Workvision: Mit Top-Qualität ins Abenteuer
Cargo Clips ist ein Unternehmen, das Kastenwagen in Wohnmobile umbaut. Binnen zehn Jahren hat es den Sprung von einem Garagen-Startup zu einer etablierten Marke am internationalen Markt geschafft.
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Der Eigentümer Franz Blum agierte als Business-Angel mit der Bereitstellung von Kapital und Infrastruktur. Die Entwicklung lag bei den Geschäftsführern Stefan Ilg (Verkauf) und Martin Glöckel (Technik). Chris Holzer hat sich am Firmensitz in Eugendorf mit Stefan Ilg über die Anforderungen für Roadtrips und eine mögliche Auswirkung auf die Arbeitskultur bei Cargo Clips unterhalten.
Ihre Kunden sind Individualreisende. Zeichnet die Kraft der Individualität auch ihre Mitarbeiter aus?
Wenn wir Champions League produzieren wollen, brauchen wir auch Champions League Spieler. Um diese begehrten gute Leute zu bekommen haben wir ein individualisiertes System zu Mitarbeitergewinnung und -bindung aufgebaut. Wir brauchen Leute, die Kundenwünsche erfüllen können. In unserem Geschäftsmodell entscheidet nicht der Hersteller, wie das Fahrzeug ausgebaut ist, sondern der Kunde. Für uns gilt es, diese Wünsche abzubilden und sie in Höchstqualität in einen wirtschaftlich verträglichen Rahmen zu bringen. Die idealen Wohlfühlvoraussetzungen für Mitarbeiter bieten wir durch eine 4-Tage-Woche (Montag bis Donnerstag) mit Gleitzeitmöglichkeit. Unsere 25 Mitarbeiter arbeiten in dem Bewusstsein, dass sie mit den Ausbauten für 75 Autos im Jahr Unikate und somit etwas Besonderes schaffen. Wir fertigen in mehreren doppelt besetzten Stationen für die Arbeitsschritte Isolierung, Boden, Fenster, Markisen, Solartechnik, Clipwände, Individualbau und Finish.
Welche Kundenwünsche sind zu berücksichtigen?
Wir besprechen mit jedem Kunden, was er vorhat. Wo will er hinfahren, wie lange will er autark sein, braucht er dazu 230 oder nur 12 Volt, wo sind dazu die Steckdosen angebracht, wie viele Personen reisen, wo will jeder schlafen? Welche Isolierung brauchen Leute im Fahrzeug, wenn sie nach Finnland zur Biathlon-Weltmeisterschaft fahren oder zum Nordkap zur Vogelbeobachtung. Der Kunde muss bei uns vom Hof fahren und das Gefühl haben, alles richtig gemacht zu haben. In unserer Kundenstruktur haben wir hauptsächlich Paare im 55-Plus-Bereich. Auch allein reisende Frauen kommen zu uns. Sie haben meist ein hohes Sicherheitsbewusstsein. Für diese Zielgruppe bauen wir bestmögliche Alarmsysteme ein.
Welche Berufe arbeiten bei Ihnen?
Am gefragtesten sind für unsere Ansprüche Allround-Talente. Wir haben 10 Tischler, aber auch Fahrzeugtechniker, Mechatroniker, Elektriker und Metallbearbeiter. Wir brauchen jedenfalls begabte Handwerker. Im Recruiting schauen wir uns beim Probearbeiten an, ob Talent vorhanden ist und ob die Neuen menschlich zum Team passen. Die meisten Mitarbeiter bei uns sind zwischen 20 und 30 Jahre alt, das Feedback aus den Teams zu Neuaufnahmen ist enorm wichtig. Aktuell haben wir nur Männer in der Produktion, wir würden aber auch gerne Frauen einstellen. Lehrlinge könnten wir auch ausbilden, haben allerdings derzeit niemanden.
Zukünftige Reisetrends?
Nachhaltigkeit. Wir schreiben auf unsere Fahnen: keine Chemie, kein Plastik, kein Sprühkleber. Wir sorgen für eine gute Luftzirkulation und eine angenehme Akustik im Camper. Die Leute wollen ja gut schlafen in diesem Raum. Auf Wunsch isolieren wir mit Schafswolle, was ein hervorragendes Raumklima schafft, indem es Feuchtigkeit in einem guten Verhältnis aufnimmt und wieder abgibt, was das Schwitzwasser im Fahrzeug erheblich verringert. Anstatt Kunststoffgriffen, verwenden wir Lederlaschen. Die Menschen sind durch Themen des Klimawandels sensibilisiert. Die weitere Entwicklung von Elektromotoren wird die Attraktivität des Wohnmobil-Reisens zusätzlich erhöhen. In unserem Zielsegment wollen die Reisenden etwas erleben. Sie gehen beim Reisen ihren Hobbys nach: Mountainbiking, Climbing oder Paddling. Der Drang zum Entdecken und zum Losfahren ist ungebrochen.