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© WKS/wildbild

Höchstleistungen des Handwerks vor den Vorhang

Bereits zum 36. Mal wird am Samstag, 3. Oktober, bei den „Festspielen des Handwerks“ im Großen Festspielhaus der „Salzburger Handwerkspreis“ der WKS vergeben.

Lesedauer: 7 Minuten

Aktualisiert am 22.09.2026

„Ich gratuliere allen Gewinnerinnen und Gewinnern zu ihren hervorragenden Arbeiten. Der Salzburger Handwerkspreis ist einer der renommiertesten Wirtschaftspreise des Landes und zeigt Jahr für Jahr, zu welch meisterlichen, kreativen und innovativen Leistungen Salzburgs Gewerbe- und Handwerksbetriebe fähig sind“, sagt Gewerbe-Spartenobmann KommR Bernhard Seidl.

Die Bandbreite der Einreichungen war auch heuer groß: Sie reichte von technisch aufwändigen Sanierungen über innovative Neuentwicklungen bis zu traditionellen und modernen Handwerksarbeiten. Die Basis für diese „Top-Qualität made in Salzburg“ ist das hochwertige duale Berufsausbildungssystem (von der Lehre bis zum Meister). „Dieses auf der ganzen Welt anerkannte Berufsbildungssystem ist unser großer Schatz, den es zu erhalten gilt“, unterstreicht Seidl.

Konjunktur: Betriebe treten auf der Stelle

Die jüngste Konjunkturerhebung der KMU Forschung Austria von Juli 2026 zeigt ein äußerst ernüchterndes Bild, ist doch die konjunkturelle Entwicklung des Gewerbes und Handwerks in Salzburg im 1. Halbjahr 2026 weiter rückläufig und auch die Einschätzungen für das 3. Quartal pessimistisch. Konkret trat die Konjunktur im 1. Quartal nach Aufträgen bzw. Umsätzen auf der Stelle (-0,2% im Vergleich zum 1. Quartal 2025). Im 2. und 3. Quartal sank das Stimmungsbarometer der Betriebe dann um -14%. Das heißt, dass im 2. und 3. Quartal per Saldo (Anteil der Betriebe mit positiven abzüglich der negativen Erwartungen) die pessimistischen Einschätzungen um 14 Prozentpunkte überwiegen.

„Als größte Herausforderungen bzw. Hemmnisse nennen uns die Betriebe die Bereiche Steuern und Abgaben, Arbeitskosten und Bürokratie. Das betrifft genau jene Bereiche, auf die wir schon lange hinweisen. Viele ‚Bürokratiemonster‘ wie die Entwaldungsverordnung oder das Lieferkettengesetz sind nur aufgeschoben, neue Hemmnisse kommen laufend hinzu. Wie zuletzt die Verpackungsverordnung, nach der die Betriebe auch Bevollmächtigte in ihren Exportländern namhaft machen müssen, wenn sie verpackte Produkte in EU-Länder verschicken", beschreibt Spartenobmann Seidl die gegenwärtige Situation. „Wir brauchen hier endlich eine konkrete Entlastung und nicht noch mehr Aufzeichnungs- und Registrierungsverpflichtungen“, unterstreicht Seidl.

Aus Sicht der Wirtschaftskammer Salzburg werde man alles daransetzen, um den Unternehmen die tägliche Arbeit nicht schwerer, sondern einfacher zu machen. In diesem Zusammenhang verweist er auf die Ende 2025 gemeinsam mit dem Land Salzburg eingerichtete Task-Force, die den Bürokratieabbau im Land vorantreiben soll. 

Die Sieger des Salzburger Handwerkspreises 2026:

Mit dem ersten Platz wurde heuer die Digital Elektronik GmbH aus St. Leonhard bei Salzburg für die Entwicklung, Fertigung und den Rollout der neuen ÖBB-Ticketautomaten ausgezeichnet. 

Die Digital Elektronik GmbH hat in einem europaweiten Vergabeverfahren den Zuschlag zur Entwicklung und Errichtung von mehr als 1.000 Ticketautomaten der neuesten Generation für die ÖBB gewonnen. Der Auftrag reichte von Industriedesign über die mechanische Konstruktion und Einbruchsicherheit bis hin zur Hard- und Softwarentwicklung samt vollständiger Systemintegration. Höchste Sicherheitsanforderungen und barrierefreier Zugang waren Grundvoraussetzungen. 

Die Eckdaten des Systems:

Kompaktes Kraftpaket: Trotz einer Breite von nur 70 Zentimetern wurden Ticketdrucker, Münzsystem, Banknotenprüfer und vier Papierrollen auf engstem Raum integriert.

Höchster Schutz: Zertifiziert nach der höchsten Einbruchssicherheitsklasse FA2, brandschutzgeprüft und crashfest für den Einsatz in Zügen.

Digitales Schloss: Sicheres Öffnen via Mobiltelefon über ein integriertes Vier-Augen-Prinzip für Wartungsarbeiten.

Barrierefrei und ergonomisch: Komfortabel mit dem Rollstuhl unterfahrbar. Alle Bedienelemente liegen auf optimaler Höhe zwischen 80 und 110 Zentimeter.

Servicefreundlich: Spezielle Auszugssysteme minimieren die Servicezeiten im Alltag.

© ÖBB, Klimczak/Digital Elektronik GmbH
© © ÖBB, Klimczak/Digital Elektronik GmbH Ticketautomaten der Digital Elektronik GmbH für die ÖBB.

Den zweiten Platz belegte die Baukultur2 GmbH aus Strobl mit dem Projekt „Fehlstellenergänzungen in der historischen Holzvertäfelung des Fürstenzimmers - Goldene Stube“ auf der Festung Hohensalzburg.

In einem eineinhalbjährigen Forschungsprojekt wurde gemeinsam mit der FH Salzburg und dem Bundesdenkmalamt ein weltweit neuartiges, denkmalpflegerisches Verfahren entwickelt. Dabei entstanden mittels 3D-Scanning und FDM-3D-Druck maßgeschneiderte Inlays aus nachhaltigen Holz-Kompositen (Polymilchsäure und Sägeabfall-Holzfasern). Diese schonen das Original, reagieren flexibel auf Spannungen im Holz und sind dank natürlicher Klebstoffe vollständig reversibel. Das erste Inlay wurde am 3. Juni 2026 erfolgreich eingesetzt.

Die Details des Verfahrens:

Digitale Aufnahme: Die Fehlstelle wird mit einem handgeführten 3D-Nahbereichsscanner berührungslos und sub-millimetergenau erfasst.

Modellierung und Druck: Am PC wird der Scan in ein Positiv-Modell umgewandelt. Anschließend wird das Inlay per FDM-3D-Druck aus einem maßgeschneiderten, nachhaltigen Holz-Komposit (PLA und Holzfasern) gedruckt.

Handwerkliches Finish: Restauratoren passen das Inlay mit einer Heizspachtel strukturell an und färben es exakt nach der originalen Holzmaserung.

Einsetzen: Das Inlay wird mit einem natürlichen, reversiblen Klebstoff minimalinvasiv in die Vertäfelung eingesetzt.

FH Salzburg/Baukultur2
© FH Salzburg/Baukultur2 Restaurierungsarbeiten im Fürstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg.

Den dritten Platz holte sich die Tischlerei Gollackner GmbH & Co KG aus Hallwang für die Einrichtung des Wellnessbereichs im Hotel Steiner in Obertauern mit Möbeln aus vakuumgepressten Biegesperrholzelementen.

Die Eckdaten des Projekt: 

Leistung: Komplettausstattung des Spa-Bereichs mit Entspannungsliegen, Ruhekojen, Wasserstation und Wandverkleidungen.

Technologie und Handwerk: Durchgängiger CAD/CAM-Workflow mit fotorealistischer 3D-Planung. Fertigung der Korpusse auf einer 5-Achs-CNC-Maschine. Die eichenfurnierten Rundelemente wurden per Positiv-Schablone in der Vakuumpresse formverleimt. Die Wandverkleidungen aus wasserfestem MDF erhielten via CNC-Sondernutrat eine 10-Millimeter-Nut inklusive Fase.

Sonderdetails: Stabiler Sandwich-Unterbau bei den Liegen mit Biegesperrholz-Freiform als Fliesensockel-Anschlag. Die runden Fachböden wurden mit einer mobilen Kantenanleimmaschine von Hand bekantet. Die Compact-Arbeitsplatte wurde CNC-gefräst und die Kanten manuell abgezogen.

Kooperation: Enge Zusammenarbeit mit einer lokalen Tapeziererei (Raumausstattung Unterer aus Bergheim). Alle Polsterungen und Vorhänge wurden direkt beim wiederholten Probe-Zusammenbau in der Werkstatt eingepasst.

Tischlerei Gollackner
© Tischlerei Gollackner Der neue Wellnessbereich im Hotel Steiner in Obertauern.

Darüber hinaus wurden drei Anerkennungspreise vergeben:

An Markus Schmidt aus Mattsee für das Buchprojekt „Süß verzaubert“.
Das Projekt „Süß verzaubert – Die geheimnisvolle Backstube“ vom Erlebnisdrache Schmidt Verlag e.U. verbindet auf innovative Weise Kinderliteratur mit gelebtem Handwerk. Das Konzept basiert auf dem Ansatz „Vom Lesen zum Tun“ und richtet sich an Kinder ab sechs Jahren sowie deren Familien.

Im Mittelpunkt steht die fantasievolle Geschichte rund um den Bäckerlehrling Max. Das Buch fungiert als interaktives Erlebnis, das Rezepte, Rätsel, Ausmal- und Mitmachelemente integriert. Ziel des Projekts ist es, das Bäcker- und Konditorhandwerk modern und spielerisch zu vermitteln, die Selbstwirksamkeit von Kindern zu stärken und Familien zu gemeinsamen analogen Aktivitäten zusammenzubringen. Über den Buchinhalt hinaus wird das Handwerk bei regionalen Workshops und Buchpräsentationen durch das eigenständige Formen einer Marzipankreation – den „Mattsee-Pan“ – direkt begreifbar gemacht.

An Shahbaz Jalali aus Salzburg für das Projekt „Behördenkompass Österreich“ (https://www.behoerdenkompass.at).

Der Behördenkompass ist ein digitales, zehnsprachiges Navigationssystem durch die österreichische Verwaltung. Er übersetzt komplexe Behördenwege in verständliche Schritte, bietet interaktive Assistenten (z. B. für Verkehrskontrollen) und entlastet Institutionen durch fehlerfreie Anträge. Der Ablauf führt in fünf Phasen von der Konzeption über die Übersetzung und technischen Umsetzung bis zur regionalen Skalierung und laufenden Aktualisierung. Grundlage des Projekts waren mehr als 25 Jahre Erfahrung des Übersetzungsbüros Jalali in Dolmetschen, Übersetzen, Sprachmittlung und Kommunikation zwischen Menschen, Behörden, Gerichten und Institutionen.

An die Gehmacher Holzbau GmbH aus Grödig und die Dachdeckerei und Spenglerei Christoph Pilotto GmbH aus Bischofshofen für das Projekt „Rückkehr des historischen Zwiebelturms des Salzburger Sacellum“.

Das Projekt umfasste die originalgetreue Rekonstruktion und statische Ertüchtigung eines denkmalgeschützten Turmhelms in der Salzburger Altstadt. Das um 1620 erbaute Sacellum gehört zu den geschichtsträchtigsten Gebäuden der Theologischen Universität.

Ursprünglich nur als reine Sanierung der Blecheindeckung geplant, offenbarte das Öffnen der Verschalung einen massiven Schädlingsbefall, der die statische Tragfähigkeit der historischen Holzkonstruktion zerstörte. Historische Recherchen (u. a. am Sattler-Panorama) zeigten zudem, dass der Turm im Original als Zwiebelturm ausgeführt war. In enger Abstimmung mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und dem Bundesdenkmalamt wurde daraufhin beschlossen, die historische Zwiebelform vollständig zu rekonstruieren und dabei alte, thermisch behandelte Bauteile wie den Pfettenkranz und die Sparren (um 1618) nachhaltig wiederzuverwenden.

Bildownload:
Foto 1: Bei der Präsentation der Sieger das Salzburger Handwerkspreises 2026 (v. l.): Christof Hillebrand (Baukultur2, 2. Platz), Spartengeschäftsführer Wolfgang Hiegelsperger und Spartenobmann Bernhard Seidl (beide WKS), Johannes Auer (Digital Elektronik, 1. Platz) und Paul Gollackner (Tischlerei Gollackner, 3. Platz). © WKS/wildbild
Foto 2: Ticketautomaten der Digital Elektronik GmbH für die ÖBB. ©
Foto 3: Restaurierungsarbeiten im Fürstenzimmer auf der Festung Hohensalzburg. © FH Salzburg/Baukultur2
Foto 4: Der neue Wellnessbereich im Hotel Steiner in Obertauern. © Tischlerei Gollackner
Foto 5: Anerkennungspreis 1: Markus Schmidt aus Mattsee für das Buchprojekt „Süß verzaubert“.  © Schmidt Verlag
Foto 6: Anerkennungspreis 2: Shahbaz Jalali aus Salzburg für das Projekt „Behördenkompass Österreich“. © Shabaz Jalali
Foto 7: Anerkennungspreis 3: Gehmacher Holzbau GmbH aus Grödig und Dachdeckerei und Spenglerei Christoph Pilotto GmbH aus Bischofshofen für das Projekt „Rückkehr des historischen Zwiebelturms des Salzburger Sacellum“. © Gehmacher Holzbau bzw. Dachdeckerei und Spenglerei Pilotto