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Headquarter
© Geislinger GmbH

Geislinger nascht beim KI-Boom mit

Die rasante Zunahme an Rechenzentren in Übersee beschert der Geislinger GmbH ein sattes Wachstum.

Lesedauer: 4 Minuten

Aktualisiert am 22.07.2026

Geislinger zählt zu den Hidden Champions im Bundesland Salzburg. „Wir sind Weltmarktführer bei Großdämpfern für Zweitaktmotoren von Containerschiffen. Der Name Geislinger ist im Ausland wesentlich bekannter als in Österreich. Das liegt auch daran, dass wir einen Exportanteil von fast 100% haben“, erklärt Adrian Geislinger. Der 33-Jährige bildet gemeinsam mit seinem Bruder Benjamin und mit Torsten Philipp das dreiköpfige Führungsteam des 1958 gegründeten Familienunternehmens. 

Produktion
© Geislinger GmbH Geislinger produziert hauptsächlich in Bad St. Leonhard im Kärntner Lavanttal. Seit kurzem gibt es auch einen Produktionsstandort in Rumänien.

Die Geislinger GmbH stellt neben Drehschwingungsdämpfern auch Kupplungen sowie Antriebswellen aus Kohle- und Glasfasern her. Der Umsatz ging nach einem Rückgang während der Corona-Jahre zuletzt wieder steil nach oben. Im Geschäftsjahr 2025/26 (April 2025 bis März 2026) betrugen sie 167 Mill. €. „Unser Kerngeschäft sind Dämpfer für große Schiffsmotoren, die einen Durchmesser von bis zu vier Metern haben. Sie machen etwa die Hälfte des Umsatzes aus“, sagt Adrian Geislinger.

Renommierte Kunden 

Auf die Produkte des Salzburger Unternehmens setzen nicht nur die weltweit wichtigsten Großmotorenhersteller, darunter Hyundai und Caterpillar. „Die größte Elektrofähre der Welt ist mit acht unserer Produkte ausgestattet. Dazu gehören Antriebswellen aus Kohlefaser, die wesentlich leichter als Stahlwellen sind“, erklärt Geschäftsführer Geislinger. Zu den Kunden des Unternehmens zählen auch Windturbinen-, Bagger-, ­Getriebe- und Lokomotivhersteller sowie Entwicklungspartner im Motorsport. 

Adrian Geislinger
© Geislinger GmbH Adrian Geislinger ist seit April 2020 im Unter­nehmen und gehört seit etwas mehr als drei Jahren der Geschäfts­führung an.

Neben Komponenten für Großmotoren wird ein zweites Geschäftsfeld immer wichtiger. „Der KI-Boom führt dazu, dass in Nordamerika viele große Datacenter gebaut werden, die einen enormen Energiebedarf haben. In diesen Rechenzentren stehen Backup-Generatoren, die bei einem Netzausfall Strom produzieren und in denen unsere Drehschwingungsdämpfer verbaut werden“, erklärt Geislinger. „Wie beliefern die Hersteller der Generatoren, die Endkunden sind aber die Big Player aus dem Silicon Valley wie Amazon, Microsoft, Apple, Meta oder Alphabet.“ 

Datacenter sind Wachstumstreiber

Die hohe Nachfrage im Bereich Datacenter ist hauptverantwortlich für das starke Wachstum des Unternehmens, im Geschäftsjahr 2025/26 kletterte der Umsatz um fast 15% nach oben. Geschäftsführer Geislinger sieht auch für die nächsten Jahre enormes Wachstumspotenzial. „Wenn man unseren Kunden glauben darf, wird sich die Zahl der Rechenzentren in kurzer Zeit verdreifachen. Demnach wird der Höhepunkt der Nachfrage 2030 erreicht.“ Für das laufende Geschäftsjahr peilt Geislinger einen Umsatz von 180 Mill. € an. 2027/28 soll dann die Marke von 200 Mill. € geknackt werden. „Dieses Ziel ist in greifbarer Nähe. Wir gehen davon aus, dass sowohl der Umsatz als auch der Ertrag weiter nach oben gehen.“

Neues Geschäftsfeld Softwareentwicklung

Die Geislinger GmbH ist auch in der Softwareentwicklung tätig und hat kürzlich unter dem Markennamen Okulon MES ein neues Produkt auf den Markt gebracht. Die Software soll mittelständische Fertigungsunternehmen bei der Digitalisierung ihrer Produktion unterstützen. „Wir machen viele Kleinserien und Spezialanwendungen, haben dafür aber kein Produktionsplanungssystem gefunden, das unseren Ansprüchen gerecht wird. Deshalb haben wir eine eigene Software für unsere Standorte im In- und Ausland entwickelt“, sagt Adrian Geislinger. „Als dann Anfragen von renommierten Unternehmen hereingekommen sind, die das Programm auch gerne hätten, sind wir auf die Idee gekommen, die Business Unit ‚Software Solutions‘ zu gründen und Okulon zu lizenzieren.“

Nach Ansicht Geislingers eröffnet auch die Energie- und Mobilitätswende dem Unternehmen neue Chancen. „Unsere Produkte sind auf spezifische Anwendungen ausgelegt. Die Kraftstoffart, mit der ein Motor betrieben wird, ist letztlich fast egal. Es gibt zum Beispiel schon vier Methanol-Schiffe, die mit unseren Dämpfern ausgestattet sind“, erklärt Geislinger. „Unsere Lösungen kommen auch in Offshore-Windturbinen zum Einsatz. Da sehe ich ebenfalls noch viel Potenzial.“ 


Fakten

  • Die Geislinger GmbH wurde 1958 gegründet. Das weltweit tätige Unternehmen beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, am Standort Hallwang sind es knapp 200.
  • Geislinger ist in Korea, China, Japan und den USA mit Tochterunternehmen vertreten. Darüber hinaus wurde Anfang dieses Jahres ein neuer Produktionsstandort in Rumänien eröffnet.