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Porträt einer sanft lächelnden Person mit langen, rötlichen Haaren in einem hellen Oberteil und Namensschild auf dem Nina Petersen steht. Rechts neben der Person ist ein mit Lebensmitteln befülltes Regal.
© Jacob Lund | stock.adobe.com
Sparte Handel

Höhere Berufsbildung (HBB) im stationären Einzelhandel

Neue Perspektiven für Lehrlinge: HBB-Qualifikationen als Sprungbrett für Karrieren im Handel

Lesedauer: 5 Minuten

13.08.2026
Mit der Höheren Beruflichen Bildung (HBB) stehen im Handel ab Jänner 2027 neue Karrierewege bereit, die eine Lehre, aber auch die weitere berufliche Laufbahn im Handel besonders attraktiv machen. Davon profitieren die Betriebe ebenso wie die Beschäftigten.

Berufliche Qualifikationen nach der Lehre im Handel

Mit dem neuen Gesetz über die Höhere Berufliche Bildung (HBB) wurde eine langjährige Forderung der Wirtschaftskammer Realität, der nicht nur rund zehn Jahre intensiver interessenspolitischer Arbeit vorausgegangen sind, sondern die auch einen wichtigen Meilenstein für die berufliche Bildung darstellt: Das HBB-Gesetz schafft erstmals einen bundesweit einheitlichen Rahmen für hochwertige berufliche Qualifikationen nach der Lehrabschlussprüfung und stärkt damit die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung.

Konkret gibt es durch die HBB erstmals praxisnah und berufsbegleitend einen durchgängigen Karriereweg für Fachkräfte: vom Lehrabschluss über spezialisierte Fach- und Führungsqualifikationen bis hin zu Abschlüssen auf den NQR-Stufen 6 und 7. Diese Stufen entsprechen dem Bachelor- und dem Master-Niveau in der akademischen Bildung.

Davon profitieren die Unternehmen ebenso wie die Handelsangestellten: Betriebe erhalten zusätzliche Möglichkeiten, zu qualifizierten Fach- und Führungskräften zu kommen, können qualifizierte Mitarbeitende im eigenen Betrieb weiterentwickeln und durch das Ermöglichen einer Praxis-Karriere auch besser ans Unternehmen binden. Für Lehrabsolvent:innen wiederum eröffnen sich neue Karriereperspektiven. Die duale Ausbildung wird somit stark aufgewertet.

Handel leistet Pionierarbeit

Der Handel nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. Er leistete Pionierarbeit bei der Umsetzung der HBB und hat zudem als erste Branche drei aufeinander aufbauende HBB-Qualifikationen entwickelt und damit ein durchgängiges Karrieremodell für den stationären Einzelhandel geschaffen. Gerade für eine beschäftigungsintensive Branche ist dies ein wichtiger Schritt, da qualifizierte Fach- und Führungskräfte laufend benötigt werden.

Insgesamt zählt der Einzelhandel rund 300.000 Mitarbeitende. Im Schnitt leitet eine Führungskraft im Handel ein Team von zehn Personen, das heißt, die neuen Qualifikationen richten sich an rund 30.000 potenzielle Führungskräfte.

Die neuen HBB-Qualifikationen im Detail

Konkret stehen ab Anfang 2027 (zukünftigen) Führungskräften in Bereichen wie Teamleitung, Filialmanagement oder anderen leitenden Funktionen im Handel neue Weiterqualifizierungen zur Verfügung, die auf einer abgeschlossenen Lehre aufbauen, europaweit vergleichbar sind und im Nationalen Qualifikationsrahmen (NQR) den Stufen 5 bis 7 entsprechen. 

Diese Qualifikationen sind:

  • Sales Expert in Retail. Diese HBB-Qualifikation entspricht formal der Höheren Berufsqualifikation (HBQ) auf NQR-Level 5. Zielgruppe ist die erste Führungsebene, z. B. Abteilungs- oder Teamleitung.
    Prüfungsverordnung: HBQ Sales Expert in Retail
  • Sales Professional in Retail: Diese HBB-Qualifikation entspricht formal dem Fachdiplom (FD) auf NQR-Level 6. Hier geht es um die Führung von Führungskräften beispielsweise einer ganzen Filiale, d. h. es gibt einen stärkeren Fokus auf Managementkompetenzen.
    Prüfungsverordnung: FD Sales Professional in Retail
  • Sales Manager in Retail: Diese HBB-Qualifikation entspricht formal dem Höheren Fachdiplom (HFD) auf NQR-Level 7, das für die Leitung großer Standorte mit umfassender Managementverantwortung gedacht ist.
      Prüfungsverordnung: HFD Sales Manager in Retail 

NQR-NiveauHöhere Berufsquali­fika­­tion NQR 5Fachdiplom NQR 6Höheres Fachdiplom NQR 7
Bezeichnung Sales Expert in Retail Sales Professional in Retail Sales Manager in Retail
Kurzprofil Abteilungsleitung mit Budget- und Personalverantwortung, Sicherstellung aller operativen Abläufe, Führung der Mitarbeitenden einer Abteilung Filialleitung mit Gesamtverantwortung für Personal, Budget, Kennzahlen, lokale Marketingverantwortung, Führung von Mitarbeitenden und Führungskräften Leitung einer Verkaufsregion inklusive strategischer Weiterentwicklung, Führungskräfte-entwicklung, Analyse des Wettbewerbsumfelds, Stakeholdermanagement

Voraussetzungen zur Zulassung zur Prüfung im Überblick


Höhere Berufs­quali­­fikation NQR 5

Sales Expert in Retail

Variante 1:
Qualifikationsbezogener Abschluss, der mindestens dem NQR-Niveau 4 zugeordnet ist und Absolvierung einer dem Abschluss handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens zweijährigen Praxistätigkeit
Variante 2:
Nicht-qualifikationsbezogener Abschluss, der mindestens dem NQR-Niveau 4 zugeordnet ist und Absolvierung einer handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens dreijährigen Praxistätigkeit
Variante 3:
Absolvierung einer handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens fünfjährigen Praxistätigkeit

Fachdiplom
NQR 6

Sales Professional in Retail

Variante 1:
Abschluss der Höheren Berufsqualifikation (HBQ) "Sales Expert in Retail" und Absolvierung einer dem Abschluss einer handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens zweijährigen Praxistätigkeit in Leitungsfunktion
Variante 2:
Qualifikationsbezogener Abschluss, der mindestens dem NQR-Niveau 4 zugeordnet ist und Absolvierung einer handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens dreijährigen Praxistätigkeit in Leitungsfunktion
Variante 3:
Nicht-qualifikationsbezogener Abschluss, der mindestens dem NQR-Niveau 4 zugeordnet ist und Absolvierung einer dem Abschluss handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens vierjährigen Praxistätigkeit in Leitungsfunktion
Höheres Fachdiplom

NQR 7

Sales Manager in Retail
Variante 1:
Abschluss des Fachdiploms (FD) "Sales Professional in Retail" und Absolvierung einer handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens vierjährigen Praxistätigkeit in Filialleitungsfunktion oder einer äquivalenten Funktion
Variante 2:
Qualifikationsbezogener Abschluss, der mindestens dem NQR-Niveau 4 zugeordnet ist und Absolvierung einer handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens fünfjährigen Praxistätigkeit in Filialleitungsfunktion
Variante 3:
Nicht-qualifikationsbezogener Abschluss, der mindestens dem NQR-Niveau 4 zugeordnet ist und Absolvierung einer handelsspezifisch ausgerichteten, mindestens sechsjährigen Praxistätigkeit in Filialleitungsfunktion oder einer äquivalenten Funktion

Durch die HBB-Qualifikationen werden formale, sichtbare Aufstiegsmöglichkeiten im Handel geschaffen. Das ist für die Branche auch deshalb wichtig, weil es hier anders als im Gewerbe keine Meisterprüfung gibt. Die HBB trägt daher entscheidend dazu bei, die Attraktivität der Lehre im Handel zu stärken. Mit den neuen HBB-Abschlüssen erhalten Lehrlinge nun eine klare Entwicklungsperspektive und zusätzliche Karrierechancen – ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte.

grafische Darstellung des Bildungsweges bei einer Höheren beruflichen Bildung nach dem HBB-Gesetz
© BSH

Vorbereitungskurse und Prüfungen

Die ersten HBB-Prüfungen können ab Jänner 2027 an den Meisterprüfungsstellen der Wirtschaftskammern abgelegt werden. Zur optimalen Vorbereitung wird das WIFI ab Februar 2027 entsprechende Vorbereitungskurse anbieten.

Hier geht es zu den WIFI-Kursen:

www.wifi.at/hbb

→ Sales Expert in Retail

Sales Professional in Retail

Die Vorteile der HBB auf einen Blick

Für Arbeitgeber:innen:

Fachkräfte finden: Neue Perspektiven nach der Lehre machen die duale Ausbildung attraktiver.

Fachkräfte entwickeln: Betriebe können Mitarbeiter:innen im Betrieb weiterentwickeln, anstatt Fachkräfte extern suchen zu müssen. 

Mitarbeiter:innen binden: Wer Weiterbildung und Entwicklungsperspektiven erhält, bleibt dem Unternehmen meist länger erhalten.

Praxis-Karrieren ermöglichen: Nicht jede/r gute Mitarbeitende möchte studieren. Die HBB ermöglicht Fach- und Führungskarrieren auf Basis von Berufspraxis.

Vorteil im Recruiting: Mit dem berufsbildenden Abschluss ist klar ersichtlich, dass der/die Bewerber:in praktische Erfahrung mitbringt.

Für Beschäftigte:

Neue Karriereschritte nach der Lehre: Die HBB eröffnet neue Karrierewege und wertet damit die Lehrausbildung deutlich auf.

Mehr Anerkennung für Berufserfahrung: Praxiswissen und berufliche Kompetenzen erhalten eine formale, staatlich anerkannte Bestätigung.

Aufstieg ohne Studium: Fachkräfte können sich weiterentwickeln, ohne eine Universität oder Fachhochschule besuchen zu müssen.

Europaweit vergleichbare Abschlüsse: Die HBB-Qualifikationen sind europaweit anerkannt. Das kann bei internationalen Ausschreibungen und Projekten von Vorteil sein.

Bessere Chancen am Arbeitsmarkt: Formal sichtbare Abschlüsse steigern darüber hinaus den Wert am Arbeitsmarkt.