Lohnnebenkosten-Senkung entlastet Steiermarks Betriebe
Die Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028 wurde im Nationalrat fixiert. Für steirische Betriebe bedeutet das eine jährliche Entlastung von 203 Millionen Euro.
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Mit dem Beschluss des Bundesbudgets im Nationalrat wurde die Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt ab 2028 fixiert. Für die steirischen Betriebe bedeutet das laut aktuellen Berechnungen eine jährliche Entlastung von rund 203 Millionen Euro in der gewerblichen Wirtschaft, über alle Branchen im Land hinweg sogar rund 263 Millionen Euro – das bringt Jobs, wenn die Gegenfinanzierung nicht auf der Wirtschaft lastet.
Die Steiermark ist ein stark exportorientiertes Industrieland, in dem Personal- und Lohnnebenkosten über Investitionen, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit entscheiden. Der Faktor Arbeit ist hier – wie in ganz Österreich – hoch belastet: Von einem Euro Arbeitskosten kommen netto nur rund 53 Cent bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, die Belastung liegt mit 47,1 Prozent im internationalen Spitzenfeld. Für viele steirische Unternehmen, vom Ein-Personen-Unternehmen bis zum Leitbetrieb, ist das seit Jahren ein Standortnachteil. Mit der nun beschlossenen Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt ab 2028 – konkret dem FLAF-Beitrag von 3,7 auf 2,7 Prozent – wird eine zentrale Forderung der Wirtschaftskammer umgesetzt. Österreichweit bringt die Maßnahme den Unternehmen jährlich rund zwei Milliarden Euro Entlastung. Ökonomische Modellrechnungen von EcoAustria zeigen: Ein Prozentpunkt weniger Lohnnebenkosten schafft 10.000 zusätzliche Jobs und hebt die Wertschöpfung in Österreich um rund 1,22 Milliarden Euro.
203 Millionen Euro Entlastung und 1.400 neue Jobs für Steiermark
Für die Steiermark liegen die Effekte klar auf dem Tisch:
- Die Betriebe der gewerblichen Wirtschaft im Bundesland werden ab 2028 um rund 203 Millionen Euro pro Jahr entlastet.
- Rechnet man alle Unternehmen im Land ein, steigt die jährliche Entlastung auf rund 263 Millionen Euro.
- Laut EcoAustria-Berechnungen können in der Steiermark durch die Lohnnebenkostensenkung rund 1.400 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.
- Die zusätzliche Wertschöpfung im Bundesland beträgt 158 Millionen Euro pro Jahr.
Besonders stark wirkt die Maßnahme in jenen Sparten, die vom Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel besonders betroffen sind. Allein Gewerbe und Handwerk in der Steiermark profitieren mit einer Entlastung von rund 58 Millionen Euro jährlich, die Industrie im Land mit rund 65 Millionen Euro. Insgesamt sind in der steirischen gewerblichen Wirtschaft über 388.000 unselbständig Beschäftigte in rund 68.000 Betrieben tätig.
Zugleich trägt die Maßnahme zur Absicherung der Exportstärke des Landes bei: In der Steiermark hängen rund 177.600 Jobs direkt oder indirekt vom Export ab. Geringere Lohnnebenkosten erleichtern es den Unternehmen, im internationalen Wettbewerb zu bestehen, neue Märkte zu erschließen und Beschäftigung im Land zu halten. Auf Betriebsebene wird die Entlastung konkret spürbar. Ein Handwerksbetrieb mit zehn Mitarbeitern und durchschnittlich 2.700 Euro Bruttolohn pro Kopf erspart sich durch die Senkung der Lohnnebenkosten rund 3.800 Euro pro Jahr. Ein Handelsbetrieb mit 100 Beschäftigten und 2.800 Euro Durchschnittseinkommen kommt auf eine jährliche Entlastung von knapp 40.000 Euro, ein Industriebetrieb mit 1.000 Mitarbeitern auf rund 500.000 Euro. Spielräume, die direkt in zusätzliche Jobs, Investitionen und höhere Löhne fließen können.
Herk: „Erster wichtiger Schritt – aber Entlastung darf nicht versanden“
„Die Senkung der Lohnnebenkosten ist ein langerkämpfter Erfolg der Wirtschaftskammer und ein wichtiges Signal für den Standort Steiermark. 203 Millionen Euro Entlastung allein für die gewerbliche Wirtschaft im Land sind ein spürbarer Schritt in die richtige Richtung, der unsere Betriebe stärkt und neue Jobs ermöglicht“, betont Josef Herk, Präsident der WKO Steiermark. Gleichzeitig mahnt Herk, die Gesamtwirkung nicht durch Gegenfinanzierungsmaßnahmen zu verwässern: „Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Faktor Arbeit endlich entlastet wird. Wenn aber Teile der Gegenfinanzierung wieder direkt oder indirekt bei den Betrieben landen, droht aus der Entlastung nahezu ein Nullsummenspiel zu werden. Entlastung bei den Lohnnebenkosten darf nicht dadurch verpuffen, dass man an anderer Stelle neue Lasten für Unternehmen schafft.“
Herk verweist auch auf den Zeitplan: „Die Fixierung ab 2028 schafft Planungssicherheit. Unsere Betriebe brauchen die Entlastung aber angesichts hoher Energie-, Zins- und Lohnkosten schon heute. Die jetzige Entscheidung ist ein erster, wichtiger Schritt auf einem längeren Weg – diesem Schritt müssen weitere folgen.“
WKO Steiermark bleibt am Ball: Standort stärken, Arbeit entlasten
Die WKO Steiermark hat sich seit Jahren auf Landes- und Bundesebene für die Senkung der Lohnnebenkosten stark gemacht und wird die Umsetzung nun eng begleiten. Ziel ist, dass die Mittel frei werden, wo sie die größte Wirkung entfalten: in neue Arbeitsplätze, Aus- und Weiterbildung, Digitalisierung, Innovation und Investitionen in den Standort Steiermark. Um den Standort Steiermark langfristig zu stärken, erscheint es aus Sicht der WKO Steiermark sinnvoll, die jetzt beschlossene Maßnahme in einen größeren Entlastungspfad einzubetten. Denkbar wäre etwa, einen mittelfristigen Stufenplan für weitere Senkungen der Lohnnebenkosten zu entwickeln, der klar an Wachstums- und Beschäftigungsziele gekoppelt ist.
Eine Möglichkeit wäre zudem, die Gegenfinanzierung so zu gestalten, dass zusätzliche Belastungen für Unternehmen möglichst vermieden und stattdessen wachstumsfreundliche Quellen wie Ausgabendisziplin und Effizienzsteigerungen in der Verwaltung stärker genutzt werden. Als ein Ansatz könnte auch dienen, Entlastungen bei Lohnnebenkosten mit Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur Fachkräftesicherung zu verbinden, um den Standort-Effekt zu verstärken. „Die Senkung der Lohnnebenkosten ist ein wichtiger Etappensieg, aber noch längst nicht das Ziel“, fasst Herk zusammen. „Wir werden weiter dafür arbeiten, dass Arbeit in der Steiermark leistbar bleibt, Beschäftigung gesichert wird und unsere Betriebe die Luft zum Atmen bekommen, die sie für Wachstum und Investitionen brauchen.“