Nostalgiefaktor füllt das Traditionshaus
125 Jahre zählt das Gösser Bräu in der Grazer Innenstadt mittlerweile – Chef Robert Grossauer über Bierpreise, vegane Trends und volle Tische.
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Seine Frau und auch Papa Franz Grossauer, ein Grazer Gastro-Urgestein, würden ihn zum Glück ständig bremsen. „Sonst würdet ihr noch viel mehr schräge Ideen von mir hören“, lacht Robert Grossauer, Chef des Gösser Bräus in der Grazer Neutorgasse. Doch auch jene Projekte, welche die familiären Hürden überwinden, sind nicht alltäglich: Vor zwei Jahren etwa schenkte Grossauer im damaligen Biergarten beim Brauhaus Puntigam zu „Preisen wie vor 22 Jahren“ aus, allerdings mussten Gäste dafür auch tatsächlich mit Schilling bezahlen. So streng war Grossauer bei seiner jüngsten Idee nicht, er akzeptiert auch Euro – als er nach den Energieferien Bier zum Preis fast wie vor 125 Jahren anbot und damit einmal mehr die Massen in sein Lokal in die Neutorgasse lockte.
Die Geschichte des Hauses sieht man an jeder Ecke, sie begann im Jahr 1902. Damals noch als „Stadt Restaurant Göss“, später als „Gößer’s Bierhaus“ – wie auch eine Foto-Zeitreise zeigt, bei der Stadthistoriker Karl Kubinzky behilflich sein konnte. Vor allem Erika Wagner prägte jahrzehntelang das Gasthaus als resolute Wirtin, die neben vielen anderen Lehrlingen auch einen gewissen Johann Lafer unter ihre Fittiche nahm – später ja einer der international erfolgreichsten und bekanntesten Spitzenköche. Seit dem Jahr 2005 gehört die Gösser zum Portfolio der Familie Grossauer. Wie aber schaut der Alltag abseits solcher „Zeitreisen“ aus? Robert Grossauer ist grundsätzlich sehr zufrieden, das Weihnachtsgeschäft 2025 habe gar einen Umsatzrekord gebracht. Überraschten Gesichtern – immerhin haben derzeit viele Gastronomen zu kämpfen – tischt Grossauer zwei Gänge als Erklärung auf: Als Vorspeise die Einschätzung, dass diese Kurve nach oben „sowohl mit Preisanpassungen als auch mit natürlichem Wachstum zu tun hat“. Und als Hauptgang die Beobachtung, „dass der Nostalgiefaktor aktuell eine große Rolle spielt“.
Apropos Preisanpassung: Ende 2025 habe er eine solche vornehmen müssen, verrät der Gösser-Wirt. „Ich schau dabei immer, dass Getränke maximal um zehn Cent teurer werden. Und Speisen höchstens um 80 Cent.“ Eine weitere Anpassung sei unmittelbar nicht geplant. Neben einem nostalgischen Blick zurück gehöre naturgemäß auch die vegetarische und vegane Ernährung zu aktuellen Trends in der Gastronomie – selbst in einem Haus wie der Gösser. Das Eierschwammerlgulasch gehöre zu den beliebtesten Gerichten, weiß Grossauer. Genauso wie das vegane Erdäpfelgulasch, das eigentlich aus der Not heraus entstanden sei, weil Papa Franz eine Überproduktion verarbeiten musste.