Leichter Aufwärtstrend muss verstärkt werden
Österreichs Wirtschaft dürfte laut den Prognosen der Ökonomen die Rezession 2025 hinter sich gelassen haben und 2026 wieder leicht wachsen. „Strukturprobleme bremsen das wirtschaftliche Wachstum in Österreich nach wie vor. Deshalb muss die Politik 2026 diese Bremsklötze lösen und Reformen umsetzen“, mahnt WKS-Präsident Peter Buchmüller.
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2025 sei ein schwieriges Jahr gewesen, das den Unternehmen und der Bevölkerung viel abverlangt habe, resümiert WKS-Präsident Peter Buchmüller. „Die Wirtschaft kam lange Zeit nicht vom Fleck. Die Teuerung lag das ganze Jahr deutlich über dem EU-Durchschnitt. Der Staatshaushalt ist aus dem Ruder gelaufen und Donald Trumps Zollpolitik hat es für unsere exportorientierte Volkswirtschaft, die ohnehin schon unter Wettbewerbsnachteilen leidet, nicht gerade leichter gemacht“, analysiert Buchmüller.
Gute erste Schritte der Politik, doch Wirtschaft braucht viel mehr
Die Zurückhaltung bei den Lohnverhandlungen im Herbst werde sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft auswirken, ist der WKS-Präsident überzeugt. Dazu habe die Bundesregierung - obwohl der budgetäre Spielraum durch das Haushaltsdefizit stark eingeschränkt ist – einige für die Wirtschaft positive erste Schritte gesetzt. Buchmüller nennt etwa das Mittelstandspaket oder die jüngst beschlossenen Energiegesetze. Das Entbürokratisierungsgesetz mit seinen 113 Maßnahmen, das bei mehreren zehntausend Gesetzen und Vorschriften in Österreich noch viel Luft nach oben hat, sollte zumindest möglichst rasch im kommenden Jahr umgesetzt werden. Bei der Nachjustierungen in der Arbeitsmarktpolitik sei ebenfalls einiges gelungen: Von der Neuregelung der Bildungskarenz bis zur Einschränkung der geringfügigen Beschäftigung.
Buchmüller äußert jedoch Kritik an den steuerlichen Anreizen für Mehrarbeit im kommenden Jahr: „Der Freibetrag von 170 € pro Monat für maximal 15 Überstunden ist nicht weitreichend genug, vor allem wenn sich die Wirtschaft wieder erholt“, merkt der WKS-Präsident an. Auch das neue Modell für den Zuverdienst in der Pension sieht er kritisch. „Die neue Regelung mit einem steuerlichen Freibetrag von bis zu 15.000 € jährlich wird nicht wie ursprünglich beim Flat-Tax-Modell geplant mit Jänner 2026 in Kraft treten, sondern erst ein Jahr später, was aus Sicht der Wirtschaft unverständlich ist.“
Während die meisten ersten Schritte, die teilweise unter maßgeblicher Mitwirkung der Wirtschaftskammer zustande gekommen seien, begrüßenswert sind, reichen sie dennoch nicht aus, um die Wirtschaft auf einen nachhaltigen Wachstumskurs zu bringen, räumt der WKS-Präsident ein. Aufgrund der Alterung der Gesellschaft werden in Zukunft die Wirtschaftswachstumsraten ohnehin begrenzt sein. Daher müsse die Regierung große Reformen angehen, die von Seiten der Wirtschaft seit langem gefordert werden: in den Bereichen Pensionen, Gesundheit und Bildung. Österreich müsse zukunftsfit gemacht werden, um die Zuversicht im Land zu steigern, was wiederum den Konsum und die Investitionstätigkeit ankurbeln würde, bekräftigt der WKS-Präsident.
Freihandelsabkommen als Antwort auf US-Zollpolitik
Österreich müsse laut Buchmüller auch seinen hinhaltenden Widerstand gegen das geplante Mercosur-Abkommen mit den südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay aufgeben, das ursprünglich bereits vor Weihnachten unterzeichnet werden sollte, dann aber wieder verschoben wurde. „Das Abkommen, das seit mehr als 25 Jahren verhandelt wurde und in dem auch die Bedenken der Landwirtschaft ausreichend berücksichtigt wurden, wäre gerade vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation und der protektionistischen Zollpolitik der USA für unsere exportorientierte Volkswirtschaft dringend notwendig“, stellt Buchmüller klar. Mit Mercosur würde die größte Handelszone der Welt mit mehr als 720 Millionen Menschen entstehen und Europa würde seine Position in der Weltwirtschaft deutlich verbessern. Man solle nicht vergessen, dass sich die vielen Einwände der Kritiker gegen das CETA-Abkommen mit Kanada nicht bewahrheitet hätten, vielmehr sei das Gegenteil eingetreten, gibt Buchmüller zu bedenken.
Wirtschaftskammer Salzburg geht mit gutem Beispiel voran
2025 ist die Wirtschaftskammer in Turbulenzen geraten, die der Organisation großen Schaden zugefügt haben. 2026 müsse deshalb mit aller Kraft daran gearbeitet werden, das verlorengegangene Vertrauen wiederzugewinnen. In der WKS habe man die Botschaft verstanden. „Deshalb habe ich einen Reform- und Effizienzprozess angestoßen, der eine nachhaltige Entlastung der Mitglieder in den kommenden vier Jahren vorsieht“, verspricht Buchmüller. Dafür werde man sämtliche Leistungen und Prozesse auf den Prüfstand stellen.
Als erste Maßnahme wurde die Bezirksstellenstruktur angepasst. Die Bezirksstellen des Zentralraums werden ab Jänner 2026 im WKS-Hauptgebäude in der Landeshauptstadt gebündelt. Dadurch kann das Service optimiert und die Mitglieder durch Einsparungen entlastet werden. „Weitere Maßnahmen sind bereits in der Pipeline. Unter anderem verzichten wir 2026 erstmals auf die Abhaltung unserer Neujahrstreffs. Auch diese Einsparung soll der Entlastung der Betriebe zugutekommen“, versichert der WKS-Präsident.
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Foto 1: WKS-Präsident Peter Buchmüller.