So hat sich die Beschäftigung im Steirerland verändert
Zum Tag der Arbeit zeigt sich, wie stark sich die steirische Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten verändert hat: Viele große und kleine Betriebe tragen das Land heute gemeinsam.
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Die steirische Arbeitswelt ist größer geworden und heute deutlich breiter aufgestellt als noch vor 20 Jahren. Beschäftigung, Selbständige und demnach auch Gründungen haben zugelegt. Gleichzeitig haben sich die Gewichte zwischen Industrie, Gewerbe, Tourismus, Handel und wissensintensiven Dienstleistungen verschoben. Arbeit entsteht längst nicht mehr nur in Werkshallen, auf Baustellen oder im Verkauf. Auch IT, Logistik, Beratung, Pflege, Freizeitwirtschaft und Ein-Personen-Unternehmen tragen das Wachstum. Der Tag der Arbeit zeigt damit nicht nur Kontinuität, sondern vor allem, wie stark sich Struktur, Branchenmix und Träger der Beschäftigung in der Steiermark verändert haben. „Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind bei uns ein starkes Team. Darauf können wir gerade rund um den Tag der Arbeit stolz sein“, applaudiert das WKO-Steiermark-Präsidium rund um Präsident Josef Herk.
Denn die gemeinsam erwirtschaftete Bilanz kann sich sehen lassen: Die steirischen Sozialbeiträge stiegen von 6,88 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf 8,57 Milliarden Euro 2024. Das entspricht einem Plus von 24,6 Prozent. Auch die Arbeitgeberbeiträge legten kräftig zu und erhöhten sich im selben Zeitraum von 4,13 auf 5,20 Milliarden Euro. Die Zahlen zeigen klar, wie stark Beschäftigung, Einkommen und wirtschaftliche Leistungskraft in der Steiermark in wenigen Jahren gewachsen sind.
Auch ein Blick auf die Beschäftigung zeigt die Größenordnung dieses Wandels. In der gewerblichen Wirtschaft der Steiermark arbeiten derzeit insgesamt 403.000 unselbständig Beschäftigte in 27.105 Arbeitgeber-Unternehmen. Ein starkes Plus, waren es 2006 doch nur 315.000 Beschäftigte. Schaut man noch weiter hinein, so wird schnell die Verschiebung innerhalb der Branchen sichtbar. Der Bereich Information und Consulting hat sich seit 2001 von etwas über 12.000 Personen auf 33.000 fast verdreifacht, während es im Handel im gleichen Zeitraum (von 60.000 auf 70.000) nur leicht nach oben ging.
Am stärksten bleibt aber das klassische Rückgrat: Gewerbe und Handwerk stellen mit 122.000 Beschäftigten weiterhin den größten Block, gefolgt von der Industrie mit 83.000 Beschäftigten. Doch die Dynamik kommt zunehmend aus anderen Richtungen: Der Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft wies 2025 bereits 54.000 Beschäftigte auf und legte gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent zu.
Selbst wenn die Beschäftigung zuletzt leicht rückläufig war – nach 406.000 im Jahr 2023 und 405.000 im Jahr 2024 ging sie 2025 auf 403.000 zurück –, bleibt das Niveau hoch. Die Steiermark arbeitet heute mit deutlich mehr Menschen als noch vor zwei Jahrzehnten, 2005 waren es noch 313.000.
Dabei ist das Land wirtschaftlich zweigeteilt – und gerade daraus entsteht seine Stärke. Einerseits dominieren die Kleinen: 77,2 Prozent aller Arbeitgeber-Unternehmen sind Kleinstbetriebe mit ein bis fünf Beschäftigten. Andererseits tragen die Großen einen gewaltigen Teil der Last: Nur 0,7 Prozent der Unternehmen sind Großbetriebe mit 250 oder mehr Beschäftigten, doch auf sie entfallen 34,4 Prozent aller Beschäftigten. Die steirische Arbeitswelt lebt also von einer breiten Basis kleiner Betriebe und von einer Spitze großer Arbeitgeber, die tausende Jobs bündeln.
Auch die Zusammensetzung der Arbeit hat sich verschoben. 244.000 Beschäftigte sind Männer, 158.000 Frauen. Doch in einzelnen Sparten ist das Bild heute ein völlig anderes als früher: Im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft liegt der Frauenanteil bei 66,8 Prozent, im Handel bei 56,8 Prozent, bei Banken und Versicherungen bei 53,9 Prozent. Die Industrie und der Verkehr bleiben hingegen stark männlich geprägt. Parallel dazu zeigt sich auch bei den Unternehmern ein markanter Wandel: Ende 2025 zählte die WKO Steiermark 103.000 Mitglieder, davon 87.000 aktiv. Frauen liegen bei den natürlichen Personen inzwischen mit rund 41.000 Mitgliedern knapp vor den Männern mit 40.000. Unternehmertum in der Steiermark wird also nicht nur vielfältiger, sondern auch deutlich weiblicher.
Regional bleibt die Landeshauptstadt der große Magnet der steirischen Arbeitswelt. Graz vereint nämlich 21.389 aktive WK-Mitglieder, 6.750 Arbeitgeber-Unternehmen und 113.000 Beschäftigte in den Arbeitsstätten. Von insgesamt 5.184 Neugründungen in der Steiermark entfiel 2025 der Löwenanteil auf Graz, dazu kommen 954 Lehrbetriebe und 3.494 Lehrlinge. Die Lehre zählt allgemein betrachtet weiterhin zum „Familiensilber“ der Betriebe: 2025 gab es in der Steiermark 14.442 Lehrlinge in 4.695 Lehrbetrieben.
Bruck-Mürzzuschlag. 2.326 Arbeitgeber-Unternehmen und 28.155 Beschäftigte machen die Region zu einem der stärksten Industriebereiche der Obersteiermark. Prägend sind voestalpine, Böhler Edelstahl oder Pankl Racing. Weiteres wichtiges Standbein: der Tourismus rund um Mariazell.
Deutschlandsberg zählt 1.519 Arbeitgeber-Unternehmen und 18.172 Beschäftigte. Die Region verbindet Industrie und Lebensqualität auf besondere Weise. Magna Powertrain, G.L. Pharma und TDK Electronics prägen den Bezirk ebenso wie Internorm und Ceram Austria. Dazu kommt touristisch das Schilcherland.
Graz. Mit 8.204 Arbeitgeber-Unternehmen und 113.011 Beschäftigten ist die Landeshauptstadt der klare Motor der steirischen Arbeitswelt. Magna Steyr, AVL List, Knapp, Anton Paar und Andritz geben hier den Ton an. Dazu greifen Forschung, Hochschulen, Industrie und Dienstleistungen eng ineinander.
Graz-Umgebung kommt auf 4.161 Arbeitgeber-Unternehmen und 56.871 Beschäftigte. Der Bezirk profitiert von Leitbetrieben wie Knapp, ams-Osram, Sappi Austria und MM Frohnleiten, die für industrielle Kraft stehen. Ergänzt wird das durch Gewerbe, Logistik und starke Verflechtungen im gesamten Zentralraum.
Hartberg-Fürstenfeld zählt 2.584 Arbeitgeber-Unternehmen und 25.947 Beschäftigte. Zu den größten Arbeitgebern zählen Magna Powertrain, Ringana und Haas Fertigbau Holzbauwerk. Gerade dieser Mix aus Produktion, Regionalität und Thermenwirtschaft macht den Bezirk wirtschaftlich besonders stabil.
Leibnitz vereint 2.317 Arbeitgeber-Unternehmen und 21.609 Beschäftigte. Umdasch Store Makers, ZF Lemförder Achssysteme und Steirerfleisch zählen wie Styriabrid zu den prägenden Industriebetrieben. So verbindet Leibnitz Weinland, Lebensmittelwirtschaft und industrielle Wertschöpfung.
Leoben zählt 1.407 Arbeitgeber-Unternehmen und 17.798 Beschäftigte. Prägend sind das Hüttenwerk Donawitz der voestalpine, AT&S, Mayr-Melnhof Holz und die Brauerei Göss. Zusammen mit der Montanuniversität ergibt das einen Standort, an dem Stahl, Forschung, Technologie und industrielle Kompetenz besonders eng zusammenfinden.
Liezen kommt auf 2.770 Arbeitgeber-Unternehmen und 25.269 Beschäftigte und zählt zu den vielseitigsten Bezirken des Landes. AHT Cooling Systems, GF Casting Solutions Altenmarkt, die Maschinenfabrik Liezen und Gießerei sowie die MACO Produktions GmbH stehen für die industrielle Seite. Gleichzeitig verleiht der starke Tourismus der Region zusätzliche Stabilität und wirtschaftliche Breite.
Murau vereint 825 Arbeitgeber-Unternehmen und 5.694 Beschäftigte. IBS Austria, KLH Massivholz und Zeman Bauelemente zählen zu den bedeutendsten Arbeitgeberbetrieben. Nicht wegzudenken sind die Holzindustrie und der Tourismus.
Murtal zählt 1.819 Arbeitgeber-Unternehmen und 19.705 Beschäftigte. Zu den größten Betrieben zählen voestalpine Turnout Technology Zeltweg, Zellstoff Pöls, Sandvik, ÖBB-Technische Services und Stahl Judenburg. Der Red Bull Ring sorgt zusätzlich für internationale Sichtbarkeit.
Südoststeiermark weist 2.189 Arbeitgeber-Unternehmen und 22.641 Beschäftigte auf. Große Industriekonzerne fehlen weitgehend, dafür trägt ein breiter Mittelstand die Region. Unternehmen wie e-Lugitsch stehen exemplarisch für diese Struktur.
Voitsberg zählt 1.180 Arbeitgeber-Unternehmen und 9.664 Beschäftigte. Der Bezirk steht für gelungenen Strukturwandel. Stoelzle Oberglas, Remus Innovation, Röhren- und Pumpenwerk Bauer, HOLZ-HER Maschinenbau und Krenhof prägen das industrielle Profil. So ist aus der früheren Kohleregion ein Wirtschaftsraum geworden, der auf Glas, Metall, Technik und moderne Produktion setzt.
Weiz vereint 2.320 Arbeitgeber-Unternehmen und 30.043 Beschäftigte und ist einer der stärksten Bezirke außerhalb von Graz. Siemens, Magna und Andritz Hydro prägen die Region als große Arbeitgeber. Dazu kommen Maschinenbau, Metall und Elektronik.