Klare Linie für den Standort
Sämtliche wahlwerbenden Gruppen der Wirtschaftskammer Tirol stellen sich gegen eine neue Lohn-Preis-Spirale. Eine breite Mehrheit fordert bei der EU-Entgelttransparenzrichtlinie Augenmaß statt Gold-Plating und nationaler Alleingänge. Zugleich senkt die Wirtschaftskammer Tirol die Kammerumlage 2 und setzt damit ein klares Entlastungssignal für Tirols Betriebe.
Lesedauer: 3 Minuten
Die halbjährliche Vollversammlung der WK Tirol, das Wirtschaftsparlament, hat ein deutliches Signal gesetzt: Bei zentralen Standortfragen ziehen die wahlwerbenden Gruppen an einem Strang. Beschlossen wurden zwei gemeinsame Anträge – gegen eine neue Lohn-Preis-Spirale und für praxistaugliche, bürokratiearme Regeln zur EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Dazu kommt die Senkung der Kammerumlage 2. Für WK-Präsidentin Barbara Thaler ist klar: „Die Betriebe brauchen Entlastung, Verlässlichkeit und Regeln, die in der Praxis funktionieren.“
Lohn-Preis-Spirale vermeiden
Ein von allen wahlwerbenden Gruppen gemeinsam eingebrachter Antrag betrifft die Gefahr einer neuen Lohn-Preis-Spirale. Die Konjunktur bleibt schwach, die internationalen Unsicherheiten sind hoch, zugleich haben sich die Arbeitskosten in Österreich im Vergleich zu wichtigen Mitbewerbern verschlechtert. Besonders problematisch sind die Lohnstückkosten: Sie sind stärker gestiegen als in vielen Konkurrenzländern. Für Tirols Betriebe bedeutet das Druck. Gehen dadurch Aufträge verloren, betrifft das Investitionen, Arbeitsplätze und Wohlstand. Werden Kosten weitergegeben, spüren das Konsumentinnen und Konsumenten in Form höherer Preise.
Der gemeinsame Antrag fordert deshalb einen verantwortungsvollen Kurs: Die Senkung der Lohnnebenkosten soll weiter forciert werden. Gleichzeitig will die WK Tirol mit den Sozialpartnern das Gespräch suchen, um Verständnis für eine wettbewerbsorientierte Lohnpolitik zu schaffen. Auch die Verantwortlichen in den Kollektivvertragsverhandlungen sollen in dieser Linie bestärkt werden. „Eine weitere Lohn-Preis-Spirale hilft niemandem“, betont Thaler. „Sie gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und damit genau jene Grundlage, auf der Beschäftigung, Kaufkraft und Wohlstand aufbauen. Wir brauchen Augenmaß und eine Politik, die Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen im Blick hat.“
Transparenz ohne Bürokratiemonster
Ein zweiter gemeinsamer Antrag des Tiroler Wirtschaftsbunds, der Freiheitlichen Wirtschaft Tirol, der Fachliste der Tiroler Industrie, der Tiroler Wirtschaft und der Unos Tirol betrifft die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Das Ziel ist unbestritten: Gleicher Lohn für gleiche Leistung ist selbstverständlich. Entscheidend ist aber die Umsetzung. Aus Sicht der WK Tirol darf daraus kein neues Bürokratiepaket entstehen. Wenig Verständnis hat die Präsidentin für das Vorpreschen der Arbeitsministerin, die den Entwurf ohne Einigung der Sozialpartner in Begutachtung geschickt hat. Aus ihrer Sicht ist ein „Stop the Clock“-Verfahren sinnvoll, um Richtlinie auf EU-Ebene zu überarbeiten. Der Blick über die Grenzen zeigt: Ein großer Teil der Mitgliedstaaten hat die Richtlinie bislang noch nicht umgesetzt. Das sollte Anlass sein, auf europäischer Ebene nochmals nachzubessern, statt national mit einer unpraktikablen Regelung vorzupreschen.
Weniger Kosten, bessere Leistung
Im Wirtschaftsparlament wurde auch die Senkung der Kammerumlage 2 beschlossen. Die WK Tirol reduziert den Hebesatz schrittweise von 0,27 auf 0,22 Prozent. Ab 2030 werden die Tiroler Betriebe dadurch dauerhaft um rund 6,2 Millionen Euro pro Jahr entlastet – ein Minus von mehr als 20 Prozent. Die KU2-Senkung ist Teil eines Reformkurses mit mehr Kundenzentrierung, stärkeren Bezirksstellen und mehr Nähe zu den Betrieben. „Damit zeigen wir, dass wir Entlastung nicht nur von anderen einfordern, sondern auch selbst Verantwortung übernehmen“, sagt Thaler. Die Beitragssenkung der Wirtschaftskammern war ein klares Signal an die Bundesregierung und hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Lohnnebenkosten um 1 Prozentpunkt gesenkt werden. In diesem Zusammenhang hebt die Präsidentin die erfolgte Verankerung dieser Lohnnebenkosten-Senkung im Doppelbudget positiv hervor.
Die Beschlüsse des Wirtschaftsparlaments zeigen eine klare Linie: „Tirols Wirtschaft braucht Entlastung, faire Rahmenbedingungen und praxistaugliche Regeln. Ein wettbewerbsfähiger Standort ist die Grundlage dafür, dass Betriebe investieren, Arbeitsplätze sichern und Konsumenten nicht durch immer neue Kosten belastet werden“, unterstreicht WK-Präsidentin Barbara Thaler.