Zum Inhalt springen
www.stefanjoham.com
© www.stefanjoham.com

Ali Mahlodji: Gebt das Denken nicht an die KI ab!

Die Arbeitswelt unterliegt einem massiven Wandel. Welche Änderungen auf uns warten, erklärt Bestseller-Autor Ali Mahlodji.

Lesedauer: 5 Minuten

Aktualisiert am 14.08.2026

Beim „Ausbilder:innen Network 2026“ am 24. September dreht sich im WIFI Salzburg alles um die Lehrlingsausbildung. Als Keynote Speaker wird Bestsellerautor Ali Mahlodji erwartet. Er spricht darüber, wie Unternehmen junge Menschen besser verstehen und eine zukunftsorientierte Ausbildungskultur gestalten können. Die SW durfte Mahlodji schon jetzt zum Interview bitten.

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den Berufen der Zukunft. Wie wird die Arbeitswelt aussehen, in die heutige Lehrlinge in fünf bis zehn Jahren eintreten?

Ali Mahlodji: Die künstliche Intelligenz übernimmt die repetitiven Aufgaben, was bleibt, sind die Dinge, die nur Menschen können: verhandeln, zuhören, im Team Lösungen finden, mit Kunden umgehen. Digitale Kompetenz wird in jedem Beruf Grundvoraussetzung werden, egal ob am Hotelempfang oder beim Friseur. Und Sinn wird zur Währung: Wer nicht erklären kann, wofür ein Unternehmen steht, bekommt keine guten Leute mehr.

Über die Generation Z wird viel gesprochen. Was wird dabei oft missverstanden?

Ali Mahlodji: Dass sie weniger arbeiten will. Das stimmt nicht. Sie stellt nur bessere Fragen: Wofür gebe ich meine Lebenszeit her? Was ist der Beitrag? Wenn der Sinn da ist, arbeiten diese jungen Menschen 60 Stunden die Woche und fühlen sich dabei großartig. Es gibt keine Generation „Null Bock“ es gibt eine Generation, die banale Antworten einfach nicht mehr schluckt.

Warum fällt es manchen Unternehmen schwer, junge Talente zu erreichen und langfristig zu binden?

Ali Mahlodji: Weil sie noch das alte Versprechen anbieten: Sicherheit, Gehalt, Aufstieg, während junge Menschen nach Sinn, Wertschätzung und echter Entwicklung fragen. Loyalität ist keine Einbahnstraße. Wer sie von Mitarbeitenden verlangt, ohne sie selbst zu geben, wird sie nicht bekommen.

Was zeichnet eine gute Ausbilderin oder einen guten Ausbilder heute aus?

Ali Mahlodji: Zuhören, bevor man urteilt. Mentor sein statt Vorgesetzter. Fragen stellen statt nur Anweisungen geben. Und echtes Interesse am Menschen zeigen, nicht nur an der Leistung.

Welche Fehler machen Unternehmen häufig in der Lehrlingsausbildung?

Ali Mahlodji: Sie stecken junge Menschen in Schubladen „typisch Gen Z“, anstatt hinzuschauen, was in ihnen steckt. Und sie behandeln Lehre oft als reine Wissensvermittlung, dabei suchen junge Menschen genauso Orientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

www.stefanjoham.com
© www.stefanjoham.com

Wie verändert künstliche Intelligenz die Anforderungen an Lehrberufe?

Ali Mahlodji: Digitale Kompetenz wird über alle Branchen hinweg zur Pflicht. Gleichzeitig werden die menschlichen Fähigkeiten wichtiger denn je – wie Empathie, Kommunikation oder Kritikfähigkeit. Denn es ist genau das, was keine Maschine kann. Wichtig ist, KI als Sparringspartner zu nutzen, nicht, das eigene Denken an sie abzugeben.

Viele Unternehmen kämpfen mit Fachkräftemangel. Welche Rolle spielt eine moderne Lehrlingsausbildung bei der Lösung dieses Problems?

Ali Mahlodji: Eine entscheidende Rolle. Unternehmen, die konsequent auf Sinn, Wertschätzung und persönliche Entwicklung setzen, haben meiner Erfahrung nach auch keinen Fachkräftemangel. Der Mangel ist oft hausgemacht.

Sie haben selbst einen außergewöhnlichen Karriereweg hinter sich. Was hätten Sie sich als junger Mensch von Ausbildern gewünscht?

Ali Mahlodji: Dass jemand nicht nur sieht, was ich nicht kann, sondern, was in mir steckt. Lehrer und erste Führungskräfte haben mir oft gespiegelt, dass ich nichts tauge. Ich hätte mir jemanden gewünscht, der zuhört und an mich glaubt, auch wenn ich in kein System passte.

Gab es in Ihrem Leben eine Person, die Sie besonders geprägt oder gefördert hat?

Ali Mahlodji: Meine Eltern, vor allem meine Mutter. Die Sicherheit, die uns durch die Flucht fehlte, haben sie durch bedingungslose Liebe ersetzt. Das hat mich getragen, auch als sonst niemand an mich geglaubt hat.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 16-jährigen Ich heute geben?

Ali Mahlodji: Vertraue ins Leben. Alles, was dir gerade schwerfällt, ist später für etwas gut. Gib nicht auf, geh einen Schritt nach dem anderen und hilf anderen, wo du kannst.

Welchen Appell richten Sie an Unternehmen, die junge Menschen ausbilden?

Ali Mahlodji: Behandelt Lehrlinge nicht als billige Arbeitskraft, sondern als Menschen in Entwicklung. Wer Loyalität will, muss sie zuerst geben, durch echtes Interesse, Wertschätzung und die Bereitschaft, zuzuhören statt nur anzuweisen.

Was macht Sie optimistisch, wenn Sie auf die nächste Generation blicken?

Ali Mahlodji: Dass sie sich nicht mehr alles gefallen lässt. Sie stellt unbequeme Fragen, engagiert sich für Klima und Gerechtigkeit, lässt sich von Gegenwind nicht stoppen. Ich glaube daran, dass jeder Mensch alles in sich trägt, was er braucht, und diese Generation ist der Beweis dafür.

www.stefanjoham.com Ali Mahlodji
1981 in Teheran geboren
1984 Flucht aus dem Iran nach Österreich
Internationaler Unternehmer, Gründer von whatchado.com, Bestsellerautor (jüngstes Buch: „(Null) Bock auf Arbeit“), EU-Jugendbotschafter, Keynote-Speaker, Trendforscher

Mahlodji startete seine Karriere als Schulabbrecher mit über 40 Jobs. Er ist Mitbegründer und CEO von futureOne, einem internationalen Technologie-, Medien- und Persönlichkeitsentwicklungsunternehmen. Einen großen Teil seiner Zeit widmet er der Jugend, um diese zukunftsfit zu machen. Er war beim Technologieriesen Siemens tätig und danach Global Engagement Manager bei Sun Microsystems, einem US-Silicon-Valley-Tech-Unternehmen, bevor er Lehrer wurde und whatchado, das „Handbuch der Lebensgeschichten“, gründete – eine internationale Online-Video-Joborientierungsplattform, die bisher Millionen junger Menschen auf deren Berufsweg inspiriert hat.

Für seine Arbeit wurde Ali Mahlodji mehrfach international ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Wien.