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Eine Person in roter Arbeitsjacke, Schutzhelm und Kletterausrüstung steht neben dem Stamm eines großen Baumes und blickt in die Kamera. Am Klettergurt hängen Seile und Karabiner. Im Hintergrund sind unscharf Sträucher und weitere Bäume erkennbar. Die Aufnahme entstand im Freien bei Tageslicht.
© Eva Prem

Hoch hinaus, mit Bedacht

Wagnis. Eva Prem aus St. Johann in Tirol ist die einzige Baumpflegerin in ganz Tirol. Sie hängt in Baumkronen, arbeitet auf Hubarbeitsbühnen und muss manchmal erklären, warum eine Frau auch auf Bäume klettern kann und warum eine Frau Hubschrauber liebt. Ein Porträt über einen Beruf, den hier kaum jemand versteht – und eine Frau, die ihn trotzdem wählte.

Lesedauer: 5 Minuten

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03.06.2026

Wenn der erste Blick auf den Baum der wichtigste Auftrag ist

Eva Prem wuchs auf einem landwirtschaftlichen Betrieb auf, ging nach der Pflichtschule in eine landwirtschaftliche Lehranstalt und arbeitete danach im Botanischen Garten Innsbruck sowie im Landesforstgarten Tirol. Die klassische Gartenarbeit, das merkte sie rasch, war nicht ihr Ding. Zu wenig Bewegung, zu wenig Höhe, zu wenig Eigenständigkeit. Also spezialisierte sie sich auf Baumpflege – einen Beruf, der in Tirol bis heute von nur einer Handvoll Betrieben abgedeckt wird, aber immer mehr an Wichtigkeit gewinnt.

Wer Eva Prem anruft, rechnet oft damit, dass sein Baum zurückgeschnitten wird. Was dann tatsächlich passiert, überrascht viele: Sie kommt, schaut genau hin und fährt auch manchmal wieder heim, ohne die Säge angesetzt zu haben.

„In der Regel ist ein Baum so, wie er ist, am sichersten“, sagt sie. Viele Kund:innen haben schlicht Angst – vor Ästen, die abbrechen könnten, vor Schatten oder vor einer Größe, die ihnen unheimlich ist. Doch Angst ist kein Schnittgrund. Eva Prem begutachtet jeden Baum individuell, erklärt, was notwendig ist und was nicht. Das erfordert Überzeugungsarbeit, manchmal viel davon. Scherzhaft sagt sie, die Kund:innen seien oft die größere Arbeit als die Bäume selbst.

Leider sei in der Vergangenheit schon viel zu oft zu stark geschnitten worden. Viele Bäume wurden dadurch geschädigt, was wiederum hohen Pflege- und Kostenaufwand verursacht. Nicht jeder Baumschnitt ist auch Baumpflege, und vielen Firmen, etwa aus dem Hausmeisterbereich, fehlt die entsprechende Ausbildung.

Gute Baumpflege sieht man nicht

Wer professionelle Baumpflege erwartet und hinterher kahle Stümpfe sieht, war beim falschen Betrieb. Bei Eva Prem ist es umgekehrt: Nach getaner Arbeit wundern sich Kund:innen manchmal, ob überhaupt etwas passiert ist – bis sie das Astwerk am Boden sehen.

Das Prinzip dahinter ist konsequent: keine übertriebenen Eingriffe, kein radikales Kappen, keine Schnitte, von denen sich ein Baum nicht mehr erholt. Großbetriebe neigen nach ihrer Beobachtung dazu, mehr zu schneiden als nötig. Je mehr Äste fallen, desto mehr Aufwand und desto höher die Rechnung.

Eva Prem arbeitet anders. Mit Seilklettertechnik steigt sie direkt in die Baumkrone ein, arbeitet dort mit Knotentechnik und einer kompakten Säge – wendig, präzise und nah am Material.

Motorsäge und Vorurteil – beides trägt sie gelassen

Wenn Eva Prem als einzige weibliche Baumpflegerin Tirols mit Kletterausrüstung und Motorsäge auf einem Grundstück erscheint, folgen die Reaktionen oft einem vertrauten Muster: Überraschung, Skepsis, manchmal auch Übergriffigkeiten.

Ihr Umgang damit ist pragmatisch: „Ich verlasse mich nicht darauf, dass sich die Männer irgendwann ändern. Ich gehe raus, mache stolz einen guten Job und bin präsent.“

Wer in der Baumkrone hängt, hat für Selbstzweifel schlicht keinen Platz. Angst und Respekt gehören dazu und sind überlebenswichtig.

Eine Person in roter Arbeitsjacke, Schutzhelm und Kletterausrüstung steht neben dem Stamm eines großen Baumes und blickt in die Kamera. Am Klettergurt hängen Seile und Karabiner. Im Hintergrund sind unscharf Sträucher und weitere Bäume erkennbar. Die Aufnahme entstand im Freien bei Tageslicht.
© Eva Prem Der erste Blick zählt: Eva Prem beurteilt vor jedem Eingriff sorgfältig, was ein Baum wirklich braucht – und was nicht.

Ausbildung & Zertifizierung

Wer Bäume professionell pflegen will, braucht mehr als Mut und Klettergeschick. Die Ausbildung führt vom SKT-Grundkurs (Seilklettertechnik) über den European Tree Worker bis zum international anerkannten ISA Certified Arborist – ein Zertifikat, das alle drei Jahre mit 30 Fortbildungsstunden erneuert werden muss.

Eva Prem kennt diesen Weg aus eigener Erfahrung und geht ihn konsequent weiter. Aktuell absolviert sie die Ausbildung zur Forstarbeiterin, um ihren Betrieb fachlich noch breiter aufzustellen. In einem Berufsfeld, in dem Frauen nach wie vor die Ausnahme sind, ist dieser Bildungsweg auch eine Form von Selbstbehauptung.

Borkenkäfer, trockene Sommer und ein Baumschutzgesetz, das fehlt

Tirol hat ein ernst zu nehmendes Baumproblem, das sich in Zukunft noch verschlimmern wird, falls nicht gehandelt wird. Der Borkenkäfer breitet sich aus, die Sommer werden trockener und der Wald leidet.

Prems Empfehlung für Privatpersonen klingt simpel: Bäume in trockenen Phasen gießen, gelegentlich düngen und vor allem einfach in Ruhe lassen.

Politisch wünscht sie sich ein Baumschutzgesetz nach deutschem Vorbild – eines, das Bäume vor unnötigen Eingriffen schützt. Dass ein solches Gesetz auch bürokratische Hürden mit sich bringen würde, weiß sie. Dennoch sei der Tiroler Baumbestand diesen Schutz wert.

Hinzu kommt die besondere Topografie Tirols. Steiles Gelände, enge Siedlungsräume und alpine Witterungsverhältnisse machen den Einsatz von Kranwagen oder Hubarbeitsbühnen oft unmöglich. Die Seilklettertechnik ist deshalb keine Nischenspezialität, sondern praktische Notwendigkeit – und genau das ist Eva Prems Stärke. Wo andere mit schwerem Gerät nicht hinkommen, steigt sie per Vorstieg in die Krone. Nur in Ausnahmefällen kommen Krane, Hebebühnen oder sogar Hubschrauber zum Einsatz.

Hubschrauber, Golfplätze und der Traum von Kanada

Ihr Arbeitsgebiet umfasst Tirol, sie fährt aber auch nach Vorarlberg und in die Schweiz, wo sie als Subunternehmerin für andere Betriebe arbeitet. Auftraggeber sind Privatkund:innen ebenso wie Firmen, Gemeinden, Schulen oder Golfplätze.

Besonders in Erinnerung bleiben ihr Aufforstungen in unwegsamen Gebieten sowie Baumpflanzungen und andere Arbeiten per Hubschrauber oder Kran.

Für Sondereinsätze greift sie auf ein Netzwerk spezialisierter Betriebe zurück, denn allein arbeitet Eva Prem grundsätzlich nicht. Der Zweimannbetrieb ist Standard, Sicherheit kein Verhandlungsthema.

Für die Zukunft möchte sie ihren Betrieb weiter in Tirol verankern, Bewusstsein für professionelle Baumpflege schaffen und auch Erfahrungen im Ausland sammeln. Kanada steht dabei ganz oben auf ihrer Liste. Vorrang hat jedoch, das heimische Baumpflegenetzwerk zu stärken und den einen oder anderen Traum zu verwirklichen.

Hinweis
Weitere Informationen:
Eva Prem ist auf professionelle Baumpflege, Baumkontrollen und Arbeiten mit Seilklettertechnik spezialisiert. Mehr Informationen zu ihren Leistungen gibt es unter: www.baumpflegeprem.com.

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