Mehr Spielraum für Betriebe und sichere Jobs
Die Reduktion der Lohnnebenkosten ist ein wichtiges Signal für den Standort Tirol. Sie entlastet Betriebe, verbessert die Wettbewerbsfähigkeit und schafft bessere Voraussetzungen für sichere Arbeitsplätze.
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Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt. Viele Betriebe kämpfen weiterhin mit hohen Kosten, zunehmender Bürokratie und unsicheren Rahmenbedingungen. Umso wichtiger sind Maßnahmen, die gezielt entlasten und den Standort stärken. Mit der Senkung der Lohnnebenkosten um einen Prozentpunkt hat die Bundesregierung nun eine langjährige Forderung der Wirtschaft aufgegriffen und einen Konjunkturimpuls gesetzt. „Die hohen Arbeitskosten sind seit Jahren eines der größten Probleme für unsere Betriebe“, betont WK-Präsidentin Barbara Thaler. Dass diese Reduktion trotz schwieriger budgetärer Rahmenbedingungen erfolgt, ist ein wichtiges und richtiges Signal – gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die besonders unter den laufenden Kosten leiden. Auch das Volumen von 2 Milliarden Euro jährlich kann sich sehen lassen – es entspricht immerhin einem Drittel des Tiroler Landesbudgets.
Der Handlungsbedarf ist klar belegt: Österreich zählt innerhalb der EU zu den Ländern mit den höchsten Abgaben auf Arbeit. Zum Bruttolohn kommen 29,6 % dazu – das bedeutet: Von 1 Euro Arbeitskosten kommen bei den Beschäftigten nur 53 Cent an. Der Rest fließt in Steuern und Abgaben. Das verteuert Beschäftigung, erschwert Neueinstellungen und reduziert die Spielräume für Investitionen. Gleichzeitig bedeutet es, dass ein erheblicher Teil von Lohnerhöhungen gar nicht die Beschäftigten erreicht, sondern im Abgabensystem verloren geht. „In der Praxis heißt das: Betriebe müssen deutlich mehr aufwenden, damit bei den Beschäftigten überhaupt ein spürbares Plus ankommt. Das schmälert die Kaufkraft und bremst den privaten Konsum – ein Faktor, der gerade in wirtschaftlich schwächeren Phasen entscheidend ist“, betont die Präsidentin.
„Entlastung bei den Arbeitskosten wirkt direkt. Sie hilft dort, wo Betriebe täglich entscheiden müssen – und verleiht Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen Rückenwind.“

Barbara Thaler
Präsidentin der WK Tirol
Die nun beschlossene Senkung setzt genau hier an. Sie reduziert die Kosten pro Arbeitsplatz, erleichtert es Betrieben, Personal aufzubauen, und schafft mehr finanziellen Spielraum im Unternehmen. „Entlastung bei den Arbeitskosten wirkt direkt. Sie hilft dort, wo Betriebe täglich entscheiden müssen – und verleiht Investitionen und der Schaffung von Arbeitsplätzen Rückenwind“, so Thaler. Dass parallel dazu auch Fehlanreize im System der Arbeitslosenversicherung abgebaut werden sollen, ist ebenfalls zu begrüßen. Derzeit führen Ausnahmeregelungen dazu, dass eine Ausweitung der Arbeitszeit finanziell oft wenig interessant ist – es ist wichtig und richtig, diese sogenannte Teilzeitfalle zu entschärfen.
Damit die Maßnahme auch die erwünschten positiven Wirkungen entfaltet, kommt es nun entscheidend auf die Umsetzung an. Kritisch zu sehen sind die Verlängerung der Bankenabgabe und die geplante progressive Ausgestaltung der Körperschaftsteuer. Beides bedeutet zusätzliche Kosten – insbesondere für größere und erfolgreiche Unternehmen. Gleichzeitig entsteht ein zeitliches Ungleichgewicht: Zusätzliche Belastungen greifen bereits 2027, während die Entlastung bei den Lohnnebenkosten erst 2028 wirksam wird. „Das passt noch nicht zusammen“, hält Thaler fest, „Entlastung und Konsolidierung müssen Hand in Hand gehen.“
Darüber hinaus braucht es weitere konkrete Schritte, damit sich Leistung wieder stärker auszahlt. Dazu gehört, Überstunden steuerlich attraktiver zu gestalten, damit Mehrarbeit auch im Geldbörsel spürbar ankommt.
Unterm Strich bleibt eine gute Nachricht: Die Senkung der Lohnnebenkosten ist ein zentraler und längst überfälliger Schritt. Jetzt gilt es, die Details sauber umzusetzen und weitere Maßnahmen folgen zu lassen. Denn ein wettbewerbsfähiger Standort ist die Grundlage für Investitionen, Beschäftigung und Wohlstand. Oder wie es Thaler zusammenfasst: „Wenn sich Arbeit wieder lohnt, profitieren am Ende alle, Betriebe ebenso wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - und letztlich auch das Staatsbudget durch höhere Einnahmen aus einer florierenden Wirtschaft.“