Der Wettlauf der Wirtschaft in den Weltraum ist eröffnet
Bei einer gemeinsamen Veranstaltung von Wirtschaftskammer Salzburg, Haus der Natur und accilium in der Vega-Sternwarte in Obertrum wurden die wirtschaftlichen Chancen des Weltraums beleuchtet und diskutiert.
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Der Weltraum – unendliche Weiten. Keine Angst, es geht hier nicht um die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, sondern um die zukünftigen Missionen von Starlab, der Raumstation der nächsten Generation. Sie hat gute Chancen, die internationale Weltraumstation ISS abzulösen, die bereits in die Jahre gekommen ist und spätestens 2032 mit einem kontrollierten Absturz über dem Pazifik außer Dienst gestellt werden soll. Die Starlab Space GmbH ist ein Joint Venture, an dem unter anderem Airbus, Mitsubishi, NASA sowie die europäischen und die japanischen Weltraumorganisationen ESA und JAXA beteiligt sind. Managing Director von Starlab ist Manfred Jauman, der über langjährige Erfahrung mit Weltraumprojekten bei Airbus verfügt.
Er war Keynote-Speaker bei dem WKS-Event in der Vega-Sternwarte und sprach über die Kommerzialisierung des Weltraums, zu der Starlab einen wesentlichen Beitrag leisten soll. Die Raumstation mit drei Decks bietet mit acht Metern Höhe und acht Metern Breite wesentlich mehr Platz für die Aktivitäten der Besatzungsmitglieder und soll im niedrigen Erdorbit operieren. Ein maßstabsgetreues Modell wurde zu Trainingszwecken im Johnson Space Center der NASA in Houston errichtet. „Starlab ist sehr aufgeräumt und sieht auch schon aus wie ein Labor, während die ISS wie eine Messi-Wohnung wirkt“, sagte Manfred Jaumann mit einem Augenzwinkern.
Schwerelosigkeit eröffnet neue Produktionsmöglichkeiten
Die neue Raumstation-Generation soll nicht nur für Grundlagenforschung ausgelegt sein, sondern auch kommerzielle Anwendungen ermöglichen. „Der Weltraum ist für dieses Segment besonders interessant, weil man in der Schwerelosigkeit für manche Produktgruppen bessere Herstellungsbedingungen vorfindet“, erklärte Jaumann. Er nannte als Beispiel die Glasfasertechnologie, die die Produktion von deutlich längeren und leistungsfähigeren Kabeln ermögliche. Auch in der Pharmaindustrie und in der Medizintechnik könnte der Weltraum völlig neue Produkte hervorbringen. „Denken Sie an die Züchtung von Organen oder die Stammzellentherapie. So könnten Patienten mit Erkrankungen der Leber Stammzellen entnommen werden, diese im Weltraum behandelt und dem Patienten wieder injiziert werden. Die Heilungschancen wären sehr hoch auch ohne Operation“, bekräftigte Jaumann. Zudem würden Tierversuche durch die Forschung und Entwicklung im All immer weniger notwendig.
Die Kosten sind der Schlüssel
„Entscheidend wird die Zugänglichkeit für die Wirtschaft sein. Dafür sei es notwendig, die Kosten für das Weltraumprojekt weitgehend zu reduzieren, damit Projekte für die Unternehmen leistbar und zuverlässig im Weltraum abgewickelt werden können“, ergänzte Wolfgang Busch, Senior Manager für Geschäftsentwicklung bei der Starlab Space GmbH. Das Fundament der Weltraumfahrt der Zukunft seien die Science Parks, die das Joint Venture derzeit in vielen Regionen der Welt errichtet, etwa jüngst in Nordrhein-Westfalen in Deutschland. „Sie bringen Wissenschaft, Start-ups, Industrie und Finanzinvestoren mit Weltraum-Know-how zusammen“, schilderte Busch. Europa ist im Space Business mittlerweile ein wesentlicher Player. So vertraute die NASA den Europäern sogar die Lebenserhaltung ihrer Astronauten der Mondmission Artemis an, die über das Europäische Servicemodul ESM mit Luft, Wasser, Strom und Heizung versorgt wurde. Europa hat also den Fuß in der Tür.
Österreichische Betriebe erkennen bereits die Chancen
Selbst Österreich mischt gut mit. „Zwei heimische Unternehmen waren bei der Artemis-Mission als Zulieferer eingebunden. Wir haben hier rund 140 Unternehmen, die sich intensiv mit Weltraumtechnologie beschäftigen“, berichtete Margit Mischkulnig, sie ist im Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) für Weltraumaktivitäten zuständig. Eines dieser Unternehmen ist das niederösterreichische Start-up Tumbleweed, das einen Behälter entwickelt hat, mit dem man Projektmaterialien nach eigenen Angaben äußerst kostengünstig in den Weltraum schicken, dort behandeln und wieder zurückschicken lassen kann.
Mitgründerin Johanna Sturm beurteilte die Voraussetzungen in Österreich für die Entwicklung von Raumfahrttechnologie als sehr gut. „Die Förderlandschaft und die Zusammenarbeit mit den offiziellen Stellen ist sehr gut. Was man noch mehr in die Wirtschaft hineintragen sollte, sind die Möglichkeiten, die sich für die Wirtschaft im Weltraum ergeben“. Das Salzburger Start-up Augmenterra GmbH nutzt Satellitendaten, um beispielsweise unsichtbare Bewegungen im Erdreich sichtbar zu machen und überwacht so kritische Infrastruktur wie Stromleitungen oder Kraftwerke aus dem Weltall. „Das Weltall bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten. Auch wenn nicht alles kommerziell erfolgreich sein wird, lohnt es sich, sich damit auseinanderzusetzen“, meinte Markus Keuschnig von Augmenterra. Die über 70 Teilnehmer:innen aus Salzburger Industriebetrieben, Technologie- und Softwareunternehmen haben jedenfalls an diesem Abend den ersten Schritt gesetzt, sich ihre Chancen in der Weltraumwirtschaft zu sichern.