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UBIT/Kolarik
© UBIT/Kolarik

Resilienz in unsicheren Zeiten

Top-Ökonom Gabriel Felbermayr sprach gestern auf Einladung der Fachgruppe UBIT über die Unordnung in der Weltwirtschaft und wie sich Europa behaupten kann.  

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 23.01.2026

Der WIFO-Direktor skizzierte vor mehr als 200 Gästen im Kavalierhaus die Entwicklung, wie es nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion zunächst zur Globalisierung und einer Ökonomie des Positivsummenspiels kam, bei der die meisten Player profitierten. Diese Phase sei eher ein Ausnahmefall gewesen und werde laut Felbermayr seit der Finanzkriese 2009 sukzessive von einer Phase der Turnier-Logik abgelöst, bei der nur einer gewinnt. „Die Starken tun, was sie können, und die Schwachen erleiden das, was sie müssen“, verdeutlichte Felbermayr. In dieser Phase, deren Denkschulen bis in das 19. Jahrhundert zurückzuverfolgen seien, würden wir uns derzeit wieder befinden. Felbermayr verwies etwa auf die Monroe-Doktrin, in der der ehemalige US-Präsident James Monroe den Hegemonialanspruch auf den amerikanischen Kontintent stellte. Donald Trump hat sie nicht zuletzt durch seine Intervention in Venezuela als Donroe-Doktrin wieder aufleben lassen.

 

Wirtschaftliche Macht ist entscheidend   

Wirtschaftliche Stärke sei die Grundlage für militärische Stärke, die wiederum politische Durchsetzungskraft mit sich bringe, schilderte Felbermayr anhand des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas. der zu einer Verschiebung der internationalen Machtzentren führte. Während Chinas Industrieproduktion seit dem Beitritt zur WTO im Jahr 2001 extrem stark gewachsen ist, hat sie in den USA und Europa nur leicht zugenommen. Entsprechend sei 1995 die EU noch für 104 Staaten der wichtigste Handelspartner gewesen und nur für 14 Staaten war es China. Das habe sich mittlerweile gedreht. Die EU ist nur mehr für 61 Staaten der wichtigste Handelspartner, während es für 77 Staaten China ist. Ein Umstand, der in der EU-Politik noch nicht ganz angekommen sein dürfte. Denn dort glaubt man offenbar noch an den Brüssel-Effekt, sprich, wenn die EU etwas vorgibt, müssen das viele andere Länder der Welt übernehmen, wenn sie mit der EU Handel treiben wollen. Laut Felbermayr gelte im Falle eines Handelskriegs die Devise „Big Is Beautiful“, kleine Staaten seien dabei im Nachteil. Das sei aber auch ein Auftrag, den EU-Binnenmarkt weiter voranzutreiben. „Die Wirtschaftsdaten zeigen aber auch, dass Unsicherheit vor allem für jene Staaten langfristig ein Nachteil ist, die selbst Unsicherheit stiften“, erklärte Felbermayr. Die EU habe bei den Zoll-Verhandlungen im schottischen Turnberry noch eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. „Da war man so dumm, wie es nur geht, das ist aktuell bei Grönland viel besser gelaufen“, analysierte Felbermayr.   

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© UBIT/Kolarik Beim Neujahrsauftakt der Fachgruppe UBIT (v. l.): Fachgruppenobmann Hansjörg Weitgasser, WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr, Moderatorin Katrin Prähauser und Martin Niklas.

Wie soll man mit der Unsicherheit umgehen  

Felbermayr konstatierte, dass sich trotz der Unsicherheit Chancen eröffnen, die man nützen sollte. Die EU müsse unter anderem Koalitionen über Handelsabkommen schmieden, weshalb das Mercosur-Abkommen einen hohen Stellenwert in der Handelspolitik habe. Sie könne sich aber auch als sicherer Hafen für Investitionen profilieren und müsse die wirtschaftliche und militärische Stärke verbessern, um mit glaubwürdige Eskalationsdrohungen Gegendruck erzeugen zu können. Den Unternehmern riet er zur mehr Kurzfristigkeit: „Das ist, wie wenn Sie bei Nebel auf der Autobahn fahren. Da ist es nicht die beste Idee, mit 160 km/h zu fahren, sondern eher mit 60 km/h, also fahren auf Sicht.“

Fachgruppenobmann Hansjörg Weitgasser appellierte an die Unternehmerinnen und Unternehmer der Fachgruppe UBIT: „Wir sind jene Branche, die Entwicklungen früh erkennen muss, um unsere Kunden rechtzeitig darauf vorzubereiten. Wir sind aber auch jene Branche, die wieder mehr Mut in das System bringen muss.“