Zweites Leben für die Wände von Bau- und Supermärkten
Grazer Techniker haben eine Methode entwickelt, die aus alten Ziegeln statt Bauschutt ein Recyclingprodukt macht.
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Ziegel sind hochwertige und langlebige Bauelemente und ihre Herstellung ist ressourcenintensiv, eine Entsorgung als Bauschutt wenig effizient. „Speziell für einen eher kurzen Zeitraum zwischen zehn und 20 Jahren genutzte Bauten wie Verbrauchermärkte schöpfen ihr Reuse-Potenzial zurzeit bei weitem nicht aus“, verweist Hans Hafellner vom Institut für Gebäudetechnik und Hochbau der TU Graz auf ein Beispiel, wo aus den Mauern eines alten Bau- oder Supermarkts, von Lagerhallen oder Gewerbebauten wieder ein neues Gebäude entstehen könnte.
Von dieser Lösung profitieren nicht nur die Gebäudenutzer, sondern auch die Umwelt.
Andreas Trummer
TU Graz
Im Projekt „Re-Use Ziegelwand“ hat ein Team der TU gemeinsam mit dem Ziegelproduzenten Wienerberger nun eine Lösung entwickelt, die die Lebensdauer der Bauteile von jener des Gebäudes entkoppelt. Herzstück sind industriell vorgefertigte Ziegelwandelemente. Verbunden sind die Steine zudem nicht mit konventionellen Mörtelfugen, sondern mit reversiblen Fugenlösungen, die das Gebäude zwar stabil halten, danach aber nahezu vollständig rückbaubar sind.
Neue Technik für Fugen
„Es bietet enorme Vorteile, wenn Ziegel nach der Nutzung eines Gebäudes zerstörungsfrei entnommen und an anderer Stelle wieder genutzt werden können“, erklärt Hafellner. Um die Rückbaubarkeit zu gewährleisten und gleichzeitig alle bautechnischen Anforderungen an Tragfähigkeit, Stabilität, Dichtheit und Toleranzen zu erfüllen, griff man neben den nicht-permanenten Fugenlösungen zu Ziegeln, die 44 Zentimeter dick sind, bereits Dämmwolle enthalten und werksseitig verputzt sind, was den Aufwand auf der Baustelle deutlich reduziert.
In puncto Statik und Stabilität zeigen die Wissenschaftler in dem Projekt zwei Möglichkeiten auf: Entweder ist das Gebäudedach schwer genug, um den Bau zu stabilisieren, oder senkrecht durch die Ziegel geführte, vorgespannte Gewindestangen sorgen für die nötige Stabilität.
Das Ergebnis ist überzeugend: Durch die neuartige Fugenlösung kann in der zweiten Nutzungsphase durch die Wiederverwendung bereits ein erheblicher Teil der Gesamtemissionen vermieden werden. Über drei Lebenszyklen hinweg sparen wiederverwendbare Ziegelwandelemente gegenüber der konventionellen Bauweise damit rund 60 Prozent CO2-Emissionen ein. Parallel wachsen die Bauschuttberge nicht in den Himmel.