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Mann mit grauen Haaren bei der Arbeit
© Christian Vorhofer

Demografie verhandelt nicht - sie schickt die Rechnung

Die Alterung der Bevölkerung setzt das Pensionssystem unter Druck. 

Lesedauer: 3 Minuten

12.08.2026
WK-Präsidentin Barbara Thaler fordert klare Regeln, faire Ausnahmen und bessere Bedingungen für die Beschäftigung Älterer – damit Pensionen auch morgen sicher bleiben.

Eine ehrliche Debatte über die Pensionsreform ist überfällig. Es geht darum, ob die heute Jungen später auf eine verlässliche Alterssicherung bauen können. „Österreich braucht bei den Pensionen weniger Romantik und mehr Realitätssinn. Die Demografie verhandelt nicht – sie stellt die Rechnung. Länger leben, gleich lang arbeiten und das daraus entstehende Minus im Pensionssystem den Jungen überlassen: Das ist weder nachhaltig noch fair“, sagt WK-Präsidentin Barbara Thaler.

Die Zahlen zeigen, wie groß der Handlungsdruck ist. Bereits heute fließt mehr als jeder vierte Euro des Bundeshaushalts in das Pensionssystem. Nach Berechnungen des Instituts Agenda Austria muss der Bund 2026 rund 34 Milliarden Euro zuschießen, um die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben zu schließen. Bis 2031 steigt diese Lücke auf knapp 43 Milliarden Euro. Gleichzeitig wächst die Zahl der älteren Menschen, während die Bevölkerung im Erwerbsalter zurückgeht. Immer weniger Einzahlerinnen und Einzahler müssen damit die Pensionen von immer mehr Menschen finanzieren.

Über grundlegende Reformen sprechen

Wenn Pensionen einen derart großen Teil des Budgets binden, ist absehbar, dass eine Konsolidierung schwierig ist und der Staat weiterhin hohe Steuereinnahmen braucht, um die Ausgaben zu finanzieren. Zudem bleibt kaum Spielraum für Bildung, Pflege, Infrastruktur und die Entlastung von Arbeit. „Deshalb führt kein Weg daran vorbei, über eine grundlegende Reform zu sprechen. Das sind wir den jetzigen und zukünftigen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern schuldig“, betont Thaler.

Österreich muss das Rad nicht neu erfinden. Dänemark koppelt das Pensionsalter an die steigende Lebenserwartung. Und das Land verlässt sich nicht nur auf das Umlageverfahren, bei dem die Beiträge der heute Erwerbstätigen für die heutigen Pensionen verwendet werden. Zusätzlich gibt es eine starke kapitalgedeckte Säule: Beschäftigte und Betriebe zahlen in Pensionsfonds ein. Das Geld wird langfristig veranlagt und steht später samt Erträgen für die eigene Pension bereit. „Wir sollten von Ländern lernen, die langfristig rechnen und ihre Altersvorsorge breiter aufstellen“, so Thaler.

Bei einer Reform geht es nicht nur um eine Anhebung des Pensionsalters und die Erhöhung des faktischen Antrittsalters. Es braucht auch flexible Arbeitszeitmodelle, altersgerechte Arbeitsplätze, Gesundheitsvorsorge mit Fokus auf Prävention schon ab jungen Jahren und lebenslange Weiterbildung. Ebenso notwendig sind faire Lösungen für Menschen, die jahrzehntelang körperlich schwer gearbeitet haben. „Ein Bauarbeiter hat andere Belastungen als jemand in einem Bürojob. Das muss eine vernünftige Reform berücksichtigen“, stellt Thaler klar.

An Arbeit fehlt es nicht

Die oft in den Raum gestellte pauschale Behauptung, dass es nicht genügend Arbeit für Ältere gibt, hält dem Faktencheck nicht stand: Rund jeder zweite Tiroler Betrieb nennt den Arbeits- und Fachkräftemangel als eine zentrale Herausforderung. In Tirol fehlen Zigtausende Arbeits- und Fachkräfte, und durch die bevorstehenden Pensionierungen wird sich die Lage weiter verschärfen. Gleichzeitig waren in Tirol zuletzt mehr Menschen zwischen 55 und 65 beschäftigt, während die Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe zurückging. „An Arbeit fehlt es also nicht – entscheidend ist, Erfahrung besser zu nutzen und Hürden zu beseitigen“, betont die Präsidentin.

Vor allem muss es für Betriebe leichter werden, ältere Menschen zu beschäftigen. Genau hier setzt die Budgetpolitik ein falsches Signal: Ab 2028 entfällt die bisherige Ausnahme vom Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds für Beschäftigte über 60. „Länger arbeiten fordern und die Beschäftigung Älterer gleichzeitig verteuern – das ist pensionspolitischer Widerspruch“, kritisiert Thaler. Wertschätzung für Wertschöpfung heißt auch, Erfahrung nicht zu verteuern.

Entscheidend ist eine offene und ehrliche Debatte darüber, dass es so nicht weitergehen kann. „Ich bin froh, dass das Thema Fahrt aufnimmt. Die Vorschläge sollen Fachleute erarbeiten – eine Reform dieser Größenordnung entsteht nicht am Stammtisch und nicht in ideologischen Überschriften, sie entsteht dort, wo gerechnet wird“, so Thaler.


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