Vision und Struktur: Orientierung für KMU und Familienunternehmen
Es ist schon so. Im an sich so positiven unternehmerischen Alltagstrubel können strategische Entscheidungen zu leicht verschoben und wichtige Fragen zu flott in den Hintergrund gedrängt werden. Um diesen Fragen die Bühne zu geben, die sie verdienen und die Visionen in Einklang mit den unternehmerischen Rahmenbedingungen zu bringen, hat die Innsbrucker Unternehmensberaterin Andrea Maddaluno ein Konzept für KMU und Familienunternehmen entwickelt. Sie sagt: „Unternehmerische Stabilität und Zukunftsfähigkeit entstehen dort, wo klare Orientierung auf passende Strukturen trifft – nicht durch mehr Aktivität oder zusätzliche Prozesse.“
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Dieses kleine Experiment hilft, um ein unternehmerisches Dilemma zu verdeutlichen. Wird die eigene Hand nahe am Auge gehalten, verschwimmen die Linien und Strukturen. Das Bild ist unscharf. Wird die Hand weiter weg gehalten, kann sie als Ganzes erfasst werden. Finger und Umrisse werden klar. Das Bild ist scharf.
„Viele Unternehmerinnen und Unternehmer sind ganz einfach wahnsinnig im Tagesgeschäft eingebunden und haben das Gefühl, ständig beschäftigt zu sein, aber sie haben zu wenig Klarheit“, beschreibt Andrea Maddaluno den allzu bekannten Alltagstrubel, in dem strategische Entscheidungen leicht verschoben und wichtige Fragen in den Hintergrund gedrängt werden, „gerade bei kleinen Klein- und Mittelbetrieben oder Familienunternehmen liegt viel Verantwortung auf wenigen Schultern. Da bleibt im Alltag wenig Zeit, bewusst über langfristige Entwicklung vom Unternehmen nachzudenken.“
Vision und Struktur helfen das Alltagsgeschäft leichter zu gestalten
Andrea Maddaluno kennt dieses Dilemma. Sie ist seit über 30 Jahren in Unternehmen tätig und hat die Erfahrungen aus der Praxis mit dem Bachelorstudium der Wirtschaftswissenschaften, dem Masterstudium der Organisationswissenschaften und der Ausbildung zur systematischen Beraterin ergänzt. „Ich habe mir gedacht, es wäre schön, Unternehmen mit einem tiefen Blick in die Visionen und Strukturen dabei helfen zu können, ihr Alltagsgeschäft leichter zu gestalten.“
Mit der Überzeugung, dass gute Entscheidungen Klarheit brauchen und Klarheit dort entsteht, wo Vision und Struktur zusammenspielen, hat Andrea Maddaluno ein Konzept entwickelt, das konkrete Denkanstöße liefert, um ohne noch mehr Aktivität oder zusätzliche Prozesse die unternehmerische Stabilität und Zukunftsfähigkeit zu festigen. „Da entstehen ganz tolle Dynamiken. Und es hilft den Personen sehr, wenn man sie mal an der Hand nimmt und einfach einen anderen Blickwinkel einbringt“, sagt sie und hält fest: „Wenn man in seinem Tagesgeschäft drinnen ist, dann verliert man sich oft in gewissen Themen. Und es ist gut, wenn da jemand von außen mal einen ganz anderen Blick – und zwar von oben nach unten – darauf wirft.“
Warum ist Orientierung für KMU und Familienunternehmen heute so entscheidend?
Andrea Maddaluno: Die Anforderungen an die Unternehmerinnen und Unternehmen sind in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden, weil neben dem operativen Geschäft gleichzeitig Themen wie Fachkräftemangel, Digitalisierung, Organisation oder auch Unternehmensnachfolge mitgedacht werden müssen. Gerade in Familienunternehmen kommen oft familiäre Perspektiven und generationsübergreifende Fragen hinzu. Dadurch entstehen viele parallele Entscheidungsfelder. Und gerade da wird Orientierung zu einer zentralen Führungsaufgabe. Wenn ich mir bewusst Zeit nehme für die Reflexion, und die grundlegende Ausrichtung des Unternehmens kläre, dann kann ich Entscheidungen im Alltag deutlich leichter treffen.
Visionen sind nicht gleichzusetzen mit Zielen. Warum nicht?
Vision ist ein Begriff, der häufig mit Zielplanung verwechselt wird. Ziele sind natürlich wichtig. Die beschreiben konkrete Ergebnisse, die in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen. Aber eine Vision geht darüber hinaus. Sie beantwortet ebenso grundlegende Fragen wie – wofür soll dieses Unternehmen, mein Unternehmen stehen? Das spielt natürlich auch in Familienunternehmen eine große Rolle. Eine klare Vision kann man sich vorstellen wie einen Kompass. Sie hilft einfach Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen und unterschiedliche Erwartungen im Unternehmen besser zu verbinden. Fehlt die Vision, führt das zu Reibungen im Alltag. Ohne Vision fehlen mir die konkreten Eckpunkte wie die Ausrichtung und ich stelle mir immer wieder Fragen, die ich nicht beantworten kann.
Und die Struktur folgt der Vision?
Ja, das ist entscheidend. Nach einer klaren Visionsdarstellung kommt die Struktur – als Entlastung und nicht als Bürokratie. Struktur wird immer wieder mit Regeln und zusätzlichem Aufwand verwechselt. In der Praxis zeigt sich aber, dass Struktur vor allem Entlastung ist. Struktur bedeutet klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Entscheidungswege und transparente Prioritätensetzung im Alltag. Eine klare Struktur hilft dabei, Verantwortung sichtbar zu machen und Entscheidungen nachvollziehbar zu gestalten.
Wie spielen Vision und Struktur zusammen?
Eine Vision ohne Struktur ist etwas Abstraktes und hat wenig Einfluss auf den Alltag im Unternehmen. Umgekehrt kann Struktur ohne klare Orientierung schnell als Belastung empfunden werden. Die beiden Elemente muss ich richtig zusammenstellen, dass das wirklich gut zusammenwirkt und Klarheit entsteht. Die Vision gibt die Richtung vor, während die Struktur dafür sorgt, dass die Richtung im Alltag umgesetzt werden kann. Gerade in Phasen von Wachstum, Veränderung oder Unternehmensübergabe ist das Zusammenspiel ganz besonders wichtig.
Sie haben drei Reflexionsfragen herausgearbeitet, die einen neuen Blick auf das
Unternehmen ermöglichen. Welche?
Frage eins, die ich meinen Kund:innen stelle, ist: Wofür soll mein Unternehmen langfristig stehen – auch jenseits von Umsatz und Wachstumszielen? Frage zwei betrifft aktuelle Entscheidungen: Welche Themen werden immer wieder verschoben, obwohl sie eigentlich wichtig wären? Und schließlich lohnt sich dann ein Blick auf den Alltag im Unternehmen – mit der Frage: Wo fehlt Klarheit in Zuständigkeiten und Prioritäten – und warum?
Solche Fragen sind ein guter Einstieg, um Unternehmerinnen und Unternehmern zu helfen, stärker aus der täglichen Betriebsamkeit herauszutreten und in die Entwicklung ihres Unternehmens bewusst Gestaltungselemente hineinzubringen.
Der letzte Denkanstoß beziehungsweise abschließende Punkt Ihres Konzeptes
betrifft die Orientierung als Führungsaufgabe. Was bedeutet das?
Klarheit im Unternehmen beginnt immer bei der Führung. Unternehmerinnen und Unternehmer geben mit ihren Entscheidungen und Prioritäten die Richtung vor. Der Jahresbeginn ist für viele ein guter Moment, innezuhalten und über die eigene unternehmerische Ausrichtung nachzudenken. Die Praxis zeigt aber, dass Orientierung nicht ein einmaliger Prozess ist, sondern eine kontinuierliche Führungsaufgabe. Gerade bei KMU und Familienunternehmen gilt: Kleine Schritte mit klarer Richtung wirken oft nachhaltiger als Riesenmaßnahmen ohne klare Orientierung. Und wenn Vision und Struktur zusammenfinden, entsteht nicht nur mehr Klarheit im Unternehmen, sondern auch mehr Ruhe im unternehmerischen Alltag.
Weitere Informationen unter: www.andrea-maddaluno.at