Zum Inhalt springen
SHP
© Hermann Auer

Herz und Kreislauf für 1.100 Gebäude

Wer 1991 in Kundl mit einem kleinen Büro im Dachgeschoss der Großmutter anfängt, Heizungen und Lüftungen zu planen, und 35 Jahre später 1.100 realisierte Projekte in der Bilanz hat, der hat vieles richtig gemacht. Für Robert Stiefmüller und Andreas Hohenauer war das nie selbstverständlich – und ist es bis heute nicht.

Lesedauer: 5 Minuten

Einen Moment bitte. Ladevorgang läuft ...
0:00
Audio konnte nicht geladen werden. Erneut versuchen
0:00
0:00
Aktualisiert am 11.05.2026

Daniel Ilmer, stellvertretender Obmann der Fachgruppe Ingenieurbüros der Wirtschaftskammer Tirol, überreichte feierlich die Ehrenurkunde für 35 Jahre erfolgreiches Unternehmertum an die beiden Geschäftsführer von SHP, Stiefmüller Hohenauer & Partner GmbH in den Swarovski Kristallwelten. Rund 50 Gäste aus der Tiroler Wirtschaft feierten mit. Die Geschichte begann Anfang der 1990er-Jahre in Innsbruck. Beide hatten dort zuvor zusammengearbeitet, dann gründete Robert Stiefmüller das Planungsbüro und holte Andreas Hohenauer als Partner ins Boot.

Erstes Büro: das Dachgeschoss bei der Großmutter. Erste Projekte kamen, erste Kunden. Und mit ihnen die Realität des Unternehmertums. „Wir saßen oft bis weit nach Mitternacht und haben gearbeitet“, erinnert sich Stiefmüller. Beide hatten zu der Zeit junge Familien — Zeitdruck und das Gefühl, terminlich fremdbestimmt zu sein,  gehörten dazu. Bis zum Jahr 2001 dauerte es, ehe das erste richtige Büro bezogen werden konnte. Seither hat sich SHP vom Kundler Standort aus zu einem der gefragten Ingenieurbüros für Technische Gebäudeausrüstung Tirols entwickelt.

Mehr als 200 Krankenhausprojekte – und eine Expertise, die trägt

Heute zählt SHP 20 Mitarbeiter:innen und hat rund 1.100 Projekte abgeschlossen. Das klingt nach schlichter Addition. Dahinter steckt jedoch eine gezielte strategische Tiefe. Seit 25 Jahren arbeitet SHP eng mit den Tirol Kliniken zusammen, hat inzwischen über 200 Krankenhausprojekte umgesetzt und diese Expertise auch auf die Salzburger und Vorarlberger Kliniken ausgeweitet. Kliniken gelten als besonders anspruchsvolle Bauherren — technisch hochkomplex, betrieblich sensibel, mit höchsten Anforderungen an Zuverlässigkeit. Genau dort hat sich SHP über Jahrzehnte ein belastbares Profil aufgebaut.

Für mich ist es, selbst nach 35 Jahren eine Freude zu sehen, wie das junge Team - genau wie ich - alles für die Arbeit gibt und darin aufgeht.

Zu den besonderen Projekten zählen auch die Silvretta Therme Ischgl und das Atoll am Achensee — Letzteres komplett über Wärmepumpen versorgt, ohne konventionelle Backup-Systeme. Oder das Dynafit-Hauptquartier in Kiefersfelden, das dem Unternehmen sogar ein besonderes Lob vom Bauherrn einbrachte. Auch internationale Aufträge, etwa in Qatar oder an der deutschen Ostsee, haben die Arbeit von SHP über Tirol hinaus geprägt. „Entfernung war für uns noch nie ein Problem. Diesen Weitblick hatten wir von Anfang an“, sagt Stiefmüller. Seit 2004 ist das Unternehmen zudem ISO9001-qualitäts zertifiziert.

Vom Reißbrett zum digitalen Zwilling

Was sich in 35 Jahren fundamental verändert hat, ist nicht nur das Portfolio, sondern die gesamte Arbeitsweise. Früher wurde noch per Hand in 2D gezeichnet. Heute entsteht vom ersten Entwurf an ein vollständiger digitaler Zwilling des Gebäudes — ein dreidimensionales Modell mit Metadaten, das identisch mit dem späteren Bauwerk ist. Building Information Modeling, kurz BIM, ist dabei längst kein Schlagwort mehr, sondern gelebter Standard. SHP versteht sich in diesem Bereich als Vorreiter und sorgt dafür, dass Mitarbeiter:innen in neuen Programmen laufend geschult werden. „Gefühlt ist alle paar Monate ein neues Programm oder Update am Markt“, beschreibt Stiefmüller die Geschwindigkeit der Branche.

Wer da nicht mitzieht, verliert — das ist für ihn keine Übertreibung, sondern ein Erfahrungswert. Die inhaltlichen Schwerpunkte haben sich ebenfalls verschoben. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit dominieren heute die Planungsarbeit in einem Ausmaß, das vor 20 Jahren kaum vorstellbar war. Öffentliche Auftraggeber — und sie gehören zu SHPs Kernkundschaft — unterliegen inzwischen einer Fülle von gesetzlichen Vorgaben rund um Energieverbrauch und Klimabilanz. „Kaum ein Gebäude wird noch geplant ohne ein nachhaltiges Konzept“, so Hohenauer. Was sie dabei besonders freut: Es wird nicht mehr diskutiert, ob nachhaltig gebaut werden soll – es ist zur Selbstverständlichkeit geworden. 

Augenhöhe auf der Baustelle

Wer Stiefmüller und Hohenauer nach dem Zustand ihrer Branche fragt, bekommt keine Klagelitanei. „Es wird oft heißer gekocht, als gegessen wird“, sagt Stiefmüller. Klar werde gespart, klar werde gejammert. Hinter dem Geräuschpegel aber passiere etwas, das die beiden zuversichtlich stimmt: Die Qualitätsorientierung steige spürbar, der Ton auf den Baustellen habe sich verändert. Wo früher Hierarchien dominiert hätten, begegne man sich heute eher auf Augenhöhe. „Auf einer erfolgreichen Baustelle müssen sich am Ende einfach alle miteinander abstimmen“, ergänzt Hohenauer. Genau das funktioniere zunehmend besser – mit dem Effekt, dass Projekte runder laufen. 

Flache Hierachien und Betriebsausflug nach Barcelona

Wer mit den Geschäftsführern über ihr Team spricht, merkt schnell: Das ist kein Pflichtkapitel. SHP ist flach organisiert, die Zusammenarbeit funktioniert nicht nur fachlich, sondern auch menschlich. „Die Kolleg:innen unterstützen sich gegenseitig — ob im Arbeitsleben oder auch privat“, sagt Hohenauer. Als konkretes Beispiel: Weil viele im Team leidenschaftliche Fußballfans sind, stand ein Betriebsausflug nach Barcelona an — inklusive Besuch im Stadion des FC Barcelona und einem persönlichen Treffen mit dem Präsidenten des Clubs. Das mögen Details sein. Aber solche Details sagen einiges über eine Unternehmenskultur. Gleichzeitig sieht SHP den Fachkräftemangel als reale Herausforderung. In Tirol kamen vergangenes Jahr nur rund zehn HTL-Abgänger  in Frage, also viel zu wenig für eine Branche, die sich mit nachhaltiger effizienter und günstiger Energie im Bau auseinandersetzt. Das zwingt zu Kreativität bei Angeboten, bei Arbeitskultur, bei dem, was ein Unternehmen neben dem Job bieten kann. „Wir zählen da beispielsweise auf regelmäßige Betriebsausflüge und Firmenevents“, sagt Stiefmüller.

Vier Jahre bis zum 40. Jubiläum – und keine Pause in Sicht

Mit der Ehrenurkunde der Wirtschaftskammer Tirol in der Hand blickt SHP nicht auf Vergangenes — sondern im Arbeitsmodus nach vorne. Seit zwei Jahren läuft intern ein strukturierter Unternehmensentwicklungsprozess. Über 4.000 Stunden wurden dafür bereits investiert. Enzo Stiefmüller, Sohn von Robert Stiefmüller, ist bereits im Unternehmen verankert und wird die Nachfolge übernehmen. Das Team soll wachsen, die Strukturen sollen mitwachsen. „Für mich ist eine Freude zu sehen, wie das junge Team genau wie ich alles für die Arbeit gibt und darin aufgeht“, sagt Andreas Hohenauer.

Stiefmüller ergänzt: „Der Rückblick auf unsere Erfolgsgeschichte gibt Kraft — und dass auch die Zukunft spannend ausschaut, macht es leicht, weiterzumachen.“ 35 Jahre Gebäudetechnik - und Elektrotechnik in Tirol. Angefangen mit einem Reißbrett unterm Dach, gebaut auf Verlässlichkeit und Expertise. Der nächste Meilenstein ist bereits kalkuliert.


Weitere interessante Artikel
  • Zwei Menschen sitzen vor einem Computer-Bildschirm und sehen sich Bilder an
    Wie Apps aus dem MZK-Verlag helfen, Ernährung besser zu verstehen
    Weiterlesen