Kapital aus der eigenen Community
Wer investieren will, braucht Mut – und Kapital. Genau hier setzen Bernhard Messner und Janik Halder mit ihrem Tiroler Unternehmen 50kn Solutions an. Sie drehen den Spieß um: Statt auf Bankzusagen zu warten, holen sich Unternehmer:innen das Geld dorthin, wo Vertrauen längst vorhanden ist – in die eigene Community.
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Wenn man die beiden in ihrem Büro besucht, wird schnell klar: Hier arbeitet kein nüchternes Softwarehaus. Messner, aktueller Geschäftsführer, und Halder, IT-Spezialist und designierter Co-Geschäftsführer, sind Feuer und Flamme für ihre Idee. „Wir sehen jeden Tag, wie viel ungenutztes Potenzial in bestehenden Kundenbeziehungen steckt“, sagt Messner. Halder ergänzt mit technischer Präzision: „Unsere Lösung ist keine Plattform, sondern eine White-Label-Software. Das Unternehmen bleibt Herr über alles.“
Der Ansatz wirkt auf den ersten Blick simpel – ist aber strategisch durchdacht. Viele Betriebe, gerade im Tourismus, im Lifestyle- oder Dienstleistungsbereich, verfügen über eine gewachsene Stammkundschaft. Menschen, die nicht nur konsumieren, sondern emotional verbunden sind. Genau diese Bindung wird zur Basis einer Eigenemission.
Von der Idee zur Finanzierung
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Hotel plant einen neuen Wellnessbereich. Investitionsvolumen: zehn Millionen Euro. Die Bank signalisiert Bereitschaft, verlangt jedoch zusätzliches Kapital vom Unternehmen. Eine Million Euro fehlt. Zwei Jahre ansparen? Das kostet Zeit – und Marktchancen.
Mit 50kn Solutions kann eine Hotelier:in eine eigene Finanzierung abwickeln. Über die Software können gezielt die Stammgäste angesprochen werden und ihnen ermöglicht werden in das Unternehmen zu investieren. Als Gegenleistung winken Zinsen, exklusive Vorteile, Gutscheine oder Clubmodelle – die Konditionen und Beteiligungsschwellen definiert die Unternehmer:in selbst. Kreativität ist ausdrücklich erlaubt.
Die Software übernimmt den Rest. Investor-Dashboard, Zahlungsabwicklung, automatische Erinnerungen, Prüfung von Bankverbindungen, Statusberichte – Prozesse, die viele Unternehmer:innen bisher gescheut haben, weil sie komplex wirken. Messner betont: „Unsere Software übernimmt die operative Umsetzung – standardisiert und transparent“.
Keine Plattform, kein Lizenzdschungel
Der Unterschied zu klassischen Crowdfunding-Portalen liegt im Detail – und in der Kostenstruktur. Plattformen sind teuer, Marketing muss meist selbst betrieben werden. Der Großteil der Investoren stammt ohnehin aus dem eigenen Netzwerk. „Warum also nicht gleich alles im eigenen Markenauftritt abwickeln?“, fragt Halder.
50kn Solutions ist eine reine Software. Jede Lösung wird individuell konfiguriert, angepasst an Branche und Geschäftsmodell. Perspektivisch sollen Betriebe ihre Funding-Runden sogar eigenständig aufsetzen können – zumindest bei Folgerunden ist das bereits realistisch.
Spannend wird es auch im B2B-Bereich: Beispielsweise könnte ein Seilbahnbetreiber umliegende Tourismusbetriebe einbinden, ein Produzent seine Vertriebspartner. Kapital und Wertschöpfung bleiben in der Region.
Komplementär statt Konkurrenz
Banken bleiben zentrale Finanzierungspartner – daran rütteln Messner und Halder nicht. Im Gegenteil: Eigenemissionen stärken die Eigenkapitalbasis und erhöhen oft die Kreditwürdigkeit. Das Modell ergänzt klassische Finanzierungen.
Auch kleinere Unternehmen profitieren. Sie haben die engste Beziehung zu ihren Kund:innen, die höchste Glaubwürdigkeit. Investor:innen investieren hier nicht primär zur Renditemaximierung. Sie investieren, weil sie überzeugt sind. Weil sie „ihr“ Hotel wachsen, sehen wollen. Weil sie an eine Marke glauben.
Das verändert Dynamiken. Kapitalgeber:innen verfolgen Baufortschritte, interessieren sich für strategische Entscheidungen, werden Teil einer Entwicklung. Aus Kund:innen werden Mitgestalter:innen. Bindung entsteht nicht über Rabattaktionen, sondern über Beteiligung. Die Finanzierung wird emotionaler – aber nicht weniger professionell.
Messner und Halder denken weiter. Wenn klassische Kreditvergaben tendenziell restriktiver werden und Kapitalanforderungen steigen, könnte genau dieses Modell an Bedeutung gewinnen. Kapital ist vorhanden – oft sogar im direkten Umfeld eines Unternehmens. Es fehlt für eine eigene Finanzierung meist an Struktur, rechtlicher Sicherheit und technischer Umsetzung. Genau hier setzt 50kn Solutions an.
Die Vision der beiden ist klar: Finanzierung soll zugänglich werden. Transparent. Verständlich. Und so niederschwellig, dass auch kleine Betriebe mit großen Ideen sie nutzen können. Wenn sich dieser Gedanke durchsetzt, könnte Eigenemission aus der eigenen Community vom Nischenmodell zur Selbstverständlichkeit werden.
Vielleicht beginnt die Finanzierung der Zukunft nicht mehr ausschließlich im Bankgespräch – sondern im Dialog mit jenen Menschen, die ohnehin schon an das Unternehmen glauben.
Anm.: Im Vorschau Bild zu sehen Janik Halder (links) und Bernhard Messner (rechts).
Weitere Infos finden Sie auf der Webseite von 50kn Solutions.