WKS-Präsident Peter Buchmüller: Die Wirtschaft wird’s schon richten
Die Politik bürdet der Wirtschaft seit Jahren einiges auf, wofür sie eigentlich nicht verantwortlich ist. Sie soll das Klima retten, die Entwaldung hintanhalten, soziale Missstände in anderen Ländern beseitigen, Inflationsschocks durch Lohnsteigerungen ausgleichen, auch wenn sie dadurch an Wettbewerbsfähigkeit verliert.
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Jetzt soll sich auch die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern schließen. All diese hehren Ziele sind natürlich nur mit einem riesigen bürokratischen Aufwand umsetzbar, der die Verwaltung aufbläht und den die Betriebe erst einmal stemmen müssen. Ach ja, und Gewinne sollten die Unternehmen möglichst auch keine machen, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Lohnlücke oder Gender Pay Gap, wie das neudeutsch von NGO und Lobbying-Gruppen genannt wird, soll nun auf Geheiß der EU geschlossen werden. Ich bin auch ganz klar dafür. Aber bevor man die Gründe für die Lohnungleichheit analysiert oder gar das Problem an der Wurzel packt, indem man Berufsberatung anbietet, den Mädchen die ganze Bandbreite an tollen Berufsbildern näherbringt oder die Kinderbetreuung flächendeckend ausbaut, damit Beruf und Familie besser mit einander vereinbar sind, schiebt man einmal mehr den Unternehmen den Schwarzen Peter zu. Sie sollen es wieder einmal richten. Dabei haben wir in Österreich bereits ein gut funktionierendes System. 98% der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den heimischen Betrieben werden von den zwischen den Sozialpartnern ausverhandelten Kollektivverträgen erfasst, und diese sind bekanntlich geschlechtsneutral verfasst und äußerst transparent.
Die Entgelttransparenz-Richtlinie der EU soll bis Juni auch in Österreich ratifiziert werden. Bisher haben sie mit Malta und Belgien erst zwei EU-Staaten ratifiziert. Dem Vernehmen nach mehren sich in der EU aber bereits Stimmen, die sich für einen Stop-the-Clock-Mechanismus aussprechen, also für eine Verschiebung und eine Neubewertung der Richtlinie. Wenn es dazu kommt, ist das aus Sicht der Wirtschaft nur zu begrüßen. Falls nicht, darf es bei der Ratifizierung in Österreich keinesfalls ein Übererfüllen der EU-Vorgaben geben, weil das die Betriebe mit neuer Bürokratie belasten würde. Das vollmundige Versprechen, dass Bürokratie schrittweise zurück gefahren wird, dürfte ein leeres gewesen sein.