Der beginnende Aufschwung braucht jetzt Rückenwind
Sechs Quartale lang war das Gewerbe und Handwerk im Minus – doch nun könnte die Talsohle erreicht sein. Jetzt entscheidet sich, ob aus der Stabilisierung ein echter Aufschwung wird. Dazu braucht es Entlastungen bei Arbeits- und Energiekosten und einen deutlichen Bürokratieabbau.
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Die aktuelle Quartalserhebung der KMU Forschung Austria zeigt erneut ein reales Minus – zum sechsten Mal in Folge. Doch das Bild hellt sich leicht auf. Die Geschäftslage wird ausgewogener beurteilt als noch vor einem Jahr. Die Rückgänge bei Aufträgen und Umsätzen verlieren an Dynamik, auch die Erwartungen sind weniger pessimistisch als im Vorjahr. Zudem steigt die Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten – ein erstes Signal dafür, dass Investitionsentscheidungen wieder vorbereitet werden. „Wir sehen noch keine Trendwende, aber wir sehen eine Stabilisierung“, sagt Spartenobmann Franz Jirka. „Jetzt kommt es darauf an, diese vorsichtige Aufhellung nicht zu gefährden, sondern zu stärken.“
Warum es noch hakt
Die seit rund drei Jahren andauernde Schwäche der Industrie wirkt zunehmend auf das Gewerbe und Handwerk. Besonders ins Gewicht fällt die Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen. Zahlreiche Betriebe investieren weiterhin vor allem in Ersatz statt in Erweiterung. Das sichert den Bestand, schafft aber kein neues Wachstum. „Die Erhöhung des Investitionsfreibetrags war zwar ein positives Signal, aber das reicht nicht aus. Wir brauchen weitere Anreize, damit Unternehmen wieder mutiger in Wachstum und Zukunftstechnologien investieren“, betont Präsidentin Barbara Thaler. Besonders schwierig bleibt die Situation im Bau. Hier treffen saisonale Effekte auf strukturelle Bremsen. „Die strengen Regelungen bei der Kreditvergabe kamen zur Unzeit und haben die Zurückhaltung im Bau verstärkt“, erklärt Jirka. Gerade der Bau erzeugt jedoch viel Wertschöpfung – ein Anziehen der Bauleistung wäre ein zentraler Hebel für die gesamte Konjunktur.
Was jetzt zu tun ist
Die gute Nachricht: Viele Betriebe haben ihren Optimismus nicht verloren. Für das erste Quartal 2026 planen in Tirol mehr Unternehmen eine Aufstockung als einen Abbau ihres Personals. „Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer Beschäftigung sichern oder sogar ausbauen, zeigt das Vertrauen in die Zukunft. Dieses Verantwortungsbewusstsein verdient politische Unterstützung“, sagt Thaler. Für Spartenobmann Franz Jirka ist klar, wo anzusetzen ist: Hohe Arbeits- und Energiekosten sowie die Bürokratie gehören zu den größten Belastungen für unsere Betriebe. „Insbesondere die ausufernde Bürokratie muss endlich auf ein normales Maß zurückgestutzt werden. Dazu müssen unnötige Meldepflichten abgeschafft, Verfahren beschleunigt und Auftragsvergaben für kleine Betriebe vereinfacht werden“, fordert Jirka.
Entscheidend ist für den Branchenvertreter auch, dass sich eine moderne Standortpolitik nicht ausschließlich auf große Industriebetriebe konzentriert, sondern die vielen kleinen und mittleren Produktionsbetriebe einbezieht. Wenn Entlastungen wie der Industriestrompreis geplant werden, müssen diese auch für energieintensive Branchen im produzierenden Gewerbe gelten. Ebenso wichtig ist ein unkomplizierter Zugang zu Finanzierungen. Gerade im Bau und bei investitionsintensiven Projekten wirken überzogene Kreditbedingungen als Wachstumsbremse. Hier sind praxistaugliche Anpassungen notwendig, damit wirtschaftlich sinnvolle Vorhaben nicht an Formalhürden scheitern.
Ein weiterer Schlüssel liegt in der Fachkräftesicherung. Die Ausbildungsbetriebe tragen enorme Verantwortung – gesellschaftlich wie wirtschaftlich. „Eine regelmäßige Anpassung der Lehrstellenförderung an die realen Kosten ist daher kein Bonus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunft des Standorts“, betont Franz Jirka.
Vorsichtiger Optimismus
Das Gewerbe und Handwerk steht weiterhin unter Druck. Doch erstmals seit längerer Zeit überwiegt nicht mehr nur die Sorge, sondern es stellt sich vorsichtige Zuversicht ein. Jetzt entscheidet sich, ob daraus ein stabiler Aufschwung wird. „Unser Auftrag an die Politik ist klar: leistungsfreundliche Rahmenbedingungen schaffen und Investitionen erleichtern“, sagt Thaler. „Die Tiroler Betriebe sind bereit, ihren Beitrag zu leisten“, unterstreicht Franz Jirka.