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Im Hintergrund liegen Bücher auf einem Sandstrand, darüber steht die Aufschrift Empfehlung des Monats: Leselieblinge
© Toshe_o von Getty Images Pro
Werbung und Marktkommunikation, Fachgruppe

Empfehlung des Monats: Sommerlektüre

Buchtipps

Lesedauer: 6 Minuten

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09.06.2026

Ein Buch ist ein radikaler Entschleuniger. Ein Pausenknopf fürs Gedankenkarussell oder gleich für die ganze Welt. Wer sich (von Berufs wegen) viel im digitalen Raum bewegt, merkt schnell: Blättern ist so radikal anders als Scrollen. Ein lauschiges Plätzchen, eine Decke und ein Buch sind ein legendäres Sommertrio, das ungemein guttut. Das behaupten zwar wir, die Wissenschaft gibt uns recht:

Eine viel beachtete Meta-Analyse von Pablo Delgado und Kolleg:innen zeigt, dass wir Texte auf Papier besser erfassen als am Bildschirm. Die Sprachwissenschaftlerin Naomi Baron befragte insgesamt 429 Studierende in fünf Ländern: Fast 92 Prozent von ihnen konzentrieren sich auf gedrucktem Papier am besten. Warum das so ist, erklärt die Neurowissenschaftlerin Maryanne Wolf in ihrem Buch „Reader, Come Home“: Das langsame, vertiefte Lesen auf Papier schafft jenen Denkraum, in dem Vorstellungskraft, Empathie und kritisches Denken erst richtig gedeihen. Und dass wir mit unserer Vorliebe fürs Gedruckte in bester Gesellschaft sind, belegt die Branchenstudie „Bock auf Buch!“ des Börsenvereins des deutschen Buchhandels: Selbst unter den 10- bis 19-Jährigen lesen 97 Prozent am liebsten gedruckt. #booktok

Bevor das hier zur Vorlesung wird, machen wir es lieber konkret und fragen eine, die sich damit auskennt: Sonja Altenburger ist Obfrau der Fachgruppe Buch- und Medienwirtschaft. Sie führt in Rattenberg die Buchhandlung Armütter. In achter (!) Generation. Speziell für euch hat Sonja in die reiche Schatzkiste des Tiroler Buchhandels gegriffen und legt euch die ersten drei Titel ans Herz. Die letzten drei stammen von FG-Obmann Kurt Höretzeder. – Viel Freude beim sommerlichen Lesevergnügen!

Adrian. Oder: Die unzählbaren Dinge. Von Angelika Stallhofer Adrian Keller ist Werbetexter und arbeitet für große Unternehmen. Er schreibt Produkte zum Erfolg. Seine Protagonisten sind Autos, Sportschuhe oder Uhren – und unfehlbar. Anna Liebmann, seine Lebensgefährtin, ist Schriftstellerin und erobert sich die Welt durch Worte. Adrian bewundert sie für ihren kritischen Geist und ihren Mut zur Freiheit, doch er sitzt in seinem bürgerlichen Leben fest: Das Pflegeheim seines Vaters ist zu bezahlen und die Projekte werden immer aufwendiger. Als er den Auftrag eines Immobilienmoguls annimmt, wird aus seiner Werbefigur Max Beier der Protagonist einer Kampagne für sicheres Wohnen. Adrian zieht in ein neu gebautes „Smart Home“ und seine Figur entwickelt allmählich ein Eigenleben.

Angelika Stallhofer: Adrian oder: Die unzählbaren Dinge, 192 Seiten, Kremayr & Scheriau 2018

Rolf Dobelli: Jetzt sind Sie gefragt Ist euer Leben gerade sehr bewegt oder schon verdächtig ruhig? Manchmal braucht es nur die richtige Frage zur rechten Zeit, um vom Weg abzukommen – oder ihn erst zu finden. Solche Fragen stellt uns Rolf Dobelli. Wenn wir uns auf sie einlassen, wissen wir schnell, wie es um unser Glück bestellt ist. Und erkennen, wonach wir uns sehnen.

Rolf Dobelli: Jetzt sind Sie gefragt, 320 Seiten, Diogenes 2025

Laute Nächte von Anne Freytag Eine Klingel mit vier Namen: Paul hat das Tennisspielen aufgegeben und nichts Neues angefangen. Elif redet dauernd, fragt, nervt, lacht, als würde sie einen schon ewig kennen. Julia ist so leise, dass man nicht weiß, ob sie zu Hause ist. Und Kenni? Er weiß selbst nicht, was er in Wien will. Er musste einfach weg. Von den Leuten, die in ihm den Typen sehen, der er war, bevor er der wurde, dessen Freundin bei einem Autounfall gestorben ist. Ihre letzte Reise, ohne ihn. Obwohl sie doch einen Sommer lang Frankreich entdecken wollten. Wider Erwarten wird die WG für Kenni zur neuen Heimat. Das Leben geht einfach weiter. Auch die geplante Reise findet statt – mit Elif auf dem Beifahrersitz, was keine gute Idee ist. Zehn Jahre später, Kenni steht am Anfang seiner Karriere als Maler, treffen die vier sich in Zürich wieder. Es wird eine lange, laute Nacht, die lauter Fragen aufwirft. Erst zurück in Wien, aus Kenni ist inzwischen ein renommierter Künstler in den Vierzigern geworden, beginnt mit einem kurzen Gespräch ein Nachmittag, ein Abend, ein Anfang … Anne Freytag: Laute Nächte, 320 Seiten, Kampa Verlag 2026

Wolf Lotter: Die Gestörten. Warum sie Wohlstand sichern

Hier mein persönlicher Tipp für alle, die sich immer schon als ein bisschen „gestört“ gefühlt haben. Also für Menschen, die selten mit dem Offensichtlichen zufrieden sind, gerne Fragen stellen, bestehende Regeln hinterfragen und sich dabei manchmal wundern, warum andere das nicht tun: Wolf Lotter widmet diesen „Gestörten“ ein kluges und ebenso unterhaltsames Buch. Seine zentrale These: Fortschritt entsteht nicht durch Anpassung, sondern durch Menschen, die Dinge anders sehen und bereit sind, neue Wege zu gehen. Innovation, Kreativität und gesellschaftliche Entwicklung brauchen Menschen, die Gewohntes infrage stellen und sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben. – „Die Gestörten“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für Neugier, Eigenverantwortung und kreatives Denken. Eine ebenso inspirierende wie ermutigende Sommerlektüre für alle, die manchmal das Gefühl haben, nicht ganz ins System zu passen – und gerade deshalb vielleicht etwas Wichtiges beizutragen hätten.

Wolf Lotter: Die Gestörten, 128 Seiten, brandeinsbooks 2023

Heinz Gappmayr: Die Wirklichkeit des Wortes

Die Tiroler Landesmuseen widmeten im Vorjahr dem Tiroler Künstler Heinz Gappmayr (1925–2010) anlässlich seines 100. Geburtstags mit »Heinz Gappmayr 100« eine bemerkenswerte Ausstellung. An zahlreichen Orten im öffentlichen Raum Innsbrucks waren seine Schriftinstallationen zu sehen – Arbeiten, die vertrauten Wörtern und Wortkonstellationen durch ihren jeweiligen Kontext völlig neue Bedeutungen verliehen. – Gappmayr zählt zu den bedeutendsten Vertretern der »Konkreten« beziehungsweise »Visuellen Poesie« im deutschsprachigen Raum. Seine Arbeiten zeigen eindrucksvoll, dass Sprache weit mehr sein kann als ein Mittel zur Informationsvermittlung. Sie laden dazu ein, genauer hinzusehen, neu zu denken und scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen. – Die Ausstellung ist vorüber, aber den begleitenden, bei den Tiroler Landesmuseen erschienenen Band Heinz Gappmayr gibt es weiterhin zu kaufen. Das Buch zeigt zahlreiche Seiten aus einem Notizbuch aus dem Jahr 1961 (insgesamt umfasst sein Nachlass 90 dieser kleinen Hefte) und gibt einen intimen Einblick in den Prozess der Entstehung seiner Arbeiten – und damit einen Blick in die Innenwelt einer originären menschlichen Kreativität, die gerade in Zeiten der KI allen gut tut, die beruflich oder privat mit Sprache und Texten zu tun haben. Eine inspirierende Lektüre – und vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass schöpferische Texte vor allem aus Aufmerksamkeit, Vorstellungskraft und einem eigenständigen Blick auf die Welt entstehen.

Sophia Ohmer, Florian Waldvogel (Hg.): Heinz Gappmayr, 148 Seiten, DCV-Books 2025

John Hegarty on Advertising

Zum Abschluss noch eine Empfehlung für alle, die sich mit Kommunikation, Marken und kreativen Ideen beschäftigen. Hegarty on Advertising des britischen Werbers John Hegarty gehört für mich zu jenen Büchern, die man immer wieder zur Hand nehmen kann. Hegarty, Mitgründer der legendären Agentur BBH, schreibt klar, pointiert und mit jener Mischung aus Erfahrung, Humor und Selbstironie, die gute Kreative oft auszeichnet. – Das Buch ist keine Anleitung für bessere Kampagnen und auch kein Marketing-Lehrbuch. Es ist vielmehr ein leidenschaftliches Plädoyer für eigenständiges Denken, mutige Ideen und die Überzeugung, dass Kreativität weit mehr ist als Dekoration oder Verkaufsförderung. Viele seiner Gedanken wirken heute, in Zeiten von KI, Automatisierung und datengetriebenen Entscheidungen, aktueller denn je. – Der Untertitel des Buchs bringt den Anspruch herausragender Werbung auf den Punkt: Turning Intelligence into Magic.

John Hegarty: Hegarty on Advertising, 244 Seiten, Thames & Hudson 2024

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