Fachkräfte finden, bevor sie fehlen
Mit berufsreise.at erreichen Betriebe Jugendliche schon zu Beginn ihrer Berufswahl und können frühzeitig Nachwuchs gewinnen.
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Wer sucht hier eigentlich wen? (Lehr)stelle auf der eigenen Website, Inserat auf einem Jobportal, Social Media, Mundpropaganda, Kontakte über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Wer Nachwuchs sucht, nutzt heute meist mehrere Kanäle. Und trotzdem bleibt manche Position unbesetzt. Das hat viele Gründe. Einer davon liegt weit vor der eigentlichen Bewerbung: Jugendliche können sich nur für Berufe und Betriebe entscheiden, die sie überhaupt kennen.
Gerade in der 7. und 8. Schulstufe werden wichtige Weichen gestellt. Welche Ausbildung kommt infrage? Welche Berufe passen zu mir? Was kann ich mir vorstellen – und was eher nicht? In dieser Phase entstehen Bilder im Kopf, manche sehr konkret, andere noch ziemlich unscharf. Und genau hier entscheidet sich auch, welche Unternehmen überhaupt in den Blick junger Menschen geraten. „Fachkräftesicherung beginnt nicht erst dann, wenn eine Stelle ausgeschrieben wird. Wer Jugendliche erreichen will, muss schon in jener Phase präsent sein, in der sie sich orientieren und erstmals überlegen, welcher Beruf zu ihnen passen könnte“, sagt Andreas Zelger, Teamleiter für Berufs- und Personalberatung im Bildungsconsulting der WK Tirol.
Für Betriebe heißt das: Warten, bis Bewerbungen eintreffen, ist die wirkungsloseste Form der Nachwuchssuche. Interessanter ist die Frage, wie man schon vorher sichtbar wird.
Eine unterschätzte Adresse
Genau dafür gibt es berufsreise.at. Die Plattform bringt Berufsorientierung, Schulen und Tiroler Betriebe zusammen. Rund 3.900 Unternehmen sind dort vertreten. Doch nur etwa ein Drittel verfügt über ein vollständiges Profil. Das ist insofern bemerkenswert, als rund 40 % der Seitenaufrufe auf Unternehmensseiten entfallen. Wer sich dort gut präsentiert, „ist gefragt“, trifft also auf echtes Interesse.
Der Einstieg ist für Unternehmen niederschwellig: Ein Unternehmensprofil ist kostenlos, ebenso können Lehrstellen inseriert werden. Mit einem vollständigen Auftritt lässt sich aber wesentlich mehr daraus machen. Betriebe können zeigen, welche Ausbildungen sie anbieten, was sie als Arbeitgeber ausmacht und welche Möglichkeiten Jugendliche bei ihnen haben. Auch der Kontakt zu Schulen und Veranstaltungen im Rahmen der Berufsbildung spielen eine wichtige Rolle. Das Besondere daran: berufsreise.at ist nicht bloß eine weitere Stellenbörse, auf die jemand geht, wenn die Entscheidung für einen Beruf längst gefallen ist. Mehr als 55 Mittelschulen mit über 170 Klassen nutzen die Plattform aktiv im Unterricht. Jährlich verzeichnet sie rund 167.000 Seitenaufrufe. „Unternehmen können damit genau in jener Phase sichtbar werden, in der Jugendliche ihre Möglichkeiten erst kennenlernen“, betont Markus Abart, Teamleiter für Berufsorientierung am Bildungsconsulting.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: Ist mein Betrieb dort zu finden? Sondern: Was sieht ein 13- oder 14-Jähriger, wenn er ihn findet? Es geht also nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“.
Ohne Sichtbarkeit keine Nachfrage
Für Jugendliche ist die Berufswelt riesig – und gleichzeitig oft erstaunlich klein. Bekannt sind zunächst jene Berufe, die aus dem eigenen Umfeld vertraut sind: von Eltern, Verwandten, Bekannten oder aus dem Alltag. Vieles andere bleibt unsichtbar. Und manche Vorstellungen stammen noch aus einer Arbeitswelt, die es so längst nicht mehr gibt. Ein technischer Beruf ist heute häufig eine Verbindung aus Handwerk, Digitalisierung, Automatisierung und moderner Planung. Auch Tätigkeiten im Handel, im Tourismus oder in vielen Dienstleistungen haben sich stark verändert. Wer aber nur ein altes Bild eines Berufs kennt, wird sich kaum für dessen moderne Realität entscheiden.
Genau deshalb ist frühe Berufsorientierung auch für Unternehmen relevant. Ein noch so guter Ausbildungsplatz nützt wenig, wenn Jugendliche gar nicht wissen, dass es ihn gibt. Ohne Sichtbarkeit gibt es keine Nachfrage. Das gilt besonders für weniger bekannte Lehrberufe oder für Betriebe, die nicht täglich im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen. Sichtbarkeit bedeutet dabei nicht, möglichst laut zu werben. Es geht darum, ein konkretes Bild entstehen zu lassen: Was wird bei uns gemacht? Was lernt man? Mit welchen Menschen arbeitet man zusammen? Welche Technik kommt zum Einsatz? Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es? Und was könnte daran für einen jungen Menschen interessant sein?
Aus einer Berufsbezeichnung wird so im besten Fall eine Vorstellung: Das könnte etwas für mich sein.
Ein gutes Profil muss nach Betrieb aussehen
Ein vollständiges Profil allein ist allerdings noch kein gutes Profil. Wer Jugendliche ansprechen möchte, sollte den eigenen Auftritt einmal aus deren Perspektive betrachten. Ein 14-Jähriger kennt interne Abteilungsbezeichnungen nicht, kann mit vielen Fachbegriffen wenig anfangen und wird sich von einem Text voller Unternehmensfloskeln kaum angesprochen fühlen. Viel hilfreicher ist Konkretes. Was gibt es bei uns tatsächlich zu tun? Wie sieht ein typischer Tag aus? Was darf man schon früh selbst machen? Welche Menschen arbeiten hier? Kann man schnuppern? Wer ist die Ansprechperson? Und was kann aus einer Lehre in diesem Betrieb später werden?
Gerade kleinere und mittlere Unternehmen müssen dabei keinen Hochglanzauftritt eines internationalen Konzerns kopieren. Ihre Stärke liegt woanders: Sie können persönlicher zeigen, wer hinter dem Betrieb steht. Ein echtes Team, Mitarbeiter:innen bei einer typischen Tätigkeit oder ein kurzer Einblick in einen Arbeitsplatz sagt Jugendlichen mitunter mehr als die zehnte Formulierung über „attraktive Karrierechancen“. „Ein guter Auftritt muss nicht möglichst groß wirken, sondern möglichst echt. Jugendliche wollen eine Vorstellung davon bekommen, was sie erwartet. Unternehmen sollten deshalb zeigen, wie Ausbildung bei ihnen tatsächlich aussieht, wer die Menschen dahinter sind und welche Chancen sich daraus entwickeln können“, sagt Abart.
Das ist digitales Lehrlingsmarketing in seiner einfachsten Form: nicht behaupten, attraktiv zu sein – sondern sichtbar machen, warum man es ist.
Vom Klick zur echten Begegnung
So wichtig ein digitales Profil ist: Berufsorientierung funktioniert besonders gut, wenn aus Information ein Erlebnis wird. Ein Beruf wird verständlicher, wenn Jugendliche sehen, ausprobieren und nachfragen können. Wer etwa erlebt, wie in einem Betrieb handwerkliche Fähigkeiten mit CNC-Technik und digitaler Planung zusammenspielen, nimmt einen Beruf anders wahr als nach einer bloßen Beschreibung. Dasselbe gilt für moderne Abläufe im Handel, technische Anwendungen in Dienstleistungen oder die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten im Tourismus.
Deshalb sollte berufsreise.at nicht isoliert betrachtet werden. Die Plattform ist Teil eines größeren Netzes von Schnittpunkten zwischen Jugendlichen und Wirtschaft. Tiroler Berufs-Festivals, Schnupperangebote, Betriebsbesichtigungen, Vorstellungen in Schulen oder die Rookie Days in den Tiroler Bezirken schaffen Möglichkeiten, ein Unternehmen tatsächlich kennenzulernen. Das Bildungsconsulting erreicht mit Berufsorientierung und Berufsberatung jährlich mehr als 18.000 Jugendliche in der 7. und 8. Schulstufe. Allein an den Tiroler Berufs-Festivals nehmen rund 5.000 Jugendliche teil. Für Unternehmen sind solche Formate keine abstrakte Bildungsarbeit. Sie sind Gelegenheiten, früh mit möglichen künftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kontakt zu kommen.
Nicht jeder Kontakt führt später zu einer Bewerbung. Das muss er auch nicht. Entscheidend ist, im richtigen Moment überhaupt Teil der Auswahl zu sein.
Nicht irgendein Mitarbeiter, sondern der passende
Bei Fachkräftesicherung denkt man schnell in Zahlen: Wie viele offene Stellen gibt es, wie viele Bewerbungen kommen herein, wie viele Lehrlinge und andere neue Mitarbeiter:innen können aufgenommen werden? Mindestens ebenso wichtig ist aber die Passung. Eine Lehrstelle, die nach kurzer Zeit wieder aufgegeben wird, kostet beide Seiten. Für den jungen Menschen ist es eine enttäuschende Erfahrung, für den Betrieb bedeutet es verlorene Zeit, Ausbildungsaufwand und erneut die Suche nach Nachwuchs. Berufsorientierung kann solche Fehlentscheidungen nicht vollständig verhindern. Sie kann aber dazu beitragen, dass Jugendliche bewusster entscheiden.
Wer die eigenen Interessen, Fähigkeiten und Vorstellungen besser kennt und gleichzeitig ein realistisches Bild verschiedener Berufe bekommt, hat eine bessere Grundlage für die Wahl. Genau hier setzt auch die persönliche Berufsberatung des Bildungsconsultings an. Rund 1.800 TalentCard-Beratungen werden jährlich durchgeführt. 78 % der Ergebnisse weisen in Richtung Berufsbildung. Für Unternehmen liegt darin ein oft übersehener Vorteil. Es geht nicht darum, möglichst viele Jugendliche irgendwie für eine Lehrstelle zu gewinnen. Nachhaltiger ist es, jene zu erreichen, die sich für die Tätigkeit interessieren und bei denen Beruf, Erwartungen und Fähigkeiten möglichst gut zusammenpassen. Fachkräftesicherung beginnt damit nicht bei der Zahl der Bewerbungen, sondern bei der Qualität der Entscheidung davor.
Berufsorientierung ist auch Arbeitgebermarketing
Wer bei Berufsorientierung ausschließlich an Schule denkt, greift deshalb zu kurz. Für Unternehmen ist sie auch Arbeitgebermarketing – nur wesentlich früher als klassische Personalwerbung. Ein Betrieb, der in der 7. oder 8. Schulstufe sichtbar wird, verkauft noch keine konkrete Stelle. Er schafft Bekanntheit und vermittelt ein Bild seiner Berufe. Wer sich an einem Berufs-Festival beteiligt, Schnuppermöglichkeiten anbietet, mit Schulen in Kontakt tritt oder sein Profil auf berufsreise.at pflegt, investiert damit in einen Bewerbermarkt, der erst entsteht.
Das ist besonders dort relevant, wo Branchen um dieselben Jugendlichen konkurrieren. Wer präsent ist, kann Interesse wecken. Wer nicht vorkommt, überlässt anderen das Feld – unabhängig davon, wie gut die eigene Ausbildung wäre. Dabei geht es nicht um einen einzelnen Kanal. Stellenanzeigen werden weiterhin gebraucht, Social Media kann sinnvoll sein, persönliche Empfehlungen bleiben wertvoll. Die Stärke von Berufsorientierung liegt darin, früher anzusetzen: bevor jemand nach einer offenen Lehrstelle sucht, bevor eine Bewerbung geschrieben wird und häufig sogar bevor ein konkreter Berufswunsch feststeht.
Für Unternehmen verändert sich damit die Perspektive. Aus der Frage „Wo schreiben wir unsere (Lehr)stelle aus?“ wird die strategischere Frage: „Wo begegnen uns die Jugendlichen, die in ein oder zwei Jahren unsere Bewerber:innen sein könnten?“
Mit den Augen eines Jugendlichen
Am Ende lässt sich daraus eine sehr einfache Aufgabe ableiten: Öffnen Sie berufsreise.at, suchen Sie Ihren eigenen Betrieb und betrachten Sie das Ergebnis einmal mit den Augen eines 14-Jährigen. Ist auf Anhieb verständlich, was Ihr Unternehmen macht? Erkennt man, welche Berufe man dort lernen kann? Bekommt man ein Gefühl dafür, wie Ausbildung und Arbeitsalltag aussehen? Gibt es einen konkreten nächsten Schritt – etwa eine Kontaktperson, eine Schnuppermöglichkeit oder eine offene Lehrstelle? Und vor allem: Macht das Profil neugierig?
Wenn nicht, lässt sich daran vergleichsweise einfach etwas ändern. Ein vollständiges Profil kann aber dazu beitragen, dass ein Betrieb bei Jugendlichen überhaupt erst auf den Radar kommt. „Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir irgendwann Fachkräfte brauchen – das wissen die meisten Unternehmen sehr genau. Entscheidend ist, ob wir heute schon etwas dafür tun, dass junge Menschen unsere Berufe und Betriebe kennenlernen. Wer erst zu suchen beginnt, wenn eine Stelle frei wird, verschenkt wertvolle Zeit“, sagt Zelger.
Fachkräftesicherung ist keine einzelne Maßnahme und kein kurzfristiges Projekt. Sie beginnt mit Sichtbarkeit, setzt sich in Begegnungen fort und führt im besten Fall zu einer bewussten Entscheidung auf beiden Seiten. „berufsreise.at kann dafür ein wichtiger erster Schritt sein. Denn bevor sich ein Jugendlicher für einen Betrieb entscheiden kann, muss er zunächst wissen, dass es diesen gibt“, betont Markus Abart.
berufsreise.at - Zugang für Unternehmen zu Jugendlichen & potenziellen Bewerber:innen
• 167.000 jährliche Seitenaufrufe
• 55+ Mittelschulen mit 170+ Klassen nutzen die Seite aktiv im Unterricht
• 3.900 Unternehmen - davon 1/3 mit vollständigem Profil
• Rund 40% der Seitenaufrufe entfallen auf Unternehmen
Jährliche Teilnehmer:innen in der Berufsorientierung undBerufsberatung des Bildungsconsulting der WK Tirol
• 18.274 Jugendliche erreicht (7. / 8. Schulstufe)
• 4.972 – Tiroler Berufs-Festivals
• 1.800 - Talent-Card-Beratungen
• 78 % der Ergebnisse in Richtung Berufsbildung