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„Netzwerk Winter“ in Salzburg: Winter ist wieder cool!

Während der Skisport in anderen Wintersportregionen der Welt – etwa auch wegen fehlender technischer Beschneiung – mit Rückgängen zu kämpfen hat, werden hierzulande neue Rekordzahlen geschrieben.

Lesedauer: 5 Minuten

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Aktualisiert am 08.04.2026

Sollten Tageskartenpreise nahe den 80 € aufregen? Wohl eher nicht, wenn man weiß, dass in den USA eine Skikarte mittlerweile jenseits von 200 US-Dollar (rund 180 € und mehr) kostet und man dort die Bergfahrt mit historischen Seilbahnanlagen in Kauf nehmen muss. Noch dazu waren heuer in den USA aufgrund des milden Winters mancherorts nur die Hälfte der Liftanlagen in Betrieb. „Die haben noch keine technische Beschneiung. Die müssen dieses System erst aufbauen und investieren jetzt massiv“, sagte Wolfgang Mayrhofer, Atomic-Chef und Sprecher der österreichischen Skiindustrie, beim jüngsten Treffen des „Netzwerks Winter“ in Salzburg.

Netzwerk Winter/Neumayr
© Netzwerk Winter/Neumayr Beim jüngsten Treffen des „Netzwerk Winter“ (v. l.): Franz Schenner, Erich Egger, Heinz Konrad, Stefan Schnöll, Wolfgang Mayrhofer und Gerhard Sint.

Während man in Übersee demnach noch um den Anschluss an die Gegenwart bzw. Zukunft kämpft, ist man hierzulande längst technischer Branchenführer und Musterschüler in Sachen Nachhaltigkeit und CO2-Vermeidung: In Österreich werden 75% der Pisten technisch beschneit, 90% der dafür verwendeten Energie stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Aufgrund zahlreicher Effizienzmaßnahmen wie CO2-freie Pistengeräte oder Photovoltaik-Anlagen bei Seilbahnstationen macht der Energieverbrauch des Wintertourismus (Gastronomie, Beherbergung, technische Beschneiung, Pistenpräparierung, Seilbahnen) nur 0,9% des österreichischen Gesamtenergieverbrauchs aus. Und auch bei der nachhaltigen Anreise in den Skiurlaub gibt es gute Fortschritte: Im Alpendorf St. Johann etwa reisen bereits 15% der Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus oder Bahn an.

Was die Nächtigungszahlen betrifft, so liegt man in Salzburg aktuell bei einem Plus von 6,7% (November 2025 bis Februar 2026). Zuwächse gab es vor allem bei deutschen und holländischen Gästen. „Dieses Plus werden wir bis Saisonende allerdings nicht ganz halten können“, erläuterte Erich Egger, Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft. Denn warme Temperaturen im Frühjahr animierten schon viele dazu, eher das Fahrrad als die Ski auszupacken. „Dennoch denken wir, dass wir uns am Ende über ein Plus von 3 bis 3,5% und damit über einen sehr guten Winter freuen können“, so Egger weiter.

Betriebe finanziell stabil

Eine möglichst lange und gut laufende Wintersaison bleibe für die Branche auch in Zukunft zentral. Denn was die Wertschöpfung angeht, so rangiert der Winter noch immer klar vor der Sommersaison. Bei der Schmittenhöhebahn in Zell am See sei das Wertschöpfungsverhältnis zwischen Winter und Sommer beispielsweise 80:20, erklärte Egger.

Erfreulich ist weiters, dass es den heimischen Tourismusbetrieben auch wirtschaftlich durchwegs gut geht. „Die Tourismuswirtschaft ist sehr gut aufgestellt. Es hat zuletzt keine Kreditausfälle in der Branche gegeben, und nur ganz wenige Unternehmen tun sich schwer“, erläuterte Raiffeisen-Generaldirektor Heinz Konrad, dessen Bank nach eigenen Angaben rund 70% der Betriebe finanziell betreut.

Schmittenhöhebahn AG
© Schmittenhöhebahn AG Vielen Seilbahnbetrieben ist Nachhaltigkeit ein großes Anliegen. Das reicht von der Produktion von Sonnenenergie bis zum Betrieb der Fahrzeugflotte mit CO2-freien Kraftstoffen. Auch die Anreise der Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird gefördert.

Nachwuchs wird großzügig gefördert

Um das Skifahren auch für Familien bzw. Kinder und Jugendliche weiterhin leistbar zu machen, unterstützen neben dem Land Salzburg Netzwerk-Partner wie Raiffeisen, die Skiindustrie, Skidata, Uniqa u. v. m. die Anfänger-Initiative „Skifahren lernen in drei Tagen“. Mit 200.000 € stammt der Großteil aus dem Tourismusförderungsfonds des Landes. „Ziel der Aktion ist es, dass Wintersportwochen auch dann durchgeführt werden und Zustimmung finden (Anm.: benötigt wird eine 70%-Quote), wenn viele Kinder in einer Schulklasse Nichtskifahrer sind“, sagte Tourismusreferent LH-Stv. Stefan Schnöll. Im vergangenen Winter haben so 13.700 Schüler ihre Wintersportwochen in Salzburg absolviert, darunter waren etwa 3.600 Skianfänger. „Mit einem Durchschnittspreis von knapp über 400 € ist die Wintersportwoche mittlerweile die günstigste Schulveranstaltungswoche überhaupt“, unterstrich Robert Tschaut von der Bildungsdirektion Salzburg.

Zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage zeigt man sich auch bei der Skiindustrie: „Die Olympischen Winterspiele waren für uns ein regelrechter Boost. Sportler und Trendsetter wie Lucas Pinheiro Braathen kommen vor allem bei der jungen Zielgruppe richtig gut an“, betonte Mayrhofer. Überhaupt sei die Olympiade für die heimischen Skihersteller ein großer Erfolg gewesen: Über 50% der Medaillen wurden auf österreichischen Ski eingefahren. Mayrhofer äußerte sich auch positiv speziell zu Atomic in Altenmarkt: „Unser Mutterkonzern Amer Sports hat ein klares Bekenntnis zu Altenmarkt abgelegt und mit einem neuen Bürogebäude den Standort weiter aufgewertet. Mit 900 Mitarbeitern steht im Pongau die größte Skifirma der Welt. Ski und auch Zubehör wie Helme und Brillen werden hier am Standort entwickelt bzw. produziert.“

Und wie man Skibegeisterung lebt, zeigen in Salzburg rund 6.000 Skilehrer mit ihren Gästen vor. „Im Alpendorf sind gerade wieder hunderte Jugendliche aus Großbritannien zu Gast, die hier das Skifahren erlernen bzw. fröhliche Skitage bei uns genießen“, erläuterte Gerhard Sint, der Sprecher der Salzburger Berufsskilehrer. „Die kommen nicht nur mit dem Flugzeug, sondern fahren großteils mit Bussen fast 30 Stunden ins Salzburger Land, um hier ihren Skikurs zu machen. Das nenne ich Begeisterung pur!“, sagte Sint weiter.

Auch für die Skilehrer sei es bislang eine Top-Saison gewesen. „Zu Spitzenzeiten haben wir über 6.000 Skilehrer im Bundesland im Einsatz. Das ist schon eine Challenge, das alles zu organisieren, aber wir schaffen das“, so Sint. Was noch notwendig wäre, wären neue Ideen für den März. Denn hier reiße die Saison zu schnell ab. Viel Lob fand er abschließend für die Seilbahner: „Die schaffen Top-Pistenbedingungen. Ohne deren unermüdlichen Einsatz bei der Beschneiung und Präparierung wären wir heuer keinen einzigen Schwung gefahren!“