Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen
WKS-Vizepräsidentin Marianne Kusejko zum Equal Pay Day am 19. Februar: „Der Gender Pay Gap hat sich wieder ein Stück weit geschlossen. Dennoch braucht es für mehr Lohngerechtigkeit weitere Anstrengungen bei Berufsorientierung, Ausbildung und Kinderbetreuung“.
Lesedauer: 3 Minuten
Alle Jahre wieder, wird am Equal Pay Day der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern diskutiert. Dabei berufen sich einschlägige Lobbygruppen auf den Prozentsatz, um den der Stundenlohn der Frauen unter dem der Männer liegt. Denn mit diesem im EU-Vergleich schlechten Wert, lässt sich leichter eine politische Agenda verfolgen. Würde man den Wert objektivieren, indem man auch Faktoren wie Alter, Ausbildung, Branche einkalkuliert, dann stünde Österreich im EU-Vergleich gut da. So vergleicht man Äpfel mit Birnen.
Aber selbst in der herkömmlichen Lesart ist eine positive Entwicklung ersichtlich. „Der heurige Equal Pay Day fällt in Salzburg auf den 19. Februar. Im Vergleich zum Vorjahr wurden wieder vier Tage gut gemacht, 2010 fiel der Tag noch auf den 13. April. Die Richtung stimmt also, dennoch gibt es noch viel zu tun“, stellt WKS-Vizepräsidentin Marianne Kusejko fest. Einen wichtigen Beitrag leiste bereits die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters, die dazu führe, dass Frauen nun ihre besten Erwerbsjahre nicht mehr verlieren, wie das früher der Fall gewesen sei. „Es braucht aber noch weitere Anstrengungen, damit die Lohnschere zwischen Männern und Frauen weiter geschlossen wird, denn Frauen mit Vollzeitanstellung verdienten 2025 in Salzburg durchschnittlich brutto um 13,8% weniger als Männer, das sind 50 Tage. Damit liegt Salzburg im Bundesländervergleich im Mittelfeld“, betont die WKS-Vizepräsidentin.
Große Hebel Berufsorientierung und Kinderbetreuung
Einen Grund für den Gender Pay Gap ortet Kusejko in der Berufswahl vieler Mädchen. Beispielsweise im Dienstleistungssektor können die Gehälter auf Grund des hohen Personalkostenanteils nicht höher sein. Das liegt etwa daran, dass die Kunden oft nicht bereit sind, gewisse Dienstleistungen mehr zu bezahlen, vor allem aber an den hohen Lohnnebenkosten, die in diesen Sektoren große Relevanz haben. Die WKS versucht in der Berufsorientierung seit Jahren gegenzusteuern, etwa mit dem Talente- und Karriere Check, der alternative Ausbildungs- und Karrierewege aufzeigt. „Auch mit unterschiedlichen MINT-Programmen, i-star, Smart Summer oder den Spürnasenecken wird versucht, Mädchen für technische Berufe zu begeistern und ihnen damit besserbezahlte Karrierewege aufzuzeigen“, erklärt Kusejko.
In vielen Fällen sind die fehlenden Betreuungsplätze für die Kleinsten ein wesentlicher Grund für einen Karriereknick bei Frauen, weil sie in die Teilzeit wechseln. „Deshalb muss die Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden, besonders für Kleinkinder ab dem zweiten bzw. dritten Lebensjahr, damit Frauen – aber auch Männer - Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren können. Ein Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz, der auch echte Wahlfreiheit bringt, muss das Ziel sein“, fordert Kusejko. Wenn Frauen gut ausgebildet seien und gut verdienen, sei zudem die Aufteilung der Karenzzeiten zwischen Vätern und Müttern wesentlich einfacher. Auch Väter könnten somit ihrer Verantwortung bei der Kinderbetreuung besser nachkommen.
EU-Lohntransparenzrichtlinie gut gemeint, aber auch wirksam?
Es ist zu befürchten, dass mit der geplanten Lohntransparenzrichtlinie ein weiteres Bürokratiemonster auf die Unternehmer losgelassen wird. Frei nach dem Motto „Unternehmen gehören bestraft“ hat Gewerkschafterin und Sozialministerin Schumann dennoch bereits „effektive Sanktionsmaßnahen“ angekündigt, bevor das Gesetz zur Umsetzung überhaupt beschlossen wurde. Die Sorge, dass Österreich auch bei dieser Richtline wieder mit Gold Plating den Musterknaben spielen will, ist also nicht ganz unbegründet. Sollte das Gesetz zu einer Angleichung der Löhne zwischen Frauen und Männern führen, ist zu befürchten, dass diese Angleichung eher in Richtung niedrigerem Gehalt gehen wird und nicht umgekehrt. Das liegt laut Experten daran, dass es für die Unternehmen zu teuer sein wird, die Leistungsträger besser zu bezahlen, wenn die anderen Kolleginnen und Kollegen denselben Lohn fordern. Denn die Richtlinie zielt auf größtmögliche Gleichheit ab, d.h. ein Betrieb wird sich voraussichtlich dafür rechtfertigen müssen, wenn Leistungsträgern mehr bezahlt wird als den anderen Mitarbeitern. „Deshalb wäre es sinnvoller, die Rahmenbedingungen zu verbessern und bereits Mädchen Karriere- und Bildungswege jenseits der gängigen Rollenklischees aufzuzeigen und zu ermöglichen“, resümiert Kusejko.