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Die Aufnahme zeigt zwei Unternehmer in ihrem Fahrradfachgeschäft. Sie stehen im Verkaufsraum zwischen mehreren Fahrrädern und E-Bikes. Hinter ihnen befinden sich an der Wand präsentierte Rennräder, Fahrradrahmen und Zubehör. Rechts ist ein Bereich mit E-Bikes zu sehen, im Hintergrund eine Werkstatt für Service- und Reparaturarbeiten. Die moderne Einrichtung vermittelt den Eindruck eines spezialisierten Fachbetriebs für Verkauf, Wartung und individuelle Beratung im Radsportbereich.
© Felix Stark

Warum halb Tirol nach Mieming fährt

Eine halbe Autostunde von Innsbruck, auf dem als Ruheoase bekannten Mieminger Plateau, sitzt einer der gefragtesten Radshops des Landes. Wer Expert:innen sucht, fährt nach Mieming – und bleibt. Ein Besuch bei Radsport Krug, wo niemand „nur“ ein Fahrrad verkauft.

Lesedauer: 7 Minuten

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02.06.2026

Trotz „Ruhetag“ stehen alle in der Werkstatt. Die Schraubenschlüssel klimpern, ein Rahmen hängt am Montageständer, und niemand wirkt, als würde er lieber etwas anderes tun. „Mit Bike und Seele“ steht auf dem Logo von Radsport Krug, und nach fünf Minuten im Betrieb in Obermieming versteht man, dass das kein Werbespruch ist. Jede:r hier fährt Rad, fast jede:r in einer anderen Disziplin, und jede:r mit einer Begeisterung, die ansteckt.

Dass ausgerechnet das Mieminger Plateau zum Hotspot wurde, war keineswegs selbstverständlich. Als der Standort 2001 entstand, gab es kaum Laufkundschaft, das Plateau gilt bis heute als Erholungsgebiet, nicht als Radsportadresse. Vertrauen musste man sich erst erarbeiten. Heute sind diese Zeiten vorbei. Wer ein Rad will und echte Beratung dazu, der nimmt die Anfahrt in Kauf – und wird in der Regel zum Stammkunden.

Fünf Säulen, eine Haltung

Das Geschäft ruht auf fünf Säulen, und die erste heißt Beratung. Viel Beratung. Ein Fahrrad ist kein billiges Vergnügen, und so kann die Übergabe eines neuen Rades schon einmal zwei Stunden dauern – jedes Detail wird erklärt, bis wirklich alles passt. „Oft sind die Kund:innen ohnehin genauso radbegeistert wie wir“, sagt Michael Krug, der den Betrieb gemeinsam mit seinem Bruder David führt.

Säule zwei: Ein gutes Stück der Aufträge sind komplette Custom-Räder, vom Rahmen bis zu den Griffen neu aufgebaut, und die Kundschaft ist beim ganzen Werdegang dabei. Der Clou: Ein solches Rad ist nicht teurer als ein vergleichbares Markenrad, aber exakt auf die Person zugeschnitten. Rund 50 bis 60 dieser Einzelstücke baut das Team pro Jahr. Ebenfalls relevant ist das Bikeleasing, etwa in Kooperation mit Firmenrad.at – eine kosteneffiziente Möglichkeit, auf ein gutes Rad zu kommen, gerade bei E-Bikes ein großes Thema.

Die dritte Säule ist der Service – und sie trägt einen Großteil des Umsatzes. Ein verkauftes Rad bedeutet Jahre an Wartung, und sieben Mechaniker sind dabei zu hundert Prozent ausgelastet. Räder aus dem eigenen Haus haben Vorrang, doch wer mit einem fremden Modell vorbeikommt, wird nicht abgewiesen. Wichtig ist Michael Krug eines: In derselben Woche soll das Rad wieder abholbereit sein. Die Kund:innen sollen sich schließlich rasch wieder auf ihren Drahtesel schwingen können. Eine solche Betreuung ist selten geworden – online oder beim großen Sporthändler bleibt die Expertise begrenzt, und einen spezialisierten Shop zu finden, ist selbst in Innsbruck nicht immer leicht.

Säule vier ist das Bikefitting. Gerade im Rennradsport entscheidet die Sitzposition über alles: Stimmt die Haltung nicht, kommen früher oder später die Beschwerden, und der Spaß am Fahren leidet. Zwischen Komfort und Aerodynamik wird das Rad millimetergenau auf den Körper abgestimmt. Buchen kann das jede:r, und ratsam ist die Wiederholung allemal – schließlich verändert sich auch der Körper mit der Zeit.

Innenansicht eines Fahrradfachgeschäfts mit einer großen Auswahl an Rennrädern, Mountainbikes und Fahrradzubehör. Fahrräder sind auf Präsentationsflächen und an den Wänden ausgestellt, daneben befinden sich Bekleidung, Helme und Servicebereiche. Der Verkaufsraum wirkt hell, modern und übersichtlich gestaltet.
© Felix Stark Radsport Krug in Mieming bietet Fahrräder, Zubehör, Serviceleistungen und individuelle Beratung für Hobby- und Leistungssportler:innen

Laktatmessung im ersten Stock

Was Radsport Krug von anderen abhebt, ist die fünfte Säule: die Leistungsdiagnostik. Nach dem Umbau und der Aufstockung des Geschäfts werden nun im ersten Stock Leistungstests und Laktatmessungen angeboten, betreut von Markus Waldhart und Michael Praxmarer. Aus einem Belastungsprofil entsteht ein individueller Trainingsplan – ein Angebot, das es in dieser Form kaum gibt.

„Es gibt so viele radbegeisterte Sportler:innen, die genau das suchen“, erklärt Krug die Überlegung, das Ganze einfach selbst anzubieten.

Wenn Taiwan bis Mieming durchschlägt

So idyllisch der Standort liegt, so wenig lässt sich das Geschäft von der Weltlage abkoppeln. Räder bestehen aus unzähligen, komplexen Einzelteilen, und der Markt dafür ist eng: Weltweit gibt es nur zwei große Schaltungshersteller. Kommt es dort zu Verzögerungen, spürt man das bis nach Tirol. Selbst auf den Konflikt zwischen China und Taiwan blickt Krug mit Argusaugen – Taiwan ist Weltmarktführer bei den in Handarbeit gefertigten Carbonrahmen.

Und auch Zölle haben Folgen: Durch die US-Zollpolitik wurden Räder bereits in der Vergangenheit weltweit spürbar teurer.

Probleme mit den Vorlaufzeiten gibt es immer wieder. Bestellungen brauchen ein bis zwei Jahre Vorlauf, während der Coronazeit verschob sich das auf bis zu drei Jahre. Wer im Boom großzügig orderte, bekam die Lieferung oft erst, als die Nachfrage längst abgeflaut war – mit überfüllten Lagern und veralteten Modellen.

Radsport Krug hat dagegen genau analysiert, wie viele Räder tatsächlich verkauft werden. Dass Räder teuer sind, stimmt – und lässt sich erklären: Hinter jedem Modell stecken Jahre an Entwicklung, unzählige Prototypen und enorme Materialkosten. Erstaunlicherweise sind die Preise seit Corona aber sogar wieder gesunken – trotz massiver Inflation seit 2021. Gemessen an dem, was in einem Rad steckt, sind die Preise laut Krug eigentlich bemerkenswert günstig.

Dass die Konkurrenz bei den Herstellern groß ist, freut ihn. Das drückt die Preise für die Endkund:innen und fördert den Innovationsgeist. Genauso hält er es mit anderen Tiroler Radgeschäften: Wer dieselbe Leidenschaft zeigt, belebt das Geschäft.

Eine Jugend, die schon Bescheid weiß

Vom Fachkräftemangel bleibt der Betrieb weitgehend verschont, und dafür ist man dankbar. Die Arbeit ist vielseitig, das Interesse der Jungen groß.

„Die meisten sind mit dem Rad aufgewachsen, jede:r kennt Fabio Wibmer“, sagt Krug. „Das Interesse ist in der Jugend größer, als man glaubt.“

Auch die Qualität der Lehre hat sich gewandelt. Wo er früher den Berufsschullehrern noch Details zur Fahrradmechanik erklären musste, kommen die Lehrlinge heute mit fundiertem Fachwissen.

Bei den Trends verschiebt sich das Bild. Der europäische E-Bike-Markt ist rückläufig, die Sprünge zwischen den Modellen werden kleiner. Wo früher ein besserer Akku gleich viel mehr Reichweite brachte, reichen die heutigen Distanzen längst aus. Es fehlt schlicht das Argument zum Umstieg. Anteil am Verkauf haben E-Bikes inzwischen noch rund die Hälfte, was für Krug wenig ist.

Dafür geht der Rennrad-Boom durch die Decke. Verteufeln will er die E-Bikes keineswegs, im Gegenteil: Sie wecken die Begeisterung fürs Radfahren. Als Dreamteam bezeichnet er das E-Bike für den Berg und das Gravelbike für genussvolle Radtouren.

Die Aufnahme zeigt zwei Unternehmer in ihrem Fahrradfachgeschäft. Sie stehen im Verkaufsraum zwischen mehreren Fahrrädern und E-Bikes. Hinter ihnen befinden sich an der Wand präsentierte Rennräder, Fahrradrahmen und Zubehör. Rechts ist ein Bereich mit E-Bikes zu sehen, im Hintergrund eine Werkstatt für Service- und Reparaturarbeiten. Die moderne Einrichtung vermittelt den Eindruck eines spezialisierten Fachbetriebs für Verkauf, Wartung und individuelle Beratung im Radsportbereich.
© Felix Stark und David Krug (links) und Michael Krug (rechts) setzen bei Radsport Krug in Mieming auf persönliche Beratung, umfassenden Service und individuelle Leistungsdiagnostik rund ums Fahrrad.

Eine Matratze hinter dem Verkaufstresen

Die Idee kam den Eltern 1991 bei einer Familienwanderung, als der Radsport in Tirol noch jung war und sie ein paar Radler beobachteten. Die Mutter führte tagsüber den Laden, der Vater schraubte nach seiner Arbeit bis tief in die Nacht an den Rädern. Alles war langsamer, pragmatischer.

Die beiden Brüder wuchsen im Geschäft auf – war einer krank, wurde kurzerhand eine Matratze hinter dem Verkaufstresen ausgelegt.

Vor zwölf Jahren übernahm Michael den Betrieb, 2018 teilte er ihn bewusst mit David, sodass beide gleichwertige Geschäftsführer sind. Ein Gewinn: Die beiden sind verschieden, kennen die Stärken des anderen und ergänzen sich. Allein könnte niemand die ganze Bandbreite des Radsports abdecken, vom Downhill bis zum Rennrad. Im Team mit seinen zahlreichen unterschiedlichen Fahrradinteressen gelingt genau das.

Einen Wunsch hat Michael Krug an die Branche: dass sich das Verhältnis zwischen Händlern und Herstellern wieder stärker auf das Wesentliche besinnt. Früher habe man auf Messen stundenlang über das Rad und die neuesten Errungenschaften gefachsimpelt und das Geschäftliche zum Schluss in fünf Minuten erledigt. Heute schicke so mancher Hersteller Ansprechpersonen, die selbst nicht einmal Rad fahren.

Expandieren wollen sie nicht, das Team nicht aufstocken. Sie wollen bleiben, wo sie sind, nah an der Kundschaft, mit derselben Qualität. Im Grunde, scherzt er, solle sich gar nichts ändern. Man glaubt es ihm sofort – spätestens, wenn beim Reden über Räder die Augen zu funkeln beginnen.  

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