Wenn Raketen aus dem Klassenzimmer abheben
Bei „Jugend forscht in der Technik 2026" zeigten rund 100 Tiroler Schüler:innen, dass Forschergeist keine Frage des Alters ist – sondern der Neugier.
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Es zischt, es surrt, es klemmt – und mittendrin: leuchtende Kinderaugen. Eine Wasserrakete schießt in die Höhe, ein Roboterarm greift vorsichtig nach einer Plastikflasche, eine Volksschulklasse erklärt, wie Ötzi gelebt hat. Die Wirtschaftskammer Tirol in Innsbruck verwandelte sich am 7. Mai 2026 für einen Tag in ein Forschungslabor der besonderen Art. Bei „Jugend forscht in der Technik 2026 – Auf den Spuren des kleinen Albert" trafen sich rund 100 Schüler:innen zwischen 9 und 15 Jahren, um ihre Projekte einer fachkundigen Jury zu präsentieren. Elf Teams, drei Kategorien, ein Sonderpreis – und jede Menge Ideen, die staunen lassen.
Ein Wettbewerb, der Technik begreifbar macht
Der tirolweite Forschungswettbewerb richtet sich an Volks-, Mittel- und Polytechnische Schulen. Das Ziel klingt schlicht, ist aber ambitioniert: technisches Interesse früh wecken, Kreativität und Problemlösungskompetenz stärken, junge Talente für MINT-Themen begeistern. Eingereicht wurden Projekte aus den Bereichen Technik, Informatik und Mathematik, Umwelttechnik und Energie sowie Chemie und Physik. Die Bandbreite reichte heuer von physikalischen Experimenten über robotische Anwendungen bis zur archäologischen Spurensuche – und genau diese Vielfalt machte den Tag in der Wirtschaftskammer zu einer kleinen Forschungsmesse mit großem Charme.
Hinter dem Wettbewerb stehen die Wirtschaftskammer Tirol, das Land Tirol, die Industriellenvereinigung Tirol und der Förderverein Technik Tirol – gemeinsam vergaben sie die Preise.
Die Sieger:innen 2026
Kategorie Kleingruppe: Raketen, die wirklich abheben
„IT'S ROCKET SCIENCE!" – allein der Titel sagt schon, worum es geht. Luisa, Katharina, Sissi und Agnese von der MS Kundl haben gleich drei Antriebssysteme erforscht: magnetisch, wassergetrieben und mit Luftdruck. Mit ansteckender Begeisterung erklärten sie, wie die Modelle funktionieren – und vor allem, wo jedes seine Stärken und Schwächen hat. Der erste Platz war ihnen verdient sicher.
Auf Platz zwei landete das Team Hamza, Franz, Florian und Fabian von der MS Landeck mit einem mobilen Lernsystem zur 3D-Digitalisierung realer Objekte – Technik, die direkt im Schulalltag einsetzbar ist.
Den dritten Platz holten sich Erik und Elias vom BRG Kufstein mit ihrem „Fable-Aufzug".
Kategorie Schulklasse: Wenn KI Müll sortiert
Ein Roboterarm, zusammengebaut aus 3D-gedruckten Teilen, fernsteuerbar über einen zweiten Kontrollarm: Die MS Hötting-West verband mit „SO101 – Der Müll-Sortierroboter: Wenn Umweltschutz auf KI trifft" zwei der drängendsten Themen unserer Zeit – Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz. Das Ergebnis: ein Sieg in der Kategorie Schulklasse und ein Hingucker, der zeigt, was im Klassenzimmer alles möglich ist.
Platz zwei ging an die PTS Brixlegg mit ihrem Projekt „E-Waste-Igation".
Kategorie Volksschule: Auf Ötzis Spuren
Manchmal beginnt Forschung mit einer Zeitreise. Die VS August Thielmann Telfs wagte den Sprung in die Steinzeit: Eine Exkursion ins Ötzidorf Umhausen, kreative und naturwissenschaftliche Workshops und schließlich ein Klemmbaustein-Modell der Fundstätte von Ötzi – die Kinder tauchten ein in eine Welt, die 5.000 Jahre zurückliegt, und holten sie zurück in ihr Klassenzimmer. Der erste Platz war der verdiente Lohn.
Platz zwei sicherte sich die Praxis-VS der PH Tirol mit „Die Bot-Butler kommen".
Platz drei eine weitere Klasse der VS Thielmann Telfs mit „Tiere in den Bergen Tirols".
Sonderpreis Nachhaltigkeit: Was in einer Batterie steckt
Den Sonderpreis für Nachhaltigkeit holte sich die PTS Brixlegg. Mit einem detaillierten Modell zeigten die Schüler:innen, wie Batterien innen aufgebaut sind, wie sie funktionieren – und warum es zu Bränden kommen kann, wenn die Schutzbarriere zwischen Plus- und Minuspol beschädigt ist. Die Botschaft kam unmissverständlich an: Batterien gehören richtig entsorgt.
„Praxis stärkt Persönlichkeit"
Michael Ladner, Projektbetreuer an der MS Landeck, ist heuer zum elften Mal in Folge mit einer Gruppe beim Wettbewerb dabei – und er sieht den Mehrwert weit über das einzelne Projekt hinaus. „Solche Projekte heben die Qualität des Unterrichts spürbar an. Die Schüler:innen lernen anhand der Praxis, sie arbeiten in ihrer Freizeit weiter, weil sie es wollen – nicht, weil sie müssen", sagt Ladner. Besonders die Abschlusspräsentation sei prägend: „Die Kinder stehen alleine vor der Jury, beantworten spontane Fragen, messen sich mit anderen. Das stärkt das Selbstbewusstsein wie kaum etwas anderes."
Dass dabei manchmal sogar ganze Berufswege ihren Anfang nehmen, macht ihn besonders stolz: Sein Schüler Franz möchte aufgrund des Projekts eine Karriere als Mechatroniker einschlagen.
Eine Jury, die selbst noch dazulernt
Die Fachjury – heuer in komplett neuer Besetzung – zeigte sich beeindruckt vom Innovationsgeist der Schüler:innen. Bewertet haben Dennis Grünewald (Förderverein Technik Tirol), Georg Niedrist und Martin Nothdurfter (Fachgruppe Ingenieurbüros Tirol in der Wirtschaftskammer Tirol), Katharina Petersen (Industriellenvereinigung Tirol) und Elisabeth Lukasser-Vogl (Verein klasse!forschung). Alle vier waren erstmals dabei – und einig in ihrem Urteil: „Solche praxisorientierten Projekte hätten wir uns auch in unserer eigenen Schulzeit gewünscht. Man sieht hier, wie viel die Schüler:innen wirklich lernen, weil sie sich selbst tief einarbeiten, gefordert sind und mit Begeisterung dabei bleiben. Das ist im konventionellen Unterricht so nicht herzustellen."