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Zwei Personen mit Schutzbrillen und Handschuhen halten metallene Objekte, im Hintergrund verschwommen Industriemaschinen
© Christian Vorhofer

Jetzt die Lücke bei Fachkräften schließen

Die Bundesregierung plant im März 2026 eine Weiterentwicklung der Fachkräftestrategie. Für Tirol ist das überfällig: Die Hälfte aller Betriebe ist von Arbeits- und Fachkräftemangel betroffen. WK-Präsidentin Barbara Thaler fordert praxisnahe Lösungen.

Lesedauer: 3 Minuten

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Aktualisiert am 11.03.2026

Die im März 2026 geplante Überarbeitung der Fachkräftestrategie ist für die Tiroler Wirtschaft dringend notwendig. Der Tiroler Arbeitsmarkt steht unter Druck. Das zeigt sich auch in der Arbeitslosenquote: Mit 4,4 % liegt Tirol weiterhin auf dem niedrigsten Niveau aller Bundesländer. Auch die Konjunkturbefragung der WK Tirol macht deutlich, dass der Arbeits- und Fachkräftemangel für rund die Hälfte aller Tiroler Betriebe einen Belastungsfaktor darstellt. Für Präsidentin Barbara Thaler braucht es alle drei Säulen der geplanten Fachkräftestrategie: erstens die Qualifizierungsoffensive, um insbesondere Arbeitssuchende bestmöglich in die moderne Arbeitswelt zu integrieren. Zweitens einen Schwerpunkt im Bereich Lehre, um die Attraktivität der dualen Ausbildung weiter zu stärken. Dazu gehört auch eine ausreichende Finanzierung der betrieblichen Lehrstellenförderungen sowie deren Valorisierung. 

Es braucht alle drei Säulen

Aber auch die dritte Säule der Fachkräftestrategie – für internationale Fachkräfte attraktiver zu werden – ist erforderlich, um die strukturelle Entwicklung abzufedern. „Selbst wenn wir alle inländischen Potenziale heben, wird es zusätzliche qualifizierte Zuwanderung brauchen“, betont WK-Präsidentin Barbara Thaler. Die Rot-Weiß-Rot-Karte ist ein zentrales Instrument, um qualifizierte Drittstaatsangehörige für unseren Standort zu gewinnen. Mit dem Ersatzkraftverfahren des AMS gibt es bereits ein bewährtes Instrument: Zuerst wird geprüft, ob geeignete Inländer:innen oder EWR-Arbeitskräfte am österreichischen Arbeitsmarkt verfügbar sind. Das stellt sicher, dass unsere Arbeitskräfte immer Vorrang haben. Wenn diese fehlen, braucht es Zuwanderung.

Rot-Weiß-Rot-Karte zu formalistisch

Gleichzeitig ist die Rot-Weiß-Rot-Karte in der Praxis noch zu formalistisch. „Für unsere Betriebe zählt, ob jemand die notwendigen praktischen Fähigkeiten für eine konkrete Stelle mitbringt – nicht ausschließlich ein formaler Ausbildungsnachweis. Wenn die Qualifikation passt und der Bedarf klar ist, muss eine Lösung möglich sein“, betont Barbara Thaler. Dazu brauche es auch weitere Schritte: etwa die Öffnung der Rot-Weiß-Rot-Karte für durch Arbeitskräfteüberlasser bereitgestellte Personen, einen erleichterten Arbeitsmarktzugang für drittstaatsangehörige Studierende, ein Pilotprojekt für Lehrlinge sowie praxisnahe Erleichterungen für internationale Startup-Gründer.

Deutliche Worte findet die Präsidentin zur Haltung der Gewerkschaft vida, die einmal mehr in Problemen und nicht in Lösungen denkt. So sei etwa die Warnung vor einer Konkurrenz für heimische Jugendliche Panikmache. In Tirol gibt es – entgegen dem Bundestrend – seit vielen Jahren einen deutlichen Überhang an offenen Lehrstellen. Ende Februar 2026 stehen in Tirol insgesamt 2.381 offene Lehrstellen 534 Lehrstellensuchenden gegenüber. Besonders deutlich wird die Lage bei den sofort verfügbaren Stellen: 1.169 sofort verfügbare offene Lehrstellen treffen auf 465 sofort verfügbare Lehrstellensuchende.

„Wenn junge Erwachsene mit ausreichenden Deutschkenntnissen eine Lehre in Österreich absolvieren wollen, stärkt das unser duales System – dort, wo Lehrstellen mangels Bewerber:innen unbesetzt bleiben. Die Ausbildung heimischer Jugendlicher bleibt selbstverständlich Priorität“, erklärt Thaler. Die Präsidentin entkräftet auch die Befürchtungen rund um Lohndumping: Unternehmen sind im Rahmen der Rot-Weiß-Rot-Karte gesetzlich verpflichtet, klar definierte Mindestentgelte einzuhalten: Bei sonstigen Schlüsselkräften beträgt das Mindestgehalt 3.465 Euro brutto pro Monat zuzüglich Sonderzahlungen, in Mangelberufen gilt jedenfalls der jeweilige Kollektivvertrag. „Es geht nicht um Kosteneinsparung, sondern um die Besetzung offener Stellen“, betont Thaler. 

Für die Tiroler Wirtschaft steht fest: Eine moderne, praxisnahe Fachkräftestrategie ist keine ideologische Debatte, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Vernunft – um Wertschöpfung, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

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