EU-Entwaldungsverordnung (EUDR): Kostenfreie Tools zur Umsetzung
Hilfsmittel und Anleitungen für Sorgfaltserklärungen, Geolokalisierung und Risikobewertung
Lesedauer: 10 Minuten
Pflichten und Betroffenheit gemäß EUDR erkennen
Die NGO Preferred by Nature bietet ein Selbstbewertungstool an, bei dem Sie feststellen können, ob und welche Pflichten Sie im Rahmen der EUDR treffen.
Derzeit in Überarbeitung: Der EUDR-Entscheidungsbaum des WKÖ Bundesgremium Baustoff-, Eisen- und Holzhandel, ein Onlineratgeber zur Ersteinschätzung der Betroffenheit im Sinne der EUDR, dient als Unterstützung, um zu erkennen, ob Ihr Unternehmen und Produkt von der EU-Entwaldungsverordnung betroffen ist.
EUDR-Informationssystem
Das EUDR-Informationssystem in der TRACES NT-Datenbank ermöglicht es Unternehmen und ihren Bevollmächtigten, direkt im System elektronische Sorgfaltserklärungen zu erstellen und damit Referenznummern zu generieren.
Die Europäische Kommission bietet Trainingsvideos zur Handhabung des EUDR-Informationssystems an, wie auch eine Trainingsplattform und ein Benutzerhandbuch zum Informationssystem.
Kurz-Anleitung Registrierung im EUDR-Informationssystem
- Um auf die EUDR-Plattform zugreifen zu können, müssen Sie ein EU-Login-Konto erstellen (Klicken Sie rechts auf „Zugang beantragen“).
- Nach Erstellung des EU-Login-Kontos müssen Sie beim Erstzugriff auf der Plattform ein Konto einrichten und eine Rolle (hier: Unternehmer) beantragen, um die EUDR-Funktionen nutzen zu können.
- Sie werden automatisch zu einer Suchmaske weitergeleitet bzw. können Sie auch auf den Reiter „Akteure“ und weiter auf „Unternehmen/Betrieb“ gehen, und nach Ihrem Unternehmen suchen. Sollte Ihr Unternehmen noch nicht gelistete sein, gehen Sie auf „+ Neues Unternehmen“.
Die Pflichtangaben umfassen neben den gewöhnlichen Angaben zum Unternehmen die „Unternehmenskennung“ (Eingabe z.B. EORI- oder UDI-Nummer). Als nächstes empfehlen wir Ihnen bei „+ Add Activity Section“ und weiter unten in „Aktivität hinzufügen“ Ihre Rolle zu definieren (z.B. als Bevollmächtigter, KMU- oder Nicht-KMU-vorgelagerter Marktteilnehmer, KMU- oder Nicht-KMU-nachgelagerter Marktteilnehmer oder Händler“).
Bei Klicken auf „Erstellen“ haben Sie Ihr Unternehmen erfolgreich angelegt.
Kurz-Anleitung Erstellung Sorgfaltserklärung (DDS)
- Wenn Sie auf der EUDR-Plattform angemeldet sind, klicken Sie auf der Startseite auf „Neue EUDR Erklärung erstellen“ oder wählen Sie im Menü „Dokumente“ den Eintrag „EU Entwaldung“ aus. Anschließend öffnet sich das Dashboard für die Sorgfaltserklärungen. Klicken Sie auf die Schaltfläche „Erstellen“, um eine Sorgfaltserklärung zu kreieren.
- Es öffnet sich ein neues Fenster mit der Aufforderung zur freiwilligen Eingabe einer internen Referenznummer. Wird keine Nummer eingegeben, erfolgt bei der ersten Speicherung der neuen Sorgfaltserklärung die systemseitige Zuteilung einer entsprechenden Nummer. Klicken Sie auf „Bestätigen“.
- Es sind alle mit einem roten Stern gekennzeichneten Pflichtfelder auszufüllen. Nach der Auswahl des Rohstoffcodes füllen Sie bitte weitere Pflichtfelder (Beschreibung des Rohstoffs/Erzeugnisses, Menge) sowie andere fakultative Felder aus.
- Klicken Sie auf „+ Erzeugungsort hinzufügen“. Wenn im Voraus keine GeoJSON-Datei erstellt wurde, klicken Sie auf das „Kartentool-Symbol“. Auf der Karte können Sie Punkte oder Flächen einzeichnen. Klicken Sie nach dem Markieren auf „Bestätigen“, um die Koordinaten in die Sorgfaltserklärung zu übertragen.
- Füllen Sie das Pflichtfeld „Erzeugungsland“ aus und klicken Sie dann auf „Speichern“ und anschließend auf „Bestätigen“. Die Sorgfaltserklärung wird nun in der Datenbank mit einer internen Referenznummer erfasst.
- Um die Einreichung der Sorgfaltserklärung abzuschließen, klicken Sie nach Prüfung aller gemachten Angaben auf „Einreichen“ und dann auf „Bestätigen & unterzeichnen“. Die Sorgfaltserklärung wurde nun eingereicht. Nach wenigen Minuten wird die Sorgfaltserklärung automatisiert erstellt und es wird ihr eine eindeutige Referenznummer zugewiesen, die Sie zu Dokumentationszwecken und für die Weitergabe an Ihren Kunden verwenden müssen.
Software-Lösungen für die EUDR
Neben der Abgabe der Sorgfaltserklärung im EUDR-Informationssystem müssen Informationen, gemäß Art. 9 EUDR eingeholt werden und ggfs. eine Risikobewertung und Risikominderung durchgeführt werden. Das Projekt „elan!“ von „Global Nature Fund“ und „OroVerde − Die Tropenwaldstiftung“ hat eine kostenfrei nutzbare Übersicht über Software-Lösungen für die EUDR veröffentlicht. Damit finden Sie heraus, welche Anbieter Ihnen bei der Umsetzung der EUDR unterstützen können. Die Publikation soll Unternehmen dabei helfen, aus der Vielzahl an Angeboten das für sie geeignete Tool zu finden und auszuwählen. Das Angebot reicht von kostenlosen Open Source Lösungen bis zu kostenpflichtigen Komplettsystemen.
Unternehmen sollen sich darüber bewusst sein, wenn sie sich für die Nutzung von digitalen Lösungen entscheiden, dass die Haftbarkeit bei ihnen verbleibt und nicht auf die Toolanbieter übertragen werden kann. Anbieter von EUDR-Tools sind nicht für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht verantwortlich. Unternehmen müssen daher sicherstellen, dass sie die erforderlichen Maßnahmen zur Einhaltung der EUDR selbst ergreifen und ein gutes Monitoring etablieren.
Die WKÖ hat folgende kostenlose Software-Anbieter im Bereich EUDR getestet:
1. Software für Geolokalisierung
Die Erfassung der Geolokalisierungskoordinaten eines Grundstücks kann über Mobiltelefone, tragbare GNSS-Geräte (Global Navigation Satellite System) und weitverbreitete und kostenlos nutzbare digitale Anwendungen (z.B. geografische Informationssysteme (GIS)) erfolgen. Diese benötigen keine Mobilfunknetzabdeckung, sondern nur ein solides GNSS-Signal, wie es Galileo liefert.
In der EUDR-Sorgfaltserklärung müssen die Geokoordination bis zur sechsten Dezimalstelle im EUDR-Informationssystem angegeben werden.
Empfehlung:
Google Earth
- Google Earth
- Entwicklung der Landfläche von 1970 bis teilweise 2025, aber nicht verfügbar in bestimmten Regionen in China
- Möglichkeit eine Grundstücksfläche (Polygon) einzuzeichnen; Flächen können als Projekt gespeichert und als KML-Datei exportiert werden
- Koordinatensystem: WGS 84 Web Mercator
Für die EUDR ist es relevant, dass es auf der Waldfläche, von welchem das Produkt stammt, seit 31.12.2020 zu keiner Entwaldung oder Waldschädigung gekommen ist. Mittels Satellitenbilder über Google Earth können Grundstücksflächen angesehen werden und überprüft werden, ob seit 2020 sichtbare Veränderungen durch Rodung stattgefunden haben.
2. Software für Entwaldungsrisikoanalyse
Für die ermittelten Geokoordinaten ist in einem weiteren Schritt das Entwaldungsrisiko am Standort zu überprüfen. Grund dafür ist, dass Ware, die auf dem EU-Markt in Verkehr gebracht werden soll, den Vorgaben der EUDR gemäß kein oder lediglich ein vernachlässigbares Entwaldungsrisiko aufweisen darf.
Empfehlung:
EU observatory on deforestation and forest degradation
- EU observatory on deforestation and forest degradation
- Darstellung ob 2020 ein Wald auf der relevanten Fläche bestanden hat = Wenn es keinen Wald vor 2020 gab, hat auch keine Entwaldung iSd EUDR stattgefunden
- Darstellung welcher Waldtyp 2020 vorgelegen ist -> Bei Plantagen/gepflanztem Wald gibt es keine Waldschädigung
Whisp Earth Map
- Whisp Earth Map
- Darstellung ob 2020 ein Wald auf der relevanten Fläche bestanden hat = Wenn es keinen Wald vor 2020 gab, hat auch keine Entwaldung iSd EUDR stattgefunden
- Darstellung welcher Waldtyp 2020 vorgelegen ist -> Bei Plantagen/gepflanztem Wald gibt es keine Waldschädigung
Global Forest Watch
- Global Forest Watch
- Entwaldungs-Analyse (in der Legende wird der zeitliche Verlauf des Baumbedeckungsverlustes angezeigt; Hinweis: eingeben erst ab 31.12.2020
- Darstellung von Wiederaufforstung
- Entwaldungswarnungen fast in Echtzeit
- Standorte für Produktion von Soja, Palmöl und Holzfasern können angezeigt werden
- Unter den Reiter „Map“ können auf der digitalen Karte Datenpunkte oder Polygone eingezeichnet werden
keine Unterscheidung zwischen Holzernte und Rodung mit anschließender Nutzung als landwirtschaftliche Fläche → beim Lieferanten nachfragen, wenn sich Fläche in Gebiet befindet, wo es zu einem Waldverlust gekommen ist.
Global Forest Watch ermöglicht eine Entwaldungs-Analyse innerhalb einer geographischen Region. Diese Region kann entweder selbst auf einer Karte eingezeichnet werden oder sich an einem Land, einer Region oder einer Municipality orientieren. Die Entwaldung in der gewählten Region kann im Zeitverlauf angezeigt werden und es gibt die Möglichkeit, Alerts für Entwaldung und Waldbrände in den gewählten Regionen einzustellen.
Das Tool erlaubt die Darstellung von Wiederaufforstung, bietet Aktualisierungen des Verlusts der Tropenwälder, Entwaldungswarnungen fast in Echtzeit sowie Analyse historischer Trends der Waldveränderungen seit 2000.
Trase
- Trase
- Informationsdatenbank zum nachhaltigen bzw. entwaldungsfreien Handel
- Zeigt bestimmte Gebiete in Lateinamerika an, wo Entwaldung stattfindet
3. Software für Risikobewertung der Einhaltung einschlägigen Rechtsvorschriften des Erzeugerlandes
Der Nachweis der Legalität (= dass die EUDR-Ware „gemäß den einschlägigen Rechtsvorschriften des Erzeugerlandes erzeugt“ wurde) ist neben der Entwaldungsfreiheit Voraussetzung dafür, dass die Ware überhaupt im EU-Binnenmarkt auf den Markt gebracht oder aus der Union ausgeführt werden darf. Die einschlägigen Rechtsvorschriften, die einzuhalten sind:
- Landnutzungsrechte
- Umweltschutz
- Forstbezogene Vorschriften
- Rechte Dritter
- Arbeitnehmerrechte
- Völkerrechtlich geschützte Menschenrechte
- Grundsatz der freiwilligen und in Kenntnis der Sachlage erteilten vorherigen Zustimmung (the principle of free, prior and informed consent – FPIC), auch entsprechend Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker
- Steuer-, Korruptionsbekämpfungs-, Handels- und Zollvorschriften
In der Praxis wirft diese Liste eine Reihe von Frage auf, insbesondere wie genau EU-Marktteilnehmer die Einhaltung nationaler Gesetze überprüfen müssen und überhaupt faktisch können. Es erachtet sich als schwierig, (belegbare) Informationen darüber zu erhalten, dass sämtliche Rechtsvorschriften iZm. Schutz der Wälder, zur Verringerung der Treibhausgasemissionen oder zum Schutz der biologischen Vielfalt, eingehalten wurden.
Nach Ansicht der Europäischen Kommission könnten bspw. offizielle Dokumente von Behörden, gerichtliche Entscheidungen oder Folgenabschätzungen und Prüfungen, die durchgeführt wurden und interessanterweise auch vertragliche Vereinbarungen, für die eigene Risikobewertung hins. der Rechtskonformität herangezogen werden. In jedem Fall müssten Marktteilnehmer überprüfen, ob diese Dokumente tatsächlich verlässlich sind, wobei auch das Korruptionsrisiko im Produktionsland mitberücksichtigt werden muss.
Um tatsächliche Klarheit über die Tragweite des Kriteriums der Rechtskonformität zu haben, wird es aber wohl noch praktische Erfahrungen und, darauf aufbauend, klarere rechtliche oder behördliche Vorgaben brauchen.
Empfehlung:
CSR Risiko Check
- CSR Risiko Check
- Einschätzung der lokalen Menschenrechtssituation sowie Umwelt-, Sozial- und Governancethemen im Erzeugerland
- Mit dem Tool können individuelle Informationen zu relevanten Risiken sowie Hinweise zu entsprechenden Abhilfemaßnahmen bereitgestellt werden.
Business & Human Rights Ressource Center
- Business & Human Rights Ressource Center
- Es werden über 10.000 Unternehmen in über 180 Ländern beobachtet.
- Informationen zu Menschenrechtsbelangen sind auf der Plattform des Business & Human Rights Ressource Center öffentlich zugänglich.
4. Software für Lieferkettenmapping/Datenmanagement-Tools
Wenn ein Unternehmen über mehrere komplexe Lieferketten verfügt, kann der Bedarf für ein umfassendes Lieferkettenmapping entstehen. Dies kann helfen, die für die Sorgfaltspflichterklärung erforderlichen Daten und Informationen systematisch aus den Lieferketten einzusammeln. So zum Beispiel die Geokoordinaten der Erzeugungsorte oder die Nachweise zur Entwaldungsfreiheit, aber auch simplere Informationen, wie die exakte Warenbezeichnung (HS-Code) oder die Liefermenge.
Es gibt Lieferkettenmapping- bzw. Datenmanagement-Tools, die Unternehmen bei dieser herausfordernden Aufgabe unterstützen können. Dazu wird meist eine Online-Umgebung geschaffen, die von dem betreffenden Unternehmen (Haupt-User) verwaltet wird und die häufig auch den Beteiligten innerhalb der Lieferkette (Neben-User) zugänglich gemacht wird, damit diese die benötigten Daten und Informationen dort einpflegen. In der Regel handelt es sich bei solchen Tools um kostenpflichtige Angebote.
5. EUDR-Komplettlösung
Mit Komplettlösung wird im Kontext der EUDR ein Tool bezeichnet, das gleich mehrere Funktionen auf einmal (bzw. nacheinander) übernimmt. In der Regel handelt es sich hierbei um kostenpflichtige Angebote.
Häufig wird vollständige EUDR Compliance in Aussicht gestellt und viele der Tools vermitteln den Eindruck, dass Unternehmen nur minimalen Aufwand betreiben müssen, da das Tool nahezu vollautomatisch die Prüfung übernimmt und die Ergebnisse über eine Schnittstelle direkt in das EU-Informationssystem hochgeladen werden. Es ist jedoch ratsam, die angebotenen Funktionen sorgfältig zu prüfen, gezielte Nachfragen zu stellen und ggf. Demoversionen oder Testzugänge anzufordern, um den Funktionsumfang besser beurteilen zu können.
Zertifizierungen gemäß Anforderungen der EUDR
Zertifizierungen können als Unterstützung bei der Risikobewertung genutzt werden.
Die Kriterien der verschiedenen Zertifizierungen werden in regelmäßigen Abständen angepasst und derzeit größtenteils den Anforderungen der EUDR entsprechend verschärft.
Bekannte Zertifikate
- Bio: Demeter, Naturland
- Holz: Blauer Engel, FSC, PEFC, Holz von Hier
- Kaffee: Rainforest Alliance/UTZ, 4C (The Common Code for the Coffee Community), Fairtrade, Fair for Life
- Kakao: Rainforest Alliance/UTZ, Fairtrade, Fair for Life
- Naturkautschuk: Fair Rubber e.V., FSC, PEFC
- Palmöl: ISCC Plus, Roundtable on Sustainable Biomaterial (RSB), Roundtable on Sustainable Palmoil (RSPO)
- Leder: Leather Working Group, IVN Naturleder
- Für Rindfleisch gibt es derzeit noch kein Zertifizierungsangebot, das Entwaldung in den Produktionsländern berücksichtigt oder ausschließt.
- Soja: Donau Soja/Europe Soya, ISCC Plus, ProTerra, RTRS; QS Zusatzmodul Entwaldungsfreies Soja (QS zertifiziert keinen Anbau in den Produktionsländern, aber für alle nachgelagerten Akteure der Futtermittelindustrie bietet QS seit April 2023 das Zusatzmodul für entwaldungsfreies Soja an)