Vollzeitarbeit und Beschäftigung Älterer attraktiver machen
Salzburgs Arbeitsmarkt zeigt sich trotz der weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage relativ stabil. Mit einer Jahresarbeitslosenquote von 4,5% liegt man aktuell noch immer gemeinsam mit Tirol (ebenfalls 4,5%) mit klarem Abstand vor allen anderen Bundesländer und nahe an der Vollbeschäftigung. Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, gilt es vorrangig, die Bereiche Vollzeitarbeit und Integration Älterer in den Arbeitsmarkt zu stärken.
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Die Bundesregierung hat in jüngster Zeit auf Drängen der Wirtschaftskammer bereits einige wichtige und richtige Reformen auf den Weg gebracht. Dazu zählen die Einschränkung des geringfügigen Zuverdienstes neben dem Leistungsbezug, die Neuregelung der Bildungskarenz unter strengeren Voraussetzungen sowie das Westbalkankontingent für den Tourismus. „Um einen nachhaltigen Aufschwung zu erzeugen, sind allerdings weitere Weichenstellungen durch die Politik, vor allem bei der Stärkung der Vollzeitarbeit und der Integration von Älteren in den Arbeitsmarkt, dringend notwendig“, betonte heute WKS-Präsident KommR Peter Buchmüller anlässlich des traditionellen Arbeitsmarkt-Pressegespräches zu Jahresbeginn. Buchmüller ist darüber hinaus davon überzeugt, dass sich die Zurückhaltung bei den Lohnverhandlungen im Herbst positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft auswirken werde.
Der WKS-Präsident äußerte jedoch Kritik an den zu wenig weit gehenden steuerlichen Anreizen für Mehrarbeit im heurigen Jahr: „Der Freibetrag von 170 € pro Monat für maximal 15 Überstunden ist nicht weitreichend genug, vor allem wenn sich die Wirtschaft wieder erholt. Hier müssen die Leistungsträger mehr entlastet werden!“ Laut OECD wird heuer von einem moderaten BIP-Wachstum in Österreich von 0,9% ausgegangen, 2025 sind es 0,3% gewesen.
Mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt
Auch bei der Arbeitsmarktpolitik ortet Buchmüller Handlungsbedarf: „Es ist richtig, dass die offenen Stellen rückläufig sind. Aber wir dürfen uns davon nicht täuschen lassen!“ Laut Herbst-Konjunkturumfrage der WKS haben immerhin 28% der Unternehmen (+1% im Vergleich zur Frühjahrs-Umfrage) den Arbeitskräftemangel als Wachstumsbremse gesehen. Außerdem ist Buchmüller überzeugt: „Wenn die Konjunktur wieder anzieht, brauchen wir wieder mehr Arbeitskräfte.“ Darum kann man sich gerade jetzt ein „Mismatch“ am Salzburger Arbeitsmarkt (nicht besetzte offene Stellen) am wenigsten leisten. „Ich bin daher weiter die Auffassung, dass wir mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt brauchen“, unterstrich Buchmüller.
Das betrifft vor allem auch die überregionale Vermittlung von Arbeitskräften in Österreich: Im Jahr 2024 richteten sich die insgesamt 27.975 überregionalen Vermittlungsvorschläge für das Bundesland Salzburg an 12.453 Personen. Davon erfolgten 244 direkte Arbeitsaufnahmen im Bundesland Salzburg. Auch wenn man berücksichtigt, dass überregionale Vorschläge zu regionalen und anderen überregionalen Arbeitsaufnahmen führen, so zeigt dies doch deutlich: bei der auch innerösterreichischen Mobilität am Arbeitsmarkt haben wir noch Luft nach oben.
„Auch wenn in der derzeitigen politischen Konstellation eine weitreichende Änderung der Arbeitsmarktpolitik unwahrscheinlich ist, sind wir weiterhin davon überzeugt, dass das momentane System mit permanent gleichbleibender Höhe des Arbeitslosengeldes und unbefristeter Notstandshilfe zu wenig Anreize für eine Vollzeitbeschäftigung ergibt. In diesem Zusammenhang war es der richtige Schritt, den geringfügigen Zuverdienst neben dem Leistungsbezug einzuschränken“, sagte Buchmüller weiter. Die Wirtschaftskammer habe hier seit Jahren auf diese Änderung gedrängt. „Wir werden den arbeitsmarktpolitischen Erfolg genau beobachten. Denn unserer Meinung nach ist die Einschränkung noch zu wenig weitreichend und die Ausnahmen zu großzügig definiert“, gab der WKS-Präsident zu bedenken.
Saisonieraufstockung und Westbalkankontingent
Ein besonderer Erfolg der Wirtschaftskammer waren darüber hinaus das Westbalkankontingent und die Saisonieraufstockung für den Tourismus. Die mit 1. Dezember 2025 in Kraft getretene Saisonkontingentverordnung 2026 sieht für Salzburg eine Ausweitung des Grundkontigents im Tourismus um rund 10% gegenüber dem Vorjahr vor. Konkret stehen 1.567 Plätze im Grundkontingent mit einer möglichen Überziehung auf bis zu 2.351 zur Verfügung. Zusätzlich wurde ein eigenes Westbalkankontingent von 778 Arbeitskräften für Bosnien und Herzegowina, den Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien geschaffen. Überschreitet die bundesweite durchschnittliche Auslastung der Tourismuskontingente in den Monaten Dezember 2025 bis Juli 2026 die Marke von 75%, gilt die Verordnung einmalig auch für das Folgejahr als verlängert. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Kontingente de facto ausgeschöpft sind und der Bedarf an diesen wichtigen Arbeitskräften definitiv da ist.
„Insgesamt ist die Erhöhung ein positives Signal für den Tourismusstandort, da die Aufstockung notwendig ist, um dem erhöhten Arbeitskräftebedarf im Tourismus Rechnung zu tragen, das erforderliche Qualitätsniveau als Top-Tourismusland abzusichern und gleichzeitig das Stammpersonal zu entlasten“, erläuterte Buchmüller. Dass durch diese Ausweitung keinen Inländern Arbeitsplätze weggenommen werden, sieht man daran, dass in den allermeisten Fällen das Ersatzkräfteverfahren negativ verläuft.
Mehr Ältere in den Arbeitsmarkt
Das neue Modell für den Zuverdienst in der Pension sieht Buchmüller grundsätzlich positiv. Die Regelung mit einem steuerlichen Freibetrag von bis zu 15.000 € jährlich ist jedoch nicht, wie ursprünglich beim Flat-Tax-Modell geplant, mit Jänner 2026 in Kraft getreten, sondern wird erst 2027 kommen. „Das ist aus Sicht der Wirtschaft völlig unverständlich“, kritisiert Buchmüller. Generell besteht in diesem Bereich großer Handlungsbedarf, weil es mittelfristig mehr Pensionierungen als Zutritte in den Arbeitsmarkt geben wird. 1963 war aus heutiger Sicht der geburtenstärkste Jahrgang. Die Jahrgänge, die aktuell in den Arbeitsmarkt eintreten, sind um 30.000 bis 40.000 Personen geringer als damals.
Die Betriebe schöpfen die Potenziale aus und geben auch Personen eine Chance, die dem Anforderungsprofil auf den ersten Blick vielleicht nicht vollständig entsprechen“, betonte Buchmüller.
Teilzeitquote auf Rekordhöhe
Als weiteren wesentlichen Schlüssel für nachhaltige Wachstumsimpulse im Arbeitsmarktbereich nennt Buchmüller die Attraktivierung der in Österreich nachhaltig geschwächten Vollzeitarbeit. Denn hier habe es seit dem Jahr 2010 einen schleichenden Niedergang gegeben. Von 2010 bis heute ist die Teilzeitquote in Österreich von 25,3% auf 31,6% gestiegen. Nur die Niederlande liegen mit 43% in der EU noch höher. „Und das nicht - wie man meinen würde - ausschließlich aufgrund von Betreuungspflichten, sondern vielmehr, weil sich Teilzeit als Lifestyle-Trend etabliert hat“, betonte der WKS-Präsident. Laut Statistik Austria nennen 41,2% der Frauen Betreuungspflichten für Kinder oder Pflegebedürftige als Hauptgrund für eine Teilzeittätigkeit. Dahinter folgt mit 23,8% der Umstand, nicht in Vollzeit arbeiten zu wollen. Bei den in Teilzeit arbeitenden Männern geben sogar lediglich 8,2% Betreuungspflichten als Grund an, 23,7% wollen nicht in Vollzeit arbeiten. Generell ist bei den Männern von 2018 bis 2025 der Wunsch nach einer Vollzeitbeschäftigung von 87% auf 78% gesunken.
Ein besonderer Aspekt dabei ist, dass eine schlechtere Kinderbetreuung nicht automatisch zu einer geringeren Arbeitsmarktteilnahme führt. Denn wie eine aktuelle Bundesländer-Auswertung der Agenda Austria zeigt, erreicht das Bundesland Wien, das eine nahezu flächendeckende Kinderbetreuung anbietet, bei der Frauenerwerbstätigkeit einen Vollzeit-Anteil von nur 35%. Damit liegt Wien sogar hinter Salzburg und dem Burgenland, wo es eine Vollzeitquote bei Frauen von 36% gibt. „Damit ist erwiesen, dass der österreichische Teilzeitboom vor allem auf der hohen Steuer- und Abgabenlast auf Arbeit gründet. Hier muss die Regierung dringend im Steuersystem nachschärfen, um Vollzeitarbeit wieder attraktiver zu machen“, betonte Buchmüller. Denn, wie Studien belegen, würden die größten Wachstumsimpulse von einer Stärkung der gesamtwirtschaftlichen Jahresarbeitszeit ausgehen.
„Die hohe Teilzeitquote gefährdet unseren Sozialstaat. Deshalb muss die Regierung an mehreren Stellschrauben drehen, damit wieder mehr gearbeitet und das Arbeitskräftepotenzial im Inland mobilisiert wird. Die größten Hebel dabei sind die Erhöhung der Vollzeit-Erwerbsquote und das Weiterarbeiten in der Regelpension. Beides muss dringend angegangen werden!“, resümierte der WKS-Präsident.