Wohnneubau in Niederösterreich: Wild und Rädler fordern Reformen zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes
Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Niederösterreich und Verband gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), Landesgruppe Niederösterreich, präsentieren erstmals gemeinsam aktuelle Zahlen zu Wohnbauprojekten in der Pipeline und drängen auf Reformen auf Bundesebene.
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Aktuelle Zahlen zum Wohnneubau in Niederösterreich standen im Mittelpunkt der Pressekonferenz. Demnach sind 2026 3.700 neue Wohneinheiten geplant, ein Anstieg von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr, 2027 sind es rund 4.100 Wohnungen - und rund 45 Prozent davon entfallen auf den gemeinnützigen Mietsektor.
Leistbarer gemeinnütziger und vielfältiger gewerblicher Wohnbau bilden gemeinsam die Basis für einen stabilen Wohnungsmarkt in Niederösterreich.
Gewerblicher Wohnbau bleibt unverzichtbare Säule
Johannes Wild, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Niederösterreich, präsentierte die Zahlen zum gewerblichen Segment. Demnach entfallen in Niederösterreich 27 Prozent des Gesamtmarktes auf gewerbliches Eigentum, 16 Prozent auf gewerbliche Miete und weitere sechs Prozent auf sonstige gewerbliche Segmente. Damit steht der gewerbliche Wohnbau insgesamt für 49 Prozent des niederösterreichischen Gesamtmarktes.
„Diese Zahlen zeigen sehr klar, dass der gewerbliche Wohnbau in Niederösterreich eine tragende Säule des Neubaus bleibt. Wer den Wohnbau ankurbeln will, muss dafür sorgen, dass Projekte wieder wirtschaftlich darstellbar und Investitionen wieder kalkulierbar werden. Es braucht auf Bundesebene verlässliche Rahmenbedingungen, weniger kostentreibende Hürden und mehr Planungssicherheit“, so Wild.
Gemeinnütziger Wohnbau sichert leistbares Angebot
Christian Rädler, Obmann der GBV Landesgruppe Niederösterreich, verwies auf die große Bedeutung des gemeinnützigen Sektors für das leistbare Wohnen. Laut den präsentierten Daten entfallen fünf Prozent des Gesamtmarktes auf gemeinnütziges Eigentum, 43 Prozent auf gemeinnützige Mietwohnungen und drei Prozent auf sonstige gemeinnützige Segmente. Damit kommt der gemeinnützige Bereich insgesamt auf 51 Prozent des Marktes und stellt damit mehr als die Hälfte der Wohnbaupipeline in Niederösterreich.
„Der gemeinnützige Wohnbau ist ein zentraler Garant für leistbares Wohnen in Niederösterreich. Gerade in einem schwierigen Marktumfeld braucht es stabile und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen, damit ausreichend gebaut werden kann. Leistbarer Wohnraum entsteht nur dann, wenn gemeinnützige und gewerbliche Bauträger unter vernünftigen Voraussetzungen arbeiten können“, betonte Rädler.
Breiter Wohnungsmix zeigt Orientierung am Bedarf
Die präsentierten Daten zeigen nicht nur das Volumen des Neubaus, sondern auch die Struktur des Angebots. Im Durchschnitt verfügen die Projekte über eine Wohnnutzfläche von 74,3 Quadratmetern je Einheit. Der Wohnungsmix ist breit aufgestellt: Rund 36 Prozent der Einheiten entfallen auf 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen, etwa 38 Prozent auf 3-Zimmer-Wohnungen und rund 26 Prozent auf Wohnungen mit vier oder mehr Zimmern. Das spricht für ein Angebot, das sowohl kleinere Haushalte als auch Familien adressiert.
Auch wirtschaftlich bleibt der Druck hoch: Der durchschnittliche Grundkostenanteil liegt laut Präsentation bei 1.083 Euro pro Quadratmeter. Gerade dieser Kostenfaktor unterstreicht aus Sicht der Branchenvertreter, wie wichtig verlässliche wohnpolitische und finanzielle Rahmenbedingungen sind, damit neue Projekte auch tatsächlich umgesetzt werden können.
Wohnqualität und Ausstattung haben hohen Stellenwert
Ein zentrales Ergebnis der Auswertung betrifft die Qualität und Ausstattung der geplanten Projekte. Nahezu der gesamte Wohnneubau in Niederösterreich verfügt über Freiflächen: Rund 99 Prozent der Einheiten weisen eine solche auf. Im Durchschnitt beträgt die Freifläche 11,2 Quadratmeter pro Einheit.
Auch die Detailausstattung zeigt ein klares Bild: Rund 47 Prozent der Einheiten verfügen über Terrassen, etwa 45 Prozent über Balkone, rund 37 Prozent über Gärten und etwa 22 Prozent über Loggien. Damit ist erkennbar, dass Außenräume längst fixer Bestandteil moderner Wohnprojekte sind und einen wesentlichen Beitrag zur Wohnqualität leisten. Hinzu kommt eine durchschnittliche Zahl von 1,18 Pkw-Abstellplätzen pro Wohneinheit.
Wohnbau muss wieder einfacher und schneller werden
Vor diesem Hintergrund forderten Wild und Rädler gemeinsam Reformen in der Wohnpolitik auf Bundesebene, um den Wohnneubau wieder in Schwung zu bringen. Aus ihrer Sicht braucht es raschere und einfachere Verfahren, weniger bürokratische und kostentreibende Auflagen, verlässlichere Förder- und Finanzierungsbedingungen sowie insgesamt mehr Planbarkeit für Bauträger, Investoren und gemeinnützige Wohnbauunternehmen.
„Wenn wir wollen, dass ausreichend neuer Wohnraum entsteht, dann müssen die politischen Rahmenbedingungen wieder stärker auf Ermöglichung statt auf Verhinderung ausgerichtet werden“, betonten Wild und Rädler. „Österreich braucht auf Bundesebene Reformen, die den Neubau tatsächlich erleichtern. Nur so wird es gelingen, das Wohnungsangebot auszuweiten und gleichzeitig leistbares Wohnen zu sichern.“
Erstmals gemeinsamer Auftritt von gewerblichem und gemeinnützigem Sektor
Dass die Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Niederösterreich und die GBV Landesgruppe Niederösterreich diese Zahlen erstmals gemeinsam präsentieren, ist für beide Organisationen ein bewusstes Signal. Denn sowohl der gewerbliche als auch der gemeinnützige Wohnbau sind unverzichtbare Bestandteile eines funktionierenden Wohnungsmarktes. Die Daten zeigen, dass beide Segmente gemeinsam die Grundlage dafür schaffen, dass in Niederösterreich Eigentum, Miete und leistbarer Wohnraum in ausreichender Vielfalt entstehen können.
Grundlage der Auswertung ist die Präsentation „Wohnbauprojekte in der Pipeline: Niederösterreich“ von WKNÖ, Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder, GBV NÖ und Exploreal GmbH. Der Erhebungszeitraum umfasst die Jahre 2024 bis 2026. Erfasst wurden rund 460 Bauprojekte mit insgesamt 12.099 Wohneinheiten.
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