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Personengruppe auf eine Veranstaltungspodium
© Florian Wieser
Sparte Information und Consulting

KI verändert die Arbeitswelt

Urteilsvermögen, Verantwortung und persönliche Beziehungen gewinnen dadurch an Bedeutung. Nachbericht „Digitale Arbeitswelten“ vom 14. Oktober 2026

Lesedauer: 4 Minuten

22.10.2026
KI verändert Aufgaben und Führung: Menschen steuern KI-Agenten, beurteilen Ergebnisse und tragen Verantwortung. Für Unternehmen werden deshalb klare Ziele, Urteilsvermögen, Vertrauen und tragfähige persönliche Beziehungen wichtiger.

Wenn Wissen jederzeit verfügbar ist und KI-Agenten ganze Aufgaben übernehmen: Worauf kommt es dann noch an? Bei den „Digitale Arbeitswelten“ am 14. Oktober 2026 standen neue Führungsaufgaben und der Wert persönlicher Beziehungen im Mittelpunkt.
Wissen werde zunehmend zur Massenware, betonte Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting, bei seiner Begrüßung. Entscheidend sei deshalb, die richtigen Fragen zu stellen und die Antworten darauf kritisch zu überprüfen. Damit war eine zentrale Frage des Abends angesprochen: Welche Fähigkeiten brauchen Menschen und Unternehmen, wenn Künstliche Intelligenz immer mehr leisten kann?

Wir werden alle zum „Agent Boss“

Die Antwort von Harald Leitenmüller: Künftig werden wir alle zum „Agent Boss“. Gemeint ist damit nicht eine neue Position im Organigramm, sondern die Fähigkeit, KI-Agenten Aufgaben zu übertragen, ihre Arbeit zu koordinieren und ihre Ergebnisse zu beurteilen. Aus dem Ausführen einzelner Tätigkeiten wird zunehmend das Gestalten und Steuern ganzer Abläufe.
Wie das praktisch aussehen kann, zeigte Leitenmüller anhand eines eigenen Projekts: eines digitalen Verlags, in dem er 17 KI-Agenten managt. Eine Größenordnung von 20 bis 25 Agenten pro Mensch nannte er als mögliche Führungsspanne. Damit stellen sich neue Fragen: Welche Entscheidungen darf ein Agent selbst treffen? Wann muss ein Mensch eingreifen? Und wie lassen sich unterschiedliche Ziele innerhalb eines digitalen Teams aufeinander abstimmen?
KI erweitert nach Leitenmüllers Darstellung die Arbeitswelt um eine zusätzliche Dimension: Neben Ort und Zeit geht es künftig darum, welche Aufgaben Menschen, welche KI-Agenten und welche beide gemeinsam übernehmen. Wettbewerb und gefragte Fähigkeiten verschieben sich, neue Aufgaben entstehen, andere verschwinden. Umso wichtiger werden klare Ziele, definierte Grenzen und menschliche Aufsicht.

Mehr Technologie braucht menschliche Stärken

Was bleibt dem Menschen, wenn Maschinen mitdenken? Leitenmüller stellte Nahbarkeit und Authentizität, Bodenhaftung und Richtungssinn in den Vordergrund. Menschen geben Orientierung, übernehmen Verantwortung und gestalten Zusammenarbeit. Sein Plädoyer: „Let’s create a people first world!“ Technologischer Fortschritt soll eine Arbeitswelt ermöglichen, in der der Mensch im Mittelpunkt steht.

Netzwerken kann man lernen

Eine ergänzende Perspektive brachte Wolfgang Layr ein: Je leichter Informationen verfügbar werden, desto wichtiger werden Vertrauen und persönliche Beziehungen. Gute Netzwerke entstehen nicht durch das Sammeln möglichst vieler Kontakte, sondern durch tragfähige Verbindungen und die Bereitschaft, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen.
Die gute Nachricht für alle, denen das nicht selbstverständlich leichtfällt: Netzwerken kann man lernen. Layr warb dafür, Beziehungen bewusst aufzubauen und kontinuierlich zu pflegen. Small Talk beschrieb er als absichtsloses Gespräch: zunächst Interesse zeigen und einander kennenlernen, statt sofort etwas verkaufen zu wollen. Geschäftliche Anliegen können auch beim zweiten oder dritten Treffen ihren Platz finden.
Dass gute Beziehungen weit über den beruflichen Nutzen hinausreichen, verdeutlichte Layrs Verweis auf die Harvard-Langzeitstudie zur Entwicklung im Erwachsenenalter. Sie zeigt einen Zusammenhang zwischen der Qualität sozialer Beziehungen und einem gesünderen, längeren Leben.
Die gemeinsame Botschaft des Abends: Zukunftsfähigkeit braucht beides, einen kompetenten Umgang mit KI und bewusste Investitionen in menschliche Beziehungen. Denn auch wenn sich Aufgaben und Werkzeuge verändern, bleiben Urteilsvermögen, Verantwortung und Vertrauen entscheidend.

Podcast

In dieser Folge nimmt uns Host Karin Bauer mit zu einem Live-Event der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wien. „Arbeit neu denken – Netzwerke, Künstliche Intelligenz und Führung“ ist das Thema. Harald Leitenmüller, National Technology Officer bei Microsoft, und Wolfgang Layr, Banker und Netzwerkexperte, teilen hier ihre Expertise im vollen Palais Berg in der Wiener City und liefern steile Vorgaben nicht nur für Führungskräfte. Führen heißt jedenfalls nicht mehr, auf alles Antworten zu haben, sagt Spartenobmann Martin Heimhilcher. Die gute Nachricht und der Spoiler: Für uns Menschen bleibt das Entscheidende übrig, sagen die Experten. Aber weniger anstrengend wird es demnach auch im Business sicher nicht. Wir wollen wissen: Welche Konflikte erwarten mich in der Führung von heterogenen Menschen-Agenten-Teams? Wer kriegt die Anerkennung für Erfolg. Und, Wolfgang Layr: Wie konkret geht Netzwerken und wieso ist managen out und Führung in?

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