Rekord bei den Meister- und Befähigungsprüfungen
852 Meister- und Befähigungsprüfungen wurden 2025 erfolgreich absolviert. Das bedeutet nicht nur eine Steigerung von 32 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 (644), sondern auch einen neuen Rekord: Noch nie gab es so viele positiv absolvierte Meister- und Befähigungsprüfungen wie im Jahr 2025. Zum „Meister des Jahres“ wurde Lena Kemmer gewählt, der/die das Publikumsvoting im Rahmen der Meisterbriefverleihung im Grazer Congress für sich entscheiden konnte.
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Kompetenz und Exzellenz tragen eine klar sichtbare Auszeichnung, nämlich die Meister- und Befähigungsprüfung. Sie ist die Krönung einer fundierten und praxisnahen Ausbildung und sie bleibt ungebrochen attraktiv: Im Jahr 2025 wurden 852 Meister- und Befähigungsprüfungen erfolgreich absolviert – ein neuer Rekord! Seit Einführung des Modulsystems bei Meister- und Befähigungsprüfungen (2004) gab es noch nie so viele Absolventen. Die Zahl der Meisterprüfungen liegt bei 300 (232 Männer, 68 Frauen), die der Befähigungsprüfungen bei 552 (389 Männer, 163 Frauen). Bei der feierlichen Meisterbriefverleihung im vollbesetzten Grazer Stefaniensaal am 22. Jänner konnten die frischgebackenen Absolventen ihre Urkunden entgegennehmen. „Fachliche Top-Qualifikation ist die richtige Antwort auf die aktuellen Herausforderungen. Wer auf eine Lehre mit anschließender Meister- oder Befähigungsprüfung setzt, der hat bereits in jungen Jahren die Weichen für den späteren beruflichen Erfolg gestellt“, so WKO-Steiermark-Präsident Josef Herk. „Das zeigt auch, wie wichtig die Meister- und Befähigungsprüfung für die Absolventen, aber auch für die steirischen Unternehmen und für den Standort Steiermark sind.“
Gewerbe und Handwerk ist die klassische „Meistersparte“
Traditionell verzeichnet die größte Sparte der Wirtschaftskammer auch den Großteil der Meister- und Befähigungsprüfungen. 36 der insgesamt 54 geprüften Berufe zählen zur Sparte Gewerbe und Handwerk. Unterm Strich bedeutet das 462 positiv abgelegte Prüfungen, davon waren 300 Meisterprüfungen und 162 Befähigungsprüfungen. Im Ranking der Berufe bei den Meisterprüfungen führt die Kfz-Technik (60), gefolgt von der Metalltechnik (36), den Tischlern (26), Heizungstechnik und Damenkleidermacher (je 23) sowie Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (19).
Bei den Befähigungsprüfungen liegen Baumeister und Tätowierer an der Spitze (je 25), danach folgen Elektrotechnik (24), Gas- und Sanitärtechnik (23), Holzbau-Meister und Fußpflege (je 16) sowie Lebens- und Sozialberater (8). Übrigens: Der Unterschied zwischen Meister- und Befähigungsprüfung liegt in der Zuordnung innerhalb der Gewerbeordnung: Im handwerklichen Bereich wird zumeist eine Meisterprüfung absolviert, in den anderen reglementierten Gewerben wird der Abschluss durch eine Befähigungsprüfung erworben. Beide stehen jedenfalls für die absolute Spitze in der fachlichen Qualifikation. „Genau diese Exzellenz brauchen wir in unseren Betrieben! Wir heißen alle jungen Menschen willkommen, die lernen wollen und anpacken können“, so Spartenobmann Johann Reisenhofer.
Meister- und Befähigungsprüfungen seit 2024 gebührenfrei
Ein wesentlicher Grund für den starken Andrang auf die Meister- und Befähigungsprüfungen ist die finanzielle Entlastung seit Jahresbeginn 2024: Die öffentliche Hand übernimmt seit 1.1.2024 die Prüfungsgebühren für den Erst- und Zweitantritt bei Modulprüfungen sowie für die Unternehmerprüfung. Das ist im vergangenen Jahr 2025 so richtig zum Tragen gekommen. Damit wurde auch ein wichtiger Schritt gesetzt, um berufliche und akademische Aus- und Weiterbildung weiter aneinander anzugleichen. Zudem ist die Meister- und Befähigungsprüfung seit 2018 einem Bachelorstudium gleichgestellt: Beide sind auf Stufe 6 innerhalb des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) verortet. Noch höher hinauf geht es bei den Baumeistern und Ingenieurbüros: Sie sind auf Stufe 7 im NQR und damit auf demselben Level wie ein Masterabschluss an einer Universität oder Fachhochschule.
Meistertitel auch über Befähigungsprüfung möglich
Die Bezeichnung „Meister“ bzw. „Meisterin“ steht nicht nur Absolvent:innen einer Meisterprüfung zu, sondern auch jenen, die in 14 handwerksähnlichen Gewerben eine Befähigungsprüfung abgelegt haben. Dazu zählen unter anderem Bereiche wie Holzbau, Steinmetz, Gas- und Sanitärtechnik – ebenso wie Fußpflege, Kosmetik oder Massage. Der Meistertitel kann außerdem als „Mst.“ bzw. „Mst.in“ vor dem Namen geführt und in amtliche Dokumente wie Reisepass oder Führerschein eingetragen werden. Das WIFI bietet mit der Fortbildung zum „Bachelor Professional“ zusätzlich eine attraktive berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeit, die praktische Fähigkeiten mit Management Skills kombiniert.
Per Online-Voting zum „Meisterin des Jahres“
Im Rahmen der Meisterbriefverleihung wurde auch der Titel „Meister des Jahres“ vergeben. Alle im Saal anwesenden Gäste konnten online für ihren Favoriten bzw. ihre Favoritin stimmen. Die Kandidatinnen bzw. Kandidaten wurden zuvor von einer Jury ausgewählt, die sich aus Expert:innen der Meisterprüfungsstelle sowie der Sparte Gewerbe und Handwerk zusammensetzte.
Die Wahl des Publikums fiel auf die 21-jährige Lena Kemmer, die nicht nur die Meisterprüfung in der KFZ-Technik in der Tasche hat, sondern auch als Motorrad-Rennfahrerin für Furore sorgt. So ist sie eine von nur zwei deutschsprachigen Damen in der Frauen-Motorrad-WM sowie Testfahrerin und Reporterin für Motorradmagazine. Die Südsteirerin aus Heiligenkreuz am Waasen hat sich ihr Know-how auch im elterlichen Betrieb angeeignet. Sichtlich gerührt nahm sie die Auszeichnung zur „Meisterin des Jahres“ entgegen. In Richtung der anderen Absolventinnen und Absolventen der höchsten beruflichen Qualifikation sagte sie: „Wir können alle sehr stolz auf uns sein.“
Statements
Mario Kunasek Landeshauptmann:
„Menschen mit einer fundierten Fachausbildung bilden ein wesentliches Rückgrat unserer Wirtschaft und tragen einen erheblichen Anteil zum Wohlstand in unserem Land bei. Als Politik müssen und werden wir weiterhin dafür Sorge tragen, dass die Rahmenbindungen so sind, dass sich heimische Betriebe darin gut entfalten können. Ich durfte selbst eine Lehre absolvieren und bin bis heute dankbar für das Rüstzeug, das ich damals mitbekommen habe. Alle, die heute die Meisterbriefe verliehen bekommen, haben hart dafür gearbeitet und können stolz sein. Ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen und wünsche Ihnen für Ihre weitere Zukunft alles Gute.“
Willibald Ehrenhöfer, Wirtschafts- und Arbeitslandesrat:
„Unsere Meisterinnen und Meister sind die oberste Liga des Gewerbes und Handwerks – sie stehen für steirische Exzellenz in der Lehre, für unternehmerische Verantwortung und für sichere Arbeitsplätze im ganzen Land. Die Meisterbetriebe sind Aushängeschilder unseres Wirtschaftsstandorts und ein unverzichtbarer Pfeiler für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Fachkräftesicherung. Der neue Rekord zeigt eindrucksvoll die Stärke unseres dualen Ausbildungswegs und ich gratuliere allen Absolventinnen und Absolventen der Meister- und Befähigungsprüfungen.“
Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark:
„Der neue Rekord bei den Meister- und Befähigungsprüfungen bedeutet einen Qualifikations-Boost für den Wirtschaftsstandort Steiermark! Wir sichern damit Kompetenz, Know-how und Exzellenz für Jahre und Jahrzehnte. Und noch etwas zeigt sich deutlich: In schwierigen, herausfordernden Zeiten bleibt eine Aktie am Markt stabil: die Meister- bzw. Befähigungsprüfung. Sie ist ein Garant am Weg in eine erfolgreiche Zukunft! Ich gratuliere allen Absolventinnen und Absolventen und wünsche viel Erfolg auf dem weiteren beruflichen und privaten Weg.“
Johann Reisenhofer, Spartenobmann Gewerbe und Handwerk:
„Der Meisterbrief und die Befähigungsurkunde sind Zeugnisse für überdurchschnittlichen Einsatz und den Willen, etwas zu lernen und anzupacken! Es ist auch mehr als erfreulich, dass sich immer mehr junge Menschen für diesen Weg entscheiden. Dafür möchte ich mich bedanken: bei den Eltern, die ihre Kinder früh bei der Wahl des Berufswegs unterstützt haben, bei den Ausbildungsbetrieben in den zahlreichen Branchen, die sich Tag für Tag für die bestmögliche Ausbildung einsetzen, und bei den Absolventinnen und Absolventen, denen nun ein erfolgreiches Berufsleben bevorsteht.“