Zum Inhalt springen
Japanische Großstadt mit dem Mt. Fuji im Hintergrund
© stock.adobe.com

Japan ist zurück am Wachstumspfad

Das Wirtschaftswunderland von einst findet zurück zu alter Stärke. Für heimische Exporteure ergeben sich damit Chancen

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 02.10.2025
Dieser Artikel ist älter als 90 Tage

Über fehlendes Interesse aus Japan kann sich Österreich nicht beschweren. So stieg die Zahl der Ankünfte japanischer Gäste in der Alpenrepublik zuletzt um knapp 34 Prozent. Die wirtschaftlichen Kontakte zum Land der aufgehenden Sonne sind aber auch sonst sehr eng. Japan ist mit einem Exportvolumen von knapp 1,6 Milliarden Euro seit Jahren nach China zweitwichtigster Handelspartner in Asien. Beachtlich: Ein Drittel dieser Exporte kommt aus der Steiermark, für die Japan der drittgrößte Überseemarkt ist.

Fast die Hälfte der österreichischen Ausfuhren entfällt auf Maschinenbauerzeugnisse, gefolgt von Holz, elektrischen und mechanischen Geräten, pharmazeutischen Produkten sowie Kunststoffen und Lebensmittel. An Bedeutung gewinnen außerdem Maschinen und Anlagen für die japanische Halbleiterindustrie, optische Geräte und Komponenten für die Luft- und Raumfahrt. Aus steirischer Sicht bestehen Anknüpfungspunkte im Bereich des Life-Science- und Materialclusters. Entsprechende Kontakte wurden zuletzt im Rahmen einer ICS-Delegationsreise nach Osaka, Kobe und Tokio geknüpft.

Beim Aufbau derartiger Wirtschaftsbeziehungen seien Hartnäckigkeit und Ausdauer notwendig, rät Michael Laschan, der früher für das österreichische Wirtschaftsministerium und jetzt in der Privatwirtschaft Kontakte nach Japan vermittelt. Auch dürfe man sich von einer, dem streng hierarchischen System geschuldeten, unrhythmischen Entwicklung von Geschäftsbeziehungen nicht verunsichern lassen. „Selbst wenn lange nichts weitergeht, kann es ab einem gewissen Punkt sehr schnell gehen.“ Der Experte vergleicht: „In Europa haben wir eine harte Schale und einen weichen Kern, in Japan ist es umgekehrt. Ist aber einmal eine Vertrauensbasis gelegt, ist es ein Verhältnis auf Lebenszeit.“

„Japanische Unternehmen haben eigene Netzwerke, die man nutzen kann.“

Zwischen den Zeilen 

Das Potenzial für heimische Unternehmen auf dem 123-Millionen-Einwohner-Markt sei jedenfalls groß. Nicht zuletzt auch, weil Japan als Tor in den gesamten asia­tischen Raum gilt. „Japanische Unternehmen haben eigene Netzwerke, die man nutzen kann“, erklärt Laschan. Wie er unterstrich bei einem Follow-up-Treffen der Delegationsteilnehmer auch TDK-Electronics-Manager Hugo Karre – der japanische Konzern unterhält in Deutschlandsberg einen Standort – die Bedeutung einer sensiblen, strategischen Kommunikation: „Man muss zwischen den Zeilen lesen können.“

Ungetrübt waren auch die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zuletzt nicht. Wie die EU allgemein musste auch Österreich im Vorjahr bei den Warenausfuhren nach Japan mit einem Minus von elf Prozent bilanzieren. Zurückzuführen war der Rückgang auf einen schwachen Yen, starke Wechselkursschwankungen und die Inflation.  

Mittlerweile scheint sich zumindest die japanische Wirtschaft erholt zu haben. Im zweiten Quartal des heurigen Jahres stieg das Bruttoinlandsprodukt um 2,2 Prozent und übertraf damit die ursprünglich prognostizierte Wachstumsrate von einem Prozent deutlich. Gründe für die positive Entwicklung sind eine kräftige Konsumnachfrage, eine robuste Fahrzeugindustrie, die ihre Exportvolumina durch Preissenkungen stabil hält, und ein boomender Tourismus. Denn nicht nur Österreich ist bei den Japanern gefragt. Auch Japan lag heuer bei österreichischen Urlaubern hoch im Kurs.

Hinweis
- 0,1 Prozent Wirtschaftswachstum verzeichnete Japan im vergangenen Jahr. Heuer zog die Konjunktur bislang stärker an als erwartet.

- 123 Millionen Menschen leben in Japan. Allein im Ballungsraum Tokio sind es 37 Millionen.

- 47,7 Millionen Touristen sollen im heurigen Jahr Japan besuchen. Die EXPO in Osaka und der schwache Yen gelten als Besuchermagnet.