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Standortfrage Energiepreis

Warum leistbare Energie zur Schlüsselfrage für die Wettbewerbsfähigkeit von Österreichs Wirtschaft wird.

Lesedauer: 3 Minuten

Aktualisiert am 24.09.2026

Jahrzehntelang war die österreichische Standortdebatte einfach gestrickt. Wenn es der Wirtschaft schlecht ging, war die Schuldfrage schnell geklärt: zu hohe Steuern, zu viel Bürokratie, steigende Arbeitskosten. Das alles gibt es noch immer. Heute rückt aber ein weiterer Faktor immer stärker in den Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Debatte: die Energie.

Ein Faktor, der sich nicht wegdiskutieren lässt, weil jede Maschine, jede Produktionshalle und jeder Server davon abhängen.

Vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine war Energie selbstverständlich. Sie kam aus der Steckdose, war verfügbar und halbwegs leistbar. Heute ist sie zum strategischen Faktor geworden.

Wer günstige Energie hat, gewinnt Investitionen. Wer dauerhaft teure Energie hat, verliert an Attraktivität. So einfach ist die Rechnung inzwischen.

Markanter Standortnachteil für die europäische Wirtschaft

Dabei geht es nicht nur um große Industriekonzerne. Natürlich trifft ein hoher Strompreis energieintensive Sektoren wie Stahl- oder Chemiebetriebe besonders hart. Aber auch Gewerbebetriebe, Hotels, Logistiker oder produzierende Mittelständler spüren jede Erhöhung unmittelbar auf ihrer Kostenrechnung.

Und während Unternehmen in den USA oder in Teilen Asiens oft von deutlich niedrigeren Energiepreisen profitieren, diskutiert man in Europa noch immer darüber, wie man Wettbewerbsfähigkeit und Energiewende unter einen Hut bringen kann.

Genau hier liegt die Herausforderung. Österreich verfolgt ehrgeizige Klimaziele und will bereits 2040 die Klimaneutralität erreichen, der Rest der EU erst 2050. Das in jüngster Zeit vieldiskutierte Klimagesetz soll den Pfad vorgeben, wie man an dieses Ziel gelangen will.

Die ökologische Transformation wird aber nur gelingen, wenn sie auch wirtschaftlich tragfähig bleibt. Kein Unternehmer investiert in neue Anlagen, wenn am Ende unklar ist, ob ausreichend Energie verfügbar ist und zu welchem Preis.

Versorgungssicherheit wird zum zweiten Schlüsselfaktor

Hinzu kommt ein zweiter Aspekt, der oft unterschätzt wird: die Versorgungssicherheit.

Die billigste Kilowattstunde nützt wenig, wenn sie im entscheidenden Moment nicht verfügbar ist. Wirtschaft braucht Verlässlichkeit. Produktionsprozesse laufen nicht nach Wetterbericht, sondern nach Kundenauftrag.

Deshalb werden leistungsfähige Netze, Speicherlösungen und ein robuster Energiemix immer wichtiger.

Die Bremser der Energiewende

Gerade beim Netzausbau zeigt sich, wie groß die Aufgabe noch ist (siehe dazu auch das Interview mit APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner, Seiten 6 und 7).

Viele Betriebe wollen investieren. Sie wollen Photovoltaikanlagen errichten, ihre Fuhrparks elektrifizieren oder Produktionsprozesse modernisieren. Doch allzu oft scheitert es nicht an der Technik, sondern an fehlenden Netzkapazitäten oder langwierigen Genehmigungsverfahren.

Ausgerechnet dort, wo die Energiewende beschleunigt werden sollte, bremst häufig die Realität.

Dabei gibt es durchaus positive Entwicklungen. Österreich verfügt über eine stabile Stromversorgung und einen vergleichsweise hohen Anteil an Strom aus erneuerbaren Quellen.

Viele Unternehmen investieren bereits in Eigenversorgung, Speichertechnologien oder Effizienzmaßnahmen. Wer einen Teil seiner Energie selbst erzeugen kann, reduziert nicht nur Kosten, sondern gewinnt auch ein Stück unternehmerischer Unabhängigkeit zurück.

Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit

Am Ende läuft die Debatte auf eine einfache Frage hinaus:

Wie gelingt es, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig sicherzustellen?

Denn eines wird immer deutlicher: Der Standortwettbewerb des 21. Jahrhunderts wird nicht nur über Steuern, Fachkräfte oder Infrastruktur ausgetragen. Er wird zunehmend auch anhand der Stromrechnung und anderer Energiepreise entschieden.