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Andreas Kolarik
© Andreas Kolarik

Industrietag 2026: Wettbewerbsdruck befeuert Deindustrialisierung

Die Sparte Industrie in der WKS fordert mehr Tempo bei der Verbesserung der Standortqualität. KI als Chance für den Hochlohnstandort.

Lesedauer: 6 Minuten

Aktualisiert am 19.10.2026

„Das zarte Pflänzchen Aufschwung, das zu Beginn des Jahres auch die Hoffnungen der heimischen Industrie nährte, ist mittlerweile verdorrt. Die Lage ist ernst, die Politik muss Tempo machen“, sagt Peter Unterkofler, Obmann der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer, beim Salzburger Industrietag in der Fachhochschule Salzburg in Puch. Der Krieg im Iran hat die Energiepreise in die Höhe schnellen lassen. Der Gaspreis ist auf einen Vierjahreshoch, auch der Dieselpreis hat kürzlich Rekordniveau erreicht. Dazu kommen die Unsicherheiten, die die protektionistische Handelspolitik der USA verursacht hat, hohe Arbeitskosten und der steigende Wettbewerbsdruck vor allem aus Fernost. „China hat sich vom billigen Zulieferer zum Industrieproduzenten auf Augenhöhe gewandelt, der dank Unterstützung durch den chinesischen Staat um 30 bis 50% billiger liefern kann“, erklärt Unterkofler. Wie dramatisch die Lage ist, zeigt das aktuelle Industrieradar der WKÖ, für das 270 Industrieunternehmen in Österreich befragt wurden. 

  • 43% der befragten Unternehmen spielen mit dem Gedanken, in den kommenden drei bis fünf Jahren zumindest Teile der Produktion ins Ausland zu verlagern. „Es besteht daher dringender Handlungsbedarf auf nationaler und europäischer Ebene, um eine weitere Deindustrialisierung zu verhindern,“ warnt der Spartenobmann und fordert einen Schub für den Industriestandort.
  • Der Standort verfüge über einige Vorteile wie die hohe Energieversorgungssicherheit, eine funktionierende industrierelevante Infrastruktur, bestens ausgebildete Fachkräfte und die guten Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung genannt.
  • Allerdings wird der gut bewertete Standort durch die hohe Kostenbelastung gefährdet – durch hohe Lohnstückkosten, hohe Energiepreise, und durch eine der höchsten Steuer und Abgabenquoten in der europäischen Union. Nicht zu vergessen ist die in manchen Teilen überbordende Bürokratie. Laut Industrieradar geben 71% der befragten Unternehmen an, dass die Nachhaltigkeitscompliance den Bereich mit der größten bürokratischen Belastung darstelle.

Tempo bei der Umsetzung der Industriestrategie gefordert

Die Industriestrategie mit ihren 117 Maßnahmen in insgesamt sieben Handlungsfeldern sei ein wichtiges Bekenntnis der österreichischen Bundesregierung zum Industriestandort. Doch letztlich werde sie an einer praxisnahen und raschen Umsetzung gemessen, heißt es von Seiten der Industrie und ein Großteil der Maßnahmen sei noch nicht umgesetzt.  „Die Bundesregierung spricht nach einem halben Jahr von 42 von 117 Maßnahmen der Industriestrategie, die bereits umgesetzt oder in Umsetzung sind. Das entspricht mehr als 35%. Die Industriellenvereinigung zählt hingegen erst 14 Maßnahmen als vollständig umgesetzt,“ betont Unterkofler. 

Die Lage ist ernst, die Politik muss Tempo machen.

Andreas Mörk, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie forderte rasche Fortschritte bei den Energiekosten und eine deutliche Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. „Gleichzeitig darf die Forschungsprämie nicht geschwächt werden, sondern muss als wichtiger Hebel für Innovation und Investitionen niederschwellig zugänglich bleiben. Um den Fachkräftemangel wirksam zu bekämpfen, sind eine Stärkung der Lehre, der Ausbau technischer Ausbildungsangebote und eine bessere Nutzung der Rot-Weiß-Rot-Karte unerlässlich“, so Mörk. 

Für WKS-Präsident Peter Buchmüller ist die Industrie eine wichtige Säule des Wirtschaftsstandorts, weil sie eine hohe Wertschöpfung für das Land erzeuge, stark im Export sei und wertvolle, weil gut bezahlte, Arbeitsplätze anbiete. „Unsere Industrie braucht gute Rahmenbedingungen, damit Investitionen wieder hier getätigt werden und nicht im Ausland. Wir müssen eine weitere Deindustrialisierung verhindern, weil sie schädlich für unseren Standort wäre“, warnt Buchmüller.

Landeshauptfrau Karoline Edtstadler wies darauf hin, dass viele Menschen mit Salzburg meist Kultur, Sport und Tourismus verbinden und es weniger bekannt sei, dass rund 28 Prozent der Wertschöpfung im Bundesland aus der Industrie kommen. „Die Industrie ist ein starkes Rückgrat für Arbeitsplätze und Wohlstand in unserem Land - dank vieler Menschen, die jeden Tag mit ihrem Wissen, Können und Engagement Großartiges leisten. Längst hat auch künstliche Intelligenz Veränderungen in der täglichen Arbeitswelt mit sich gebracht und damit einen Wandel ausgelöst. Sehen wir ihn nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Wir haben die Kraft, das Knowhow und den Mut, um diesen Wandel zur Erfolgsgeschichte zu machen und die neuen Herausforderungen erfolgreich zu gestalten.“

Künstliche Intelligenz als Chance für die Industrie

Die Fachhochschule Salzburg wurde heuer bewusst als Veranstaltungsort gewählt. Hier werden nicht nur die disruptiven Veränderungen, die etwa durch Künstliche Intelligenz (KI) ausgelöst werden, wissenschaftlich beleuchtet. Die FH ist auch ein zentrales Bindeglied zwischen der angewandten Forschung und der Salzburger Industrie. Beim Salzburger Industrietag 2026 stand daher auch die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen die Potenziale der künstlichen Intelligenz erfolgreich nutzen können. Klar wurde dabei: KI wird den Menschen nicht ersetzen, sondern ihn unterstützen. Von der Produktionsplanung über die Qualitätskontrolle bis hin zur vorausschauenden Wartung von Maschinen eröffnet KI neue Möglichkeiten, Prozesse effizienter zu gestalten, Kosten zu senken und Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen. „Gerade für einen Hochlohnstandort wie Österreich bietet die intelligente Nutzung digitaler Technologien die Chance, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu steigern“, ist Unterkofler überzeugt. Die Salzburger Industrie verfüge über eine starke Basis aus Innovationskraft, technischem Know-how und international erfolgreichen Unternehmen. „Um diese Stärken auszubauen, braucht es neben Investitionen in digitale Technologien auch einen verlässlichen Zugang zu Daten, Rechenleistung und Fachkräften“, so der Spartenobmann.

Andreas Kolarik
© Andreas Kolarik WKS-Präsident Peter Buchmüller, Spartenobmann Peter Unterkofler, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler und FH-Rektor Dominik Engel (v. l.).

In seiner Keynote mit dem Titel „Irgendwie fängt irgendwann irgendwo die Zukunft an - Transformation in Zeiten von künstlichen und humanen Intelligenzen“ sprach der Unternehmer und Wissenschaftler Maximilian Lude über die Chancen, die die KI für die Industrie bietet. Dabei spiele der Mindset in einem Unternehmen eine große Rolle und das Vertrauen auf eine oft unterschätzte Ressource: „Ihre größte Stärke liegt oft bereits im Unternehmen: in ihrer Tradition, ihrem Wissen und ihrer gewachsenen Identität. Entscheidend ist, dieses Bestehende nicht zu verteidigen, sondern als Rohstoff für Neues zu nutzen. Transformation ist kein zeitlich begrenztes Projekt, sondern eine dauerhafte Fähigkeit – sie gelingt, wenn Klarheit entsteht, Verantwortung verteilt wird und der Mut zum Ausprobieren systematisch verankert ist. Zukunft entsteht nicht trotz Tradition, sondern gerade durch sie,“ meinte Lude. 

Die Salzburger Industrie in Kürze:

  • 7,7 Mrd. € abgesetzte Produktion inkl. Bau (vorläufige Zahlen 2025, BSI-Statistik
  • 65 % Exportintensität (vorläufige Zahlen 2025, BSI-Statistik)
  • 17.911 Industriebeschäftigte (nach Kammersystematik, 2025, BSI-Statistik)
  • 657 Lehrlinge (8,7% der Salzburger Lehrlinge, 2025)
  • 391 aktive Spartenmitglieder (2025)

Bilddownload: © Andreas Kolarik
Foto 1: Prof. Maximilian Lude, Bundesspartengeschäftsführer Andreas Mörk, Spartengeschäftsführerin Anita Wautischer, Spartenobmann Peter Unterkofler, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, WKS-Präsident Peter Buchmüller und FH-Rektor Dominik Engel (v. l.). 
Foto 2: WKS-Präsident Peter Buchmüller, Spartenobmann Peter Unterkofler, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler und FH-Rektor Dominik Engel (v. l.).