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Ein lächelnder Mann in einem sterilen Raum vor einem Mikroskop.
© WK Tirol

Der Tüftler mit den Augen fürs Detail

Schweineaugen im Koffer, 3D-Modelle weltweit im Einsatz: Der Tiroler Unternehmer David Ortner ist Entwickler aus Leidenschaft.

Lesedauer: 6 Minuten

28.09.2026

Alles was Rang und Namen hat, kauft unsere Augen“, erzählt David Ortner beim Betriebsbesuch und begutachtet eines seiner Modelle, das menschlichen Augen zum Verwechseln ähnlich sieht. Und nicht nur das: Die von eyecre.at künstlich hergestellten Augen verhalten sich auch wie menschliche Augen und fühlen sich „echt“ an, wenn Chirurg:innen mit einem Skalpell daran üben, wie man eine Operation durchführt.

„Ich bin mit frischen Schweineaugen im Koffer um die Welt gereist, habe sie mit Nadeln aufgesteckt und unter dem Mikroskop ausgerichtet“, erzählt David Ortner, Geschäftsführer von eyecre.at. Während der Lehre zum Bürokaufmann bei seinem Schwiegervater war er dafür zuständig, bei Schulungen für Augenärzt:innen frische Schweineaugen bereitzustellen. Was etwas gewöhnungsbedürftig aussieht und verrückt klingt, war auch logistisch nicht ganz einfach umzusetzen.

Der Gedanke, dass die Arbeit mit künstlichen Augen einiges einfacher machen würde, war naheliegend. „Deshalb haben wir angefangen, an Modellen zu tüfteln. Inzwischen drucken wir gemeinsam mit der Firma Addion GmbH auf einem ganz speziellen 3D-Drucker Trainingsmodelle von Augen, Augenlidern und mehr.“ Das neueste Projekt ist das Modell einer Halsschlagader, das gemeinsam mit einem Spin-off der Medizinischen Universität Innsbruck von David Wippel-Riess und Florian Enzmann entwickelt wird.

„Solche Kooperationen sind für uns besonders wichtig: Erfahrene Ärzt:innen erkennen in ihrer täglichen Arbeit, wo ein Trainingsmodell fehlt. Wir können dabei helfen, diese Idee umzusetzen. So entstehen Trainingsmodelle direkt aus einem konkreten Bedarf der medizinischen Praxis.“ David Ortner hat Mechatronik und Robotik studiert. Sein technischer Hintergrund, seine Freude am Entwickeln und sein Humor prägen seine Arbeit. Neue Ideen auszuprobieren, Bestehendes immer weiter zu verbessern und auch ungewöhnliche Wege zu gehen, gehören für ihn dazu.

Tiroler Augen für die ganze Welt

Damit aus der anfänglichen Idee ein Modell entstehen kann, braucht es viel Fingerspitzengefühlund das Know-how unterschiedlicher Disziplinen. Ärzt:innen wissen, wie sich ein Körperteil anfühlen und verhalten muss. Techniker:innen und Entwickler:innen wissen, wie sich diese Anforderungen übersetzen lassen. „Auch bei der Entwicklung unserer Modelle geht es nicht ohne Humanpräparate. Sie bilden eine wichtige Grundlage, um Anatomie, Strukturen und Gewebeeigenschaften möglichst realitätsnah in unsere Trainingsmodelle übertragen zu können. Deshalb ist die enge Zusammenarbeit mit Univ.-Prof. Marko Konschake, dem Leiter des Instituts für Klinisch-Funktionelle Anatomie der Medizinischen Universität Innsbruck für uns sehr wichtig.“

Dann kommt ein High-End-3D-Drucker ins Spiel, der in hauchfeinen Schichten bis zu acht Materialien gleichzeitig aufsprüht. So lassen sich unterschiedliche Farben und Materialeigenschaften erzeugen, um etwa Haut oder Knochen zu simulieren.

Wenn das Modell einmal fertig ist, kann man es quasi per Knopfdruck wieder und wieder drucken. „Das ist natürlich extrem hilfreich, weil man dann nicht mit Schweineaugen arbeiten muss oder auf Humanspenden angewiesen ist. Chirurg:innen können mit den künstlichen Augen beliebig oft üben, bevor sie eine Operation an einem Menschen durchführen. Unsere Modelle schließen eine Lücke in der chirurgischen Ausbildung.“

Seit 2014 arbeitet der Tiroler mit seinem aktuell dreiköpfigen Team und entwickelt die inzwischen rund 400 Produkte baukastenartig immer weiter. Über den Online-Shop von eyecre.at gehen die Modelle von Tirol aus um die ganze Welt – an Ärzt:innen und Universitäten ebenso wie an Pharmaunternehmen und Medizintechnikfirmen.

Der Standort Innsbruck spielt für eyecre.at eine große Rolle. Hier wird getüftelt, entwickelt und versendet. Produziert werden die Modelle beim 3D-Druck-Spezialisten Addion GmbH in Kitzbühel. „Damit findet ein großer Teil der gesamten Entwicklung und Wertschöpfung direkt in Tirol statt. Was hier möglich ist, möchten wir auch hier machen – und das soll in Zukunft so bleiben,“ betont der Unternehmer.

Medizinisches Forschungszubehör: Ein künstliches Auge aus Plastik von eyecre.at
© eyecre.at Mit Fingerspitzengefühl: David Ortner entwickelt realitätsnahe Trainingsmodelle für die chirurgische Ausbildung

Wenn aus Ideen Produkte werden

Als Entwickler ist er produktverliebt und entwickelt seine Modelle immer weiter. Neue Krankheitsbilder, andere Körperteile, neue technische Möglichkeiten. Neue Krankheitsbilder, medizinische Entwicklungen und Anfragen aus der Praxis fließen direkt in die Modelle ein.

Was nach spannenden Aufträgen klingt und den Erfolg und die Relevanz der Produkte von eyecre.at bestätigt, ist gleichzeitig eine der größten Herausforderungen: Die Entwicklung individueller Modelle ist extrem aufwendig, zeitintensiv und teuer. „Die Anfragen wären da, das Interesse ist da. Weil Auftragsentwicklungen aber wahnsinnig viel Aufwand sind, muss man eben schauen, wie sich das auch gewinnbringend umsetzen lässt“, erklärt David Ortner. Mehrere Förderungen haben eyecre.at geholfen, die kostenintensive Entwicklungsphase zu bewältigen.

Engagement für die Branche

David Ortner bewegt sich mit eyecre.at in einer sehr speziellen Nische. Gerade deshalb hat er die Unterstützung der Außenwirtschaft und der Wirtschaftskammer in der Vergangenheit schon häufig gebraucht. „Ich habe dabei viele positive Erfahrungen gemacht und viel Unterstützung erhalten. Nachdem ich gefragt wurde, ob ich mich als Funktionär engagieren möchte, habe ich deshalb gerne zugesagt.“

Seit 2023 trifft David Ortner als Ausschussmitglied der Fachgruppe Gewerbliche Dienstleister auf Unternehmer:innen aus unterschiedlichsten Bereichen. „Was in dieser Fachgruppe passiert und gemeinsam entsteht, ist wahnsinnig spannend. Vom Wimmelbuch „Coole Berufe“, das Schüler:innen zeigt, wie wichtig das Handwerk ist, über Simulationen, die die Arbeit der Holzarbeiter:innen unterstützen – genau so etwas braucht es. Das ist super.“

Dass neben den Berufen auch die Themen und Probleme der Mitglieder der Fachgruppe und des Fachverbands, den er seit 2025 ebenfalls unterstützt, sehr unterschiedlich sind, sieht David Ortner als Bereicherung: „Wir sind fast immer im Konsens, obwohl jeder seine eigene Meinung hat. Wir besprechen und diskutieren auch kritisch. Jeder bringt aber anderes Know-how ein, weil ein Holzarbeiter nach einem Sturm ganz andere Sachen im Kopf hat als ein Übersetzer, der mit KI kämpft.“

Gerade diese unterschiedlichen Perspektiven machen für Ortner den Wert der Fachgruppe aus. Als Funktionär setzt er sich besonders für Innovation, die Unterstützung von Gründer:innen und das Thema Fachkräfte ein. Auch die Förderung des Handwerks und die Ausbildung von Lehrlingen liegen ihm am Herzen. Neue Wege zu ermöglichen und den Blick nach vorne zu richten – auch in seiner Funktionärstätigkeit geht es ihm darum, Lösungen zu finden. „Es ist für mich oft wirklich nicht ganz leicht, mir die Zeit zu nehmen, aber ich bin sehr gerne Funktionär und auch stolz darauf. Deshalb investiere ich gerne Zeit in diese Tätigkeit.“

Nicht aufgeben

Trotz aller Härte und vieler Rückschläge hat David Ortner nie ans Aufgeben gedacht: „Die letzten Jahre waren wirklich pickelhart. Wenn man neue Wege beschreitet, muss man aber damit rechnen, dass man scheitert und Fehler macht. Ich denke, das muss man einfach akzeptieren und daraus lernen.“

Der jährlich von eyecre.at organisierte Lid Summit zeigt ihm, dass das Interesse an den Modellen wächst und sich das Tüfteln gelohnt hat. „Wir sind davon überzeugt, dass Modelle wie unsere wirklich die Zukunft in der chirurgischen Ausbildung sind.“ Was ihn dabei antreibt ist nicht in erster Linie der wirtschaftliche Erfolg. Es ist die Freude daran, etwas zu entwickeln, das funktioniert und Menschen tatsächlich weiterhilft.

„Ich sehe keinen Mehrwert darin, Geld zu stapeln oder Ähnliches. Aber wenn mir Chirurg:innen vom anderen Ende Europas schreiben, dass sie unbedingt bei unserer Veranstaltung dabei sein möchten, oder begeistert von ihren Übungseinheiten an unseren Modellen erzählen, das ist so cool. Dafür arbeite ich wirklich gerne.“

Weitere Infos:
www.eyecre.at