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Barbara Thaler
© Thomas Schrott

Der Standort lässt sich nicht gesundregulieren

Die Wirtschaftskammer Tirol senkt die Kammerumlage 2 (KU2) bis 2029 schrittweise um mehr als 20 %. Präsidentin Barbara Thaler erklärt im Interview, wie stark Tirols Betriebe konkret entlastet werden, warum die Reform weit über reine Einsparungen hinausgeht, welche Verbesserungen Mitglieder künftig erwarten können – und weshalb jetzt auch der Staat bei Strukturreformen liefern muss.

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Aktualisiert am 27.05.2026

Sehr geehrte Frau Präsidentin, die angekündigte Kammerreform wird jetzt konkret. Wie sehen die Entlastungen für die Tiroler Betriebe im Detail aus?

Barbara Thaler: Die Wirtschaftskammer Tirol wird den Hebesatz der Kammerumlage 2 bis 2029 schrittweise von derzeit 0,27 % auf 0,22 % senken. Das bedeutet für unsere Mitgliedsbetriebe ab 2030 eine jährliche Entlastung von rund 6,2 Millionen Euro. Insgesamt sinkt die KU2 damit um mehr als 20 %. Das ist ein konkreter Beitrag zur Reduktion der Lohnnebenkosten und damit zur Entlastung der Tiroler Wirtschaft. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist das ein wichtiges Signal. Denn Entlastungen müssen dort ankommen, wo gearbeitet, investiert und Beschäftigung geschaffen wird. Die Gesamtreform berücksichtigt sämtliche Zielgruppen am Standort Tirol – von klein- und mittelständischen Betrieben bis hin zu den großen Leitbetrieben. Speziell bei Letzteren setzt die KU2-Senkung an: 10 % der Betriebe bringen 
90 % der Umlagen auf – daher ist es uns ein Anliegen, diese Unternehmen mit dieser Maßnahme zu entlasten. Es wird selbstverständlich weitere Maßnahmen für alle Zielgruppen geben. 

Wie schafft die Wirtschaftskammer Tirol diese Entlastung?

Wir finanzieren diese Entlastung durch Kostendisziplin, Effizienzsteigerungen, interne Einsparungen und den Abbau von Rücklagen. Dahinter steckt ein größerer Reformprozess innerhalb der gesamten Wirtschaftskammerorganisation – österreichweit beträgt das Entlastungsvolumen rund 100 Millionen Euro. Für mich ist dabei ein Punkt entscheidend: Wer von anderen Reformen verlangt, muss auch selbst reformbereit sein. Genau das zeigen wir mit diesem Schritt. Wir entwickeln unsere Organisation aktiv weiter und schaffen gleichzeitig finanzielle Spielräume für unsere Mitglieder.

Es wird selbstverständlich weitere Maßnahmen für alle Zielgruppen geben.



Die Reform beschränkt sich aber nicht nur auf Einsparungen. Welche Verbesserungen können die Mitgliedsbetriebe darüber hinaus erwarten?

Es geht nicht nur darum, Kosten zu senken, sondern die Wirtschaftskammer noch stärker an den Bedürfnissen der Betriebe auszurichten. Deshalb arbeiten wir intensiv am Thema Kundenzentrierung. Wir haben dazu mit Funktionär:innen, Mitarbeiter:innen und in allen Bezirken Gespräche mit Mitgliedern geführt – und die Rückmeldungen waren sehr klar. Die Wirtschaftskammer soll verständlicher, serviceorientierter und noch näher an den Betrieben sein. Deshalb entwickeln wir derzeit auch unsere Angebote weiter und fokussieren uns noch stärker auf jene Bereiche, wo wir echten Mehrwert schaffen – etwa bei Rechtsberatung, Betriebsübergaben, Bürokratieabbau oder wirtschaftlich schwierigen Situationen. Wir haben daher unsere Angebote in der Krisen- und Insolvenzprävention überarbeitet und werden in den kommenden Wochen intensiv kommunizieren. Auch das ist eine Maßnahme aus unserem Reformprozess, sie kommt vor allem kleineren Betrieben zugute. Und wir werden demnächst ein weiteres Unterstützungsmodell vorstellen – für Fälle, in denen wir gezielt gegen Benachteiligung von Betrieben vorgehen, für mehr Rechtssicherheit.

Und immer neue Belastungen und Auflagen können keine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen sein. Da führt sich jeder Bürokratieabbau-Prozess ad absurdum.

Mit der Senkung der KU2 reduzieren sich die Lohnnebenkosten. Ist das auch ein Signal an den Staat?

Ja, ganz klar. Wir zeigen mit unseren Reformen, dass strukturelle Veränderungen möglich sind. Das gelingt aber nur dann, wenn man konsequent hinterfragt, wo Ressourcen wirklich den größten Nutzen für die Mitglieder stiften. Und natürlich erwarten wir jetzt auch vom Staat, dass auf Ankündigungen endlich echte Reformen folgen. Österreich hat definitiv ein Ausgabenproblem. Trotzdem kommen immer wieder neue Steuern, statt endlich die großen Strukturreformen anzugehen, Stichwort Doppelbudget 2027/2028.

Wo sehen Sie hier den dringendsten Handlungsbedarf?

Vor allem bei jenen Bereichen, über die seit Jahren gesprochen wird, ohne dass strukturelle Änderungen erfolgen: im Pensionssystem, im Gesundheitsbereich, im Personalabbau und generell bei der Staatsreform. Und natürlich: bei einem drastischen Abbau von Bürokratie. Punktuelle Verbesserungen da und dort sind zu wenig. Und immer neue Belastungen und Auflagen können keine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen sein. Da führt sich jeder Bürokratieabbau-Prozess ad absurdum. Auf Dauer wird sich unser Standort nicht gesundregulieren lassen. Was unsere Betriebe brauchen, sind mehr Verlässlichkeit, mehr Planungssicherheit und mehr Spielräume für Leistung und Investitionen. Genau deshalb verstehen wir die Senkung der KU2 auch als Signal über die Wirtschaftskammer hinaus. Reformen sind möglich – wenn man sie wirklich will.

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