Kluger KI-Einsatz schafft neue Chancen für Betriebe
Künstliche Intelligenz ist längst in Tirol angekommen. WK-Präsidentin Barbara Thaler sieht Chancen für Produktivität und Standort, fordert aber klare Regeln.
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Künstliche Intelligenz sorgt täglich für Schlagzeilen – und für große Erwartungen wie Verunsicherung. Rationalisiert sie Arbeitsplätze weg? Schafft sie neue? Wo hilft sie, wo wird sie gefährlich? Auch die österreichische Politik stellt gerade die Weichen neu: Die Bundesregierung arbeitet an einer neuen KI-Strategie. Die grundlegende österreichische KI-Strategie stammt aus dem Jahr 2021 – aus einer Zeit vor ChatGPT, Claude und Mistral. Für WK-Präsidentin Barbara Thaler ist die Richtung klar: „Die Frage ist nicht, ob wir Künstliche Intelligenz nutzen. Die Frage ist, wie wir sie so einsetzen, dass unsere Betriebe, unsere Beschäftigten und unser Standort davon profitieren.“
KI ist in der Praxis angekommen
Dass KI längst kein Zukunftsthema mehr ist, zeigen die Zahlen. In der jüngsten Konsumentenbefragung der WK Tirol geben 75 % der Tirolerinnen und Tiroler an, KI-Anwendungen zu nutzen. 43 % erwarten positive Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit. Laut aktueller WKÖ-Erhebung nutzen oder testen 53 % der heimischen Betriebe KI. 62 % der Anwender berichten von Erfolgen – etwa durch einfachere Abläufe, Kosteneinsparungen oder höhere Produktivität. „Das kann ich aus eigener Erfahrung als Unternehmerin in der IT-Branche bestätigen“, unterstreicht Thaler. Dabei geht es längst nicht nur um Technologieunternehmen. Ein Malerbetrieb kann KI für Angebote, Terminplanung oder Dokumentation einsetzen. Ein Fliesenleger kann sein Backoffice entlasten, ein Hotel Routineaufgaben automatisieren. „KI muss dem Menschen Arbeit abnehmen, die ihn von seiner eigentlichen Arbeit abhält. Der Handwerker soll mehr Zeit für sein Handwerk haben, die Gastgeberin mehr Zeit für den Gast“, sagt Thaler.
Das ist auch ein Teil der Antwort auf die Sorge um Arbeitsplätze. KI wird Tätigkeiten verändern und in manchen Bereichen auch ersetzen. Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben. Vor allem kann sie angesichts des demografischen Wandels helfen, knapper werdende Arbeitskraft produktiver einzusetzen. Den Fachkräftemangel wird sie aber nicht auflösen – schon gar nicht dort, wo handwerkliches Können, Erfahrung oder persönlicher Kontakt vor Ort gefragt sind.
Der Mensch behält das letzte Wort
Für Betriebe heißt das: Die vorhandenen Möglichkeiten nutzen, aber mit Hausverstand. KI kann Texte, Analysen oder Vorschläge in Sekunden liefern. Richtig werden sie dadurch nicht automatisch. Die WKÖ bringt es in ihren KI-Guidelines auf eine einfache Regel: Der Mensch hat das letzte Wort. Ergebnisse müssen geprüft, sensible Unternehmens- und Kundendaten geschützt werden. „KI unterstützt uns – sie nimmt uns aber weder Verantwortung noch Urteilskraft ab“, betont Barbara Thaler. Diese Kompetenz muss auch in der Bildung vermittelt werden: Junge Menschen müssen Chancen, Grenzen und Manipulationsrisiken verstehen.
Dazu braucht es einen vernünftigen gesetzlichen Rahmen. Der europäische AI Act ist aus Sicht Thalers grundsätzlich der richtige Ansatz – besonders bei sensiblen Daten oder weitreichenden Entscheidungen. Entscheidend ist aber, dass Regulierung mit der rasch voranschreitenden Technologie Schritt hält. Und dass Regeln Schutz bieten, zugleich aber verständlich und praktikabel bleiben. Für die Betriebe heißt das: Sie brauchen Rechtssicherheit, nicht mehr Regulierung als nötig und stärkere digitale Kompetenzen.
Europas KI-Zukunft
Eine weitere große Aufgabe liegt in Europa selbst. Noch entstehen viele zentrale KI-Technologien und ein großer Teil der damit verbundenen Wertschöpfung außerhalb Europas. EZB-Präsidentin Christine Lagarde verwies kürzlich darauf, dass Haushalte im Euroraum rund 440 Milliarden Euro in US-Technologieunternehmen halten. „Europas Ersparnisse finanzieren damit zu einem erheblichen Teil Innovation anderswo. Europa darf nicht nur Regeln für Künstliche Intelligenz schreiben. Wir müssen auch selbst Technologien entwickeln, Unternehmen wachsen lassen und Kapital für Innovation mobilisieren“, fordert die WK-Präsidentin. Das stärkt Wertschöpfung und Arbeitsplätze und verringert technologische Abhängigkeiten. Die Wirtschaftskammer setzt deshalb auf stärkere europäische KI-Netzwerke sowie bessere Bedingungen für privates Risikokapital und Forschung.
Mit der neuen KI-Strategie der Bundesregierung werden jetzt wichtige Weichen gestellt. Für Thaler ist klar, wohin es gehen muss: Chancen nutzen, Risiken ernst nehmen und Europa technologisch stärken. In dieser gesunden Mitte liegt der Weg, um das Beste aus dieser Technologie für Betriebe, Beschäftigte und Standort herauszuholen.