in Tulln. „Wir profitieren sehr vom Know-how der Experten in der WKNÖ“, betont Lehrlingsausbilder Maximilian Singer. Und Sebastian denkt schon weiter: „Ich möchte mein Wissen ausbauen und später eine Führungsposition im Betrieb übernehmen.“ 
www.welser.com
www.gasthaus-kappl.at
www.kastner.at
www.gerhard-rauch.at