Geschmackvoll kurze Wege
Mit der Silvretta Brauerei setzt die Neo-Brauereifamilie Parth ein so geschmackvolles wie mutiges Zeichen im Tiroler Oberland. Im Interview mit der Tiroler Wirtschaft spricht Mehrheitseigentümer Simon Parth über die Genese der bierigen Idee, die vom umkämpften Biermarkt geforderte Wehrhaftigkeit, den Fokus auf die Region wie auch die kurzen Wege und sagt: „Wir haben von vornherein gesagt, wenn wir es machen, dann machen wir es gescheit.“
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Im Herbst 2025 haben die Bauarbeiten für die Silvretta Brauerei in Wiesberg in Tobadill begonnen. Wegen der Topografie am Standort, wo sich Paznaun, Stanzertal und Oberes Gericht treffen, waren die ersten Bauarbeiten recht spektakulär. Ist das Projekt mindestens gleich spektakulär?
Simon Parth: Die Idee einer Brauerei in unserer Region hatte mein Vater eigentlich schon, als wir ganz kleine Kinder waren. Das ist jetzt über 30 Jahre her. Er war überzeugt, dass in unserer Region eine lokale, gute Brauerei fehlt. Ob sie jetzt spektakulär wird oder nicht, müssen andere entscheiden. Wir bemühen uns natürlich, dass die Brauerei etwas Besonderes wird und wir der exponierten Lage – unter der denkmalgeschützten Burg Wiesberg – gerecht werden. Wir haben einiges vor.
Ihr Vater und Initiator der Brauerei, Hannes Parth, ist als sehr cleverer „Seilbahner“ bekannt, war er doch über 30 Jahre lang Vorstand der Silvrettaseilbahn AG in Ischgl. Sie sind Mehrheitseigentümer des gerade entstehenden Brauhauses. Was ist Ihre Geschichte?
Ich komme aus der Getränkebranche, war 14 Jahre bei der Firma Rauch Fruchtsäfte und in den letzten drei Jahren war ich verantwortlich für den Aufbau des Pfandsystems in Österreich. Ich war Geschäftsführer der Pfandorganisation, die das alles aufgebaut hatte. Das heißt, die Getränkebranche ist mir sehr nah.
Haben Sie – beziehungsweise irgendjemand in Ihrer Familie – schon mal Bier gebraut?
Wir trinken alle gerne Bier, aber gebraut haben wir nie. Die Idee unseres Vaters hat uns – wie erwähnt – schon lange begleitet und dann haben wir gemeinsam entschieden, dass wir das jetzt endlich angehen und Bier brauen.
Es heißt, dass die Silvretta Brauerei eine der modernsten Brauereien Österreichs wird. Was macht sie denn so modern?
Wir haben mit der im Chiemgau ansässigen Firma Braukon einen sehr renommierten Partner finden können, der solche Brauereien herstellt. Neben dem, dass alles vollautomatisiert gebraut wird, setzen wir – das ist eigentlich eher unüblich für eine Brauerei in unserer Größe – auf modernste Filtrierung, Kurzzeiterhitzungen etc. Wir haben von vornherein gesagt, wenn wir es machen, dann machen wir es gescheit. Unser Bier muss bezüglich der Qualität und der Standards auf Augenhöhe mit den großen Mitbewerbern gebraut werden. Was uns noch besonderer macht, ist unser Energiekonzept – da sind wir österreichweit die Einzigen. Wir betreiben die Bierproduktion über eine Hochtemperaturwärmepumpe.
Woher beziehen Sie den Strom?
Danke für diese Frage, denn auch das ist eine schöne Geschichte. Wir beziehen den Strom von einer Erneuerbare-Energie-Gemeinschaft eines Wasserkraftwerks der Bergbahnen in See – unserer Nachbargemeinde. Wir nutzen also grünen Strom, um das Bier herzustellen.
Sind derart kurze Wege Teil Ihres Konzeptes?
Unbedingt. Unsere Brauerei ist nicht dazu da, um die Welt zu erobern oder einen riesen Export aufzubauen, sondern wir sind wirklich für die direkte Region da. Da geht es um ein paar Kilometer Radius. Darauf wollen wir uns fokussieren und und das ist natürlich auch ein Teil unseres Konzeptes. Wir müssen unser Bier nicht über 600 Kilometer zu den Kund:innen und die leeren Fässer dann wieder 600 Kilometer zurück bringen.
Sie haben kürzlich einen Bierbrau-Kurs absolviert. Werden Sie selbst Hand anlegen?
Stimmt, mein Vater und ich haben einen Brauereikurs an der Technischen Universität München absolviert und eine Basisausbildung genossen. Aber die Bierproduktion überlassen wir schon unserem Felix.
Sie sprechen den gleich mehrfach ausgezeichneten Braumeister Felix Schiffner an. Zweimal war der gebürtige Oberösterreicher Vizeweltmeister als Bier-Sommelier, einmal österreichischer Staatsmeister und so weiter und so super. Wie konnten Sie ihn für die Silvretta Brauerei gewinnen?
Wir sind sehr stolz, dass Felix dabei ist. Wir wissen, dass wir mit ihm einen unglaublichen Fachmann und ein sehr, sehr großes Talent in der Bierbranche gewinnen konnten. Er hat unser vollstes Vertrauen und er hat natürlich auch die Freiheit bei uns, neue Rezepturen zu entwickeln und die Brauerei im Innenleben so zu gestalten, wie er es für richtig hält. Das sind Freiheiten, die es in einer großen eingesessenen, traditionellen Brauerei nicht mehr gibt. Felix kann hier tüfteln und sich entfalten, das wird wahrscheinlich auch einer der Hauptgründe gewesen sein, zu uns zu kommen – neben dem, dass er ein begeisterter Sportler ist.
Welche Erwartungen oder Vorgaben haben Sie Braumeister Felix gegeben für sein erstes Bier der Marke Silvretta Bräu? Was war Ihr Wunsch?
Es war eigentlich ein relativ einfacher Wunsch, den wir alle gemeinsam – inklusive Felix – verfolgt haben. Unser Konzept sieht vor, dass wir keine Experimente machen wollen, wir sind auch keine Craftbrauerei, die ausgefallene Rezepturen entwickelt. Wir sagen, wir brauchen ein Bier, das man auch selber gerne trinkt und das unsere Kunden und die Einheimischen gerne trinken und gerne verkaufen. Das heißt, wir wünschten uns ein klassisches Bier, mild, leicht zu trinken, mit weniger Stammwürze – im besten Fall einen Tick besser. Das ist es auf jeden Fall geworden
Bei der Fafga war Ihr Bier in Windeseile ausgetrunken. Ein schöner Start?
Natürlich. Es ist sehr gut angekommen. Weil es so gute Reaktionen gab, haben wir gesagt, okay, dann produzieren wir schon jetzt ein bisschen mehr. Wir haben einige kleine Kunden:innen gewinnen können, hören gut zu und lernen viel.
Der Biermarkt ist heiß umkämpft und in weiten Teilen von Riesen beherrscht, die ihre Größe auch zu nutzen verstehen. Bei kleinen, regionalen Brauereien muss in dem Zusammenhang fast zwingend von Davids gesprochen werden, die gegen Goliath kämpfen. Ist das so?
Wir wollen nicht kämpfen, das ist in unserer Familie generell nicht Usus. Wir haben natürlich mit viel Gegenwind gerechnet. Dieser Gegenwind ist jetzt doch noch einmal deutlich aggressiver, als wir ihn erwartet haben. Wir werden uns aber weiterhin grundsätzlich vor allem auf unsere Kunden:innen, persönlichen Service und gutes Bier konzentrieren und weniger auf unsere Mitbewerber. Wir verspüren schon jetzt einen großen Zusammenhalt in der Region.
Noch wird das Silvretta Bräu in der Lohnbrauerei Ihres Bieranlagenherstellers Braukon im Chiemgau produziert. Wann geht’s vor Ort los?
Wir sind mitten im Bau. Im April wird dann die gesamte Brauerei angeliefert, eingebaut und installiert. Das werden spannende Wochen. Es spricht aber nichts dagegen, dass wir im Sommer beginnen, die Produktion ganz auf Wiesberg zu verlegen. Dann geht’s los.
Spannende Zeiten?
Und wie!
Weitere Informationen: www.silvretta-brauerei.at