Mit dem eigenen Business auf Weltreise gehen
Doris Steinscherer machte sich mit knapp 50 selbständig und berät zu „New Work“. Nun hat sie die Segel gehisst und bringt Job und Weltreise unter einen Hut.
Lesedauer: 4 Minuten
Von einer Weltreise träumen viele. Was oft fehlt, ist die Zeit. Wann haben Sie sich entschlossen, die Idee in die Tat umzusetzen?
Dazu gibt es eine Vorgeschichte: 2019, als ich noch angestellt war, habe ich mir mit meinem Partner ein Sabbaticaljahr gegönnt. Wir waren damals elf Monate mit dem Segelschiff unterwegs. Leider mussten wir die Reise aufgrund von Corona vorzeitig abbrechen. Die Sehnsucht, die Welt zu sehen, war aber weiterhin da. 2024 haben wir mit der Planung unserer nächsten Reise begonnen. Und jetzt ist es wieder so weit. Seit diesem Sommer sind wir wieder auf dem Segelboot. Wie lange die Reise dauern wird, lassen wir uns offen. Unser Ziel ist Tuvalu.
Dieses Mal ist aber vieles anders. Mittlerweile sind Sie selbständig und arbeiten vom Segelboot aus. Wie funktioniert das?
Ich habe mich 2020 mit der Feelgood-Management-Akademie selbständig gemacht. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Online-Akademie. Das ist natürlich ein unglaublicher Vorteil, weil ich dadurch von überall aus arbeiten kann. Aber wir bieten auch Präsenztrainings an. Heißt für mich: Meine Reise werde ich auch immer mal wieder unterbrechen und nach Österreich fliegen.
Feelgood Management ist ein zentraler Bestandteil des New-Work-Konzepts. Was hat es damit auf sich?
Viele denken bei New Work sofort an Homeoffice, Laptop und Vier-Tage-Woche, aber New Work ist viel mehr. Es geht darum, Arbeit so zu gestalten, dass sie zum Leben passt und nicht, dass das Leben ständig um die Arbeit herum gebaut werden muss. Das erlebe ich gerade selbst sehr intensiv. Ich arbeite nicht mehr von einem klassischen Büro aus, sondern von der Koje unseres Segelbootes. Das klingt nach purer Freiheit, hat aber viel mit Selbstverantwortung zu tun. Und genau das ist für mich New Work: Mehr Sinn, mehr Selbstverantwortung und mehr Menschlichkeit. Arbeit sollte wieder menschlicher gedacht werden. Nicht weicher, nicht weniger professionell, sondern so, dass Menschen gesund, motiviert und wirklich mit Freude Leistung erbringen können.
Wie lässt sich das mit Feelgood Management erreichen?
Beim Feelgood Management geht es darum, Arbeitswelten zu schaffen, in denen Menschen gerne arbeiten, sich gesehen fühlen und so gesund leistungsfähig bleiben können. Feelgood Manager setzen sich intern mit der Unternehmenskultur auseinander. Sie schauen sich an, welche Kultur das Unternehmen überhaupt leben möchte, was Mitarbeiter brauchen, um sich einzubringen und was Führung braucht, damit Menschen nicht nur funktionieren, sondern auch wirklich langfristig motiviert und wirksam bleiben.
Wie profitieren Unternehmen vom Feelgood Management? Oder anders gefragt: Sind Vorgesetzte für das Glück ihrer Mitarbeiter verantwortlich?
Nein. Mitarbeiter haben ihr Glück selbst in der Hand. Nur wissen Unternehmen oft nicht, wie viel Zeit Menschen im Job verbringen. Bei einer Vollzeitanstellung sind das im Laufe des Berufslebens im Schnitt 70.000 Stunden. Wenn man mit einem angenehmen Gefühl in die Arbeit geht, Verantwortung bekommt und die eigene Tätigkeit als etwas Sinnvolles empfindet, macht das natürlich etwas mit einem. Man bleibt seinem Arbeitgeber treu und ist auch bereit, mehr zu leisten. Für mich ist Feelgood Management ein extrem starker Erfolgsfaktor für Unternehmen. Denn wenn Menschen kündigen, verlassen sie nicht nur ihren Arbeitsplatz, sie verlassen meistens auch die Kultur, in der sie sich nicht gesehen, gehört oder wertgeschätzt fühlen.
Wie kann Feelgood Management in einem Unternehmen konkret aussehen?
Mit einem Tischkicker oder Obstkorb ist es nicht getan. Beschäftigte dürfen nicht nur funktionieren, sondern sollten sich eingebunden fühlen. In vielen Firmen hakt es an der Kommunikation. Themen können nicht offen angesprochen werden. Und das ist der erste Schritt: Sich im Team bewusst zu machen, wo es Schwächen gibt. Dann kann auch die Kultur verändert werden.