Wieso die Spritpreisbremse zur „Katastrophe“ werden könnte
Der heimische Energiehandel warnt: Die Spritpreisbremse senke zwar Kosten, treffe dabei aber kleine Betriebe massiv.
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Der Krieg im Iran dauert nun bereits einige Wochen an – und die Auswirkungen auf die Öl- und Spritpreise sind weiterhin massiv (siehe auch die Ausschreibungen für Mineralölprodukte weiter unten). Seitens der Bundesregierung wurde reagiert – seit 1. April gilt die sogenannte Spritpreisbremse. Mit einer befristeten Senkung der Mineralölsteuer sowie einer Begrenzung der krisenbedingten Margen entlang der Treibstoff-Wertschöpfungskette sollen die Konsumenten entlastet werden. Jede der beiden Maßnahmen soll fünf Cent pro Liter bringen – zusammen also zehn Cent. Und tatsächlich: „Die Bremse greift – das zeigt der Vergleich mit anderen Ländern wie Deutschland“, betont Jürgen Roth, Obmann des Energiehandels in der WKO Steiermark. Und doch spart er nicht mit Kritik an der konkreten Ausgestaltung: „In dieser Form wird das zu einem Bumerang-Spritpreistreiber.“
Warum das? Weil, so Roth, die Struktur des heimischen Kraftstoffmarkts von der Verordnung faktisch ignoriert würde. Denn nur rund 40 Prozent des Marktes werden von der einzigen österreichischen Raffinerie beliefert, rund 60 Prozent der Kraftstoffe werden importiert – entsprechend eingeschränkt ist der Spielraum für die regionalen Betriebe. „Multinationale Konzerne mit eigener Raffinerie können die geforderte Margenkürzung wohl weitergeben. Der überwiegende Teil der Unternehmer aber kann die fünf Cent weder abziehen noch kompensieren und muss zusätzlich oft teurer über den kaum vorhandenen Spotmarkt einkaufen“, erklärt Roth. Für den Energiehandelsobmann „eine klare Wettbewerbsverzerrung“. Dabei habe eben dieser Wettbewerb dafür gesorgt, dass Österreich in den vergangenen Jahren netto – also ohne Steuern – zu den günstigsten Ländern der EU gezählt habe. Nun seien gerade kleine Betriebe unter Zugzwang. Bei einem Gewinn von 1,5 Cent pro Liter wie im Vorjahr würden sich die genannten fünf Cent Kürzung massiv auswirken. „Wenn das einen Monat lang anhält, kann man das vielleicht kompensieren – dauert es länger, wird das eine Katastrophe“, so Roth.“
Wie eine effizientere Spritpreisbremse aussehen könnte? „Es braucht Steuer-Reduktionen“, so Roth. Konkret: „Eine Senkung der CO2-Steuer würde viel mehr bewirken!“
Planungssicherheit
Mit Blick auf die neue Verordnung, die den betroffenen Betrieben erst kurz vor Inkrafttreten vorgelegt wurde, fordert Roth darüber hinaus mehr Respekt vor Wirtschaftstreibenden. „Unsere Unternehmen haben null Planungssicherheit. Um 19 Uhr kommt endlich die Verordnung, die am nächsten Tag umzusetzen ist. So schafft man kein Vertrauen, sondern Chaos an den Zapfsäulen – auf Kosten jener Betriebe, die Tag für Tag die Versorgung sichern.“
Gerade kleine und mittlere Betriebe leiden am stärksten unter der Spritpreisbremse in dieser Form. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein!

Jürgen Roth
Obmann Fachgruppe Energiehandel
Ausschreibung für Mineralölprodukte
Die Fachgruppe des Energiehandels der WKO Steiermark gibt die öffentliche Ausschreibung für Mineralölprodukte bekannt. Für Lieferungen im April 2026 ergibt die Gegenüberstellung des Zeitraums von März 2026 zu Februar 2026 die nachfolgenden Veränderungen der internationalen Durchschnittsnotierungen (Euro/Tonne): Eurosuper: +258,14, Dieselkraftstoff: +467,38, Gasöl (0,1%): +418,82.