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EU-Indien-Handelsabkommen eröffnet neue Exportchancen

Nach dem Abkommen mit dem Mercosur-Staatenblock hat die EU nun auch mit Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Welt, ein Handelsabkommen fixiert. Dadurch ergeben sich auch für Salzburgs Exportbetriebe neue Chancen.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 29.01.2026

Nach jahrelangen Verhandlungen, die mehrfach unterbrochen wurden, wurde das Freihandelsabkommen mit Indien diese Woche besiegelt. Es ist für beide Seiten das bisher umfangreichste Abkommen, das bis 2032 vorsieht, dass rund 96,6 % der Zölle auf EU-Warenexporte nach Indien abgeschafft oder gesenkt werden. Die jährlichen Zolleinsparungen für europäische Unternehmen werden auf rund 4 Mrd. € geschätzt. Der bilaterale Handel mit Waren und Dienstleistungen beläuft sich derzeit auf über 180 Mrd. € jährlich.

Vor allem vor dem Hintergrund von Handelskonflikten mit wichtigen Handelspartnern wie den USA ist das eine gute Nachricht, weil in Indien ein großes Potenzial für Österreichs Exportwirtschaft schlummert. Salzburg hat derzeit noch ein Handelsbilanzdefizit mit Indien. Im ersten Halbjahr 2025 wurde Waren und Dienstleistungen im Wert von 24 Mill. € in das bevölkerungsreichste Land der Erde exportiert. Im Gegenzug wurden Importe in fast der doppelten Höhe eingeführt (49 Mill. €). Von Salzburgs Betrieben werden in erster Linie Maschinen, Medizintechnik, Textilien, Fahrzeuge, technische Geräte exportiert. Die Exporte nach Indien haben im ersten Halbjahr 2025 um 28,5% gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 zugelegt. Indien liegt allerdings noch an 31. Stelle der wichtigsten Handlungspartner Salzburgs. Es besteht also noch sehr viel Luft nach oben. 

Äußerst dynamischer Markt

Mit einem realen BIP-Wachstum von 6,5% im abgeschlossenen Wirtschaftsjahr ist Indien der am stärksten wachsende G20-Staat. Getragen wird diese Dynamik von einem wiedererstarkten Privatkonsum und enormen öffentlichen Investitionsprogrammen. Indien ist längst im Fokus heimischer Exportbetriebe: So haben sich die österreichischen Exporte nach Indien in den vergangenen zehn Jahren um 120% auf 1,3 Mrd. € erhöht. Dieser Trend scheint sich fortzusetzen: Bereits in den ersten zehn Monaten 2025 legten die Ausfuhren auf den Subkontinent um 13% bzw. mehr als 140 Mill. € zu. Und: Es gibt noch Luft nach oben: Das zusätzlich realisierbare Exportpotenzial beläuft sich laut Analyse des International Trade Center (ITC) auf 1,1 Mrd. €.

Handelshürden abbauen – Chancen für KMU heben 

Indien erhebt etwa bisher auf Automobile teilweise Zölle von mehr als 100%. Der angestrebte Abbau von Zöllen und weiteren Handelshemmnissen würde daher heimischen Unternehmen spürbar helfen – nicht zuletzt auch KMU. Denn auch die gegenseitige Anerkennung technischer Standards und Zertifizierungen bringt naturgemäß Erleichterungen für den Export.

Richtige Antwort auf globale Herausforderungen

Die Einigung mit Indien ist ein wichtiges Signal – gerade, weil internationaler Handel zentral für Österreichs Wohlstand und Arbeitsplätze ist. Immerhin verdient die österreichische Wirtschaft 6 von 10 Euro im Ausland. Nach den Verzögerungen beim Mercosur-Abkommen durch das Europäische Parlament braucht es neue handelspolitische Fortschritte, um Europas Anschluss an dynamische Wachstumsmärkte zu stärken – zum Vorteil von Beschäftigung und Wohlstand in Österreich.