Weniger Regulierung macht Wohnen in Tirol leistbarer
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Wer in Tirol eine Wohnung sucht, merkt schnell: Leistbares Wohnen ist eine der großen Herausforderungen im Land. Hohe Bau- und Finanzierungskosten treiben die Preise. Doch es gibt noch einen Faktor, das Baurecht. Vorschriften gewährleisten Sicherheit und Qualität. Wo sie über das Notwendige hinausgehen, verteuern sie das Bauen – und damit auch das Wohnen.
Genau hier will die Tiroler Landesregierung ansetzen und hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der Vorschriften vereinfachen, Verfahren erleichtern und Kosten senken soll. „Das ist ein notwendiger Schritt. Wer die hohen Wohnkosten dämpfen will, muss auch dafür sorgen, dass Bauen einfacher und unbürokratischer wird“, so WK-Tirol-Präsidentin Barbara Thaler. Patrick Weber, Landesinnungsmeister Bau, unterstreicht: „Eine Studie der Bundesinnung Bau zeigt, dass allein durch einfachere Bauvorschriften Einsparungen von bis zu 15 % möglich sind. Das zeigt, wie viel Potenzial hier steckt. Diese Chance sollten wir möglichst umfassend nutzen.“
Verfahren beschleunigen
Tatsächlich bringt der Entwurf sinnvolle Verbesserungen. Wer bestehende Gebäude umbaut oder saniert, soll etwa bei Raumhöhen, Treppen und Aufzügen mehr Spielraum bekommen. Das kann unnötige Kosten vermeiden und manche Projekte überhaupt erst möglich machen. Doch damit ist das Potenzial der Reform noch lange nicht ausgeschöpft. Die Wirtschaftskammer Tirol regt deshalb konkrete Nachbesserungen an. „Es ist gut, dass Sanierungen einfacher werden. Aber wenn wir beim leistbaren Wohnen wirklich etwas bewegen wollen, müssen auch Neubauten und größere Wohnbauprojekte profitieren. Der erwünschte große Hebel entsteht erst, wenn umfassend angesetzt wird“, betont Thaler.
Ein wesentlicher Punkt ist die Dauer der Verfahren. Die WK Tirol schlägt vor, dass Behörden innerhalb von zwei Wochen prüfen müssen, ob alle eingereichten Unterlagen vollständig sind. Fehlende Dokumente sollen danach nur noch einmal gesammelt nachgefordert werden dürfen. Auch für die eigentliche Entscheidung sollen verbindliche Fristen gelten – abgestuft nach Verfahrensart. Darüber hinaus braucht es eine einheitliche digitale Einreichung für alle Tiroler Gemeinden. Auch Mehrfachprüfungen sollen entfallen: Ein Fachbereich soll nur noch von einem Sachverständigen geprüft werden. „Jede unnötige Schleife im Verfahren kostet Zeit und Geld. Wer baut, braucht klare Regeln und muss sich darauf verlassen können, dass Entscheidungen in angemessener Zeit fallen“, erklärt Weber.
Deregulierung als Chance
Auch bei den Baukosten selbst sieht die WK Tirol weiteren Handlungsbedarf. Bei Sanierungen sind Einsparungen zu erwarten, weil teure bauliche Nachrüstungen entfallen können. Bei Neubauten bleiben wesentliche Kostentreiber jedoch weitgehend unangetastet, etwa überhöhte technische Anforderungen oder zu aufwendige Vorgaben zur Barrierefreiheit. Auch die Verpflichtung zur Errichtung von Stellplätzen ist zu starr. Wo Wohnungen gut an Bus und Bahn angebunden sind, sollten weniger Parkplätze vorgeschrieben werden. Bei all diesen Vorschlägen geht es nicht darum, Sicherheit oder Barrierefreiheit infrage zu stellen. Vielmehr müssen die Anforderungen praxistauglich und wirtschaftlich vertretbar sein. Deshalb sollten auch neue technische Vorgaben schon vor ihrer Einführung auf ihre Kostenfolgen geprüft werden.
Die Chance auf Verbesserungen besteht noch: Das Gesetz liegt als Entwurf vor, die Vorschläge der WK Tirol sind eingebracht. Nun gilt es, die Reform unter Einbeziehung von Praktiker:innen weiterzuentwickeln. „Das Land hat die Baurechtsderegulierung gestartet. Jetzt sollten wir die Chance nutzen, sie noch wirksamer zu machen – mit dem Wissen jener, die täglich planen und bauen. Wenn wir unnötige Hürden auch bei größeren Projekten beseitigen, können wir dem leistbaren Wohnen in Tirol einen echten Schub geben“, ist Barbara Thaler überzeugt.