Alles Walzer: Bälle als Turbo für viele Branchen der NÖ Wirtschaft
Niederösterreich schwingt wieder das Tanzbein. „Ballveranstaltungen beleben die ganze Region – von Restaurants über Hotels bis zu Verkehr und Eventtechnik“, weiß Gert Zaunbauer, Obmann der Freizeit- und Sportbetriebe in der Wirtschaftskammer NÖ.
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Ballveranstaltungen sind weit mehr als gesellschaftliche Höhepunkte – sie wirken als starker Motor für die regionale Wirtschaft. „In der Gastronomie sorgen Bälle für deutlich höhere Umsätze. Gäste nutzen vor, während und nach der Veranstaltung Restaurants, Bars oder Caterer und greifen oft auf hochwertige Angebote zurück“, erklärt Gert Zaunbauer, Obmann der Freizeit- und Sportbetriebe in der Wirtschaftskammer NÖ. Auch Hotels profitieren: Auswärtige Gäste buchen Übernachtungen, häufig mehrere Nächte, und nehmen zusätzliche Hotelleistungen wie Frühstück oder Wellness in Anspruch. Taxiunternehmen, Mietwagenanbieter und öffentliche Verkehrsmittel verzeichnen rund um Balltermine eine gesteigerte Nachfrage – besonders in den Abend- und Nachtstunden.
Die wirtschaftlichen Effekte sind messbar
Viele Betriebe erzielen an Ballwochenenden Umsätze, die deutlich über dem Durchschnitt liegen und für einige Häuser zu den wichtigsten Terminen des Jahres zählen. Gleichzeitig entstehen temporäre Arbeitsplätze im Service, in der Sicherheit, bei Technikfirmen, Handel, Floristen oder Juwelieren. Auch Sport-, Freizeit- und Veranstaltungsstätten erreichen während der Ballsaison eine außergewöhnlich hohe Auslastung, die sonst außerhalb der Hauptsaison oft nicht erreicht werden würde.
Belebung in der Nebensaison
Bälle tragen zudem zur Belebung der Nebensaison bei. „Sie schaffen gezielt Nachfrage in wirtschaftlich schwächeren Monaten und verlängern so die touristische Saison“, betont Zaunbauer. Wiederkehrende Traditionsbälle fördern weiters Stammgäste, die eine enge Bindung an bestimmte Orte und Betriebe entwickeln und regelmäßig konsumieren. Feste Termine ermöglichen den Betrieben frühzeitige Planung von Personal, Einkauf und Marketing und reduzieren wirtschaftliche Risiken.
Innerhalb der Sport- und Freizeitbetriebe profitieren besonders Tanzschulen, Eventtechnikfirmen sowie Mode- und Stylingdienstleister. Viele Gäste nutzen Kurse zur Ballvorbereitung, professionelle Licht- und Tontechnik wird benötigt, und der Bedarf an Abendkleidung und Styling steigt deutlich.
Tanzschulen spüren Aufschwung
Besonders deutlich zeigen sich die Effekte bei den rund 50 NÖ Tanzschulen. „Bälle liegen im Trend und helfen uns, unsere Kurse zu füllen. Die Menschen wollen auf den Bällen mit ihren Tanzkünsten brillieren“, erklärt Heinrich Schmid, Sprecher der NÖ Tanzschulen in der Wirtschaftskammer NÖ. Nach herausfordernden Jahren mit starken Umsatzeinbußen sei die Ballsaison aktuell ein entscheidender Faktor: „Was die Tanzschulen betrifft, retten uns die Bälle derzeit die gesamte Frühjahrssaison – viele frischen kurzfristig ihre Kenntnisse auf.“ Zusätzliche Sichtbarkeit entstehe direkt bei den Veranstaltungen, etwa durch Gutscheine oder Tombolaaktionen. Insgesamt liege man wieder großteils auf dem Niveau von vor der Pandemie. „Die ausgebildeten Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer in den NÖ Tanzschulen bieten ein großartiges Angebot – auch außerhalb der Ballsaison.“
Klarheit und Transparenz gefragt
Grundsätzlich seien die Rahmenbedingungen für Ballveranstaltungen gut, dennoch gebe es Verbesserungspotenzial. „Vereinfachungen bei Genehmigungen im Sinne eines One-Stop-Shop-Prinzips würden die Planungssicherheit für Veranstalter deutlich erhöhen“, sagt Zaunbauer. Derzeit seien Verfahren oft zeitaufwendig und uneinheitlich, was vor allem kleinere Veranstalter belaste.
Zusätzliche Impulse erwartet sich die Branche von stärkeren Marketingkooperationen zwischen Gemeinden, Tourismusverbänden und Veranstaltern. Koordinierte regionale Kampagnen könnten die Ballsaison stärker als touristisches Produkt positionieren und ihre Wirkung über den einzelnen Veranstaltungsort hinaus entfalten. Auch Unterstützung bei digitalen Ticket- und Sicherheitskonzepten wäre hilfreich.
Darüber hinaus könnten gezielte Fördermodelle für die Mehrfachnutzung von Sport- und Freizeitanlagen – etwa als Ballsäle in der Nebensaison – die regionale Wertschöpfung weiter stärken. „Damit können Bälle ihre volle wirtschaftliche Wirkung entfalten und langfristig zur Stabilität der Betriebe beitragen“, erklärt Zaunbauer.