Industrien im Zeichen des Wandels
Die steirische Industrie ist von starker Transformation geprägt: Betriebe wie Andritz, Sandvik und Siemens haben sich zu globalen Playern entwickelt.
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Kaum eine Branche hat sich im Laufe der Zeit so stark gewandelt wie die steirische Industrie: Dem technologischen Fortschritt und der Innovationskraft der Betriebe ist es zu verdanken, dass aus ursprünglich schwerer körperlicher Arbeit großteils Hightech-Jobs wurden. Auch in der Ausbildung wurde dem Wandel Rechnung getragen und Lehrberufe wurden adaptiert: So wurde etwa der Werkzeugmacher zum Zerspanungstechniker weiterentwickelt, aus dem ursprünglichen Schlosser wurde der Mechatroniker.
Besonders im Maschinen- und Anlagenbau ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Historisch wurde zunächst mit Holz gearbeitet, das später von Metall abgelöst wurde. Später hielt der Dampf Einzug in die Produktion, bevor auf elektrische und elektronische Hilfsmittel zurückgegriffen wurde. Mit der Automatisierung brach schließlich eine neue Ära an. Doch auch die Digitalisierung ist nicht das Ende der Fahnenstange, tun sich mit der KI nun ungeahnte Möglichkeiten auf.
So hat sich etwa die Andritz AG von einer kleinen Eisengießerei in Graz zu einem internationalen Technologiekonzern gemausert. Was 1852 mit der Herstellung von Metallwaren wie Drahtstiften, Ketten, Eisengittern und Grabkreuzen begann, ist heute ein weltweit tätiger Lieferant von Anlagen für die Zellstoff-, Papier- und Metallindustrie, Wasserkraftwerke sowie für den Umwelt- und Energiesektor – mit 30.000 Beschäftigten und 280 Standorten in 80 Ländern der Welt.
Ähnlich liest sich auch die (Erfolgs-)Geschichte der Sandvik Mining and Construction GmbH in Zeltweg. Was sich seit 175 Jahren durch den Standort zieht, ist die Fähigkeit, technologische Umbrüche aktiv zu gestalten: 1851 als Stahlwerk ins Leben gerufen, stand es im 20. Jahrhundert über weite Teile im Zeichen der Schwerindustrie. Schließlich richtete man den Fokus aber auf Bergbaumaschinen: 1961 wurde die erste Maschine geliefert – und damit der Grundstein für den heutigen Schwerpunkt im Bereich Berg- und Tunnelbau gelegt. So verlassen heute hochkomplexe Vortriebs- und Gewinnungsmaschinen den Betrieb. Kein Zufall also, dass auch das Kompetenzzentrum für mechanisches Gesteinsschneiden in Zeltweg angesiedelt ist. Insgesamt sind am obersteirischen Standort 600 Mitarbeiter beschäftigt.
Zurück in Graz ist hier mit Siemens Mobility ein weiterer Leitbetrieb beheimatet, der seit seiner Gründung 1871 einem großen Wandel unterlag: Wurden zunächst Waggons gefertigt, hat man sich später auf Spezial-Unterdrehgestelle spezialisiert. In Eggenberg ist aus gutem Grund auch das Weltkompetenzzentrum für Fahrwerke angesiedelt. Rund 1.500 Beschäftigte entwickeln und fertigen Bahnfahrwerke und Radsätze für die ganze Welt. Besonders erfreulich: In Fürstenfeld wird demnächst ein zweites steirisches Werk eröffnet.
Nicht weniger spannend ist die Entwicklung der Payer Group im Grazer Umland. Auch diese Firmenhistorie ist von Transformation geprägt: 1946 als Rasierapparatehersteller gegründet, hat sich Payer später mit Gesundheitsprodukten viel breiter aufgestellt. Mittlerweile hat sich das Unternehmen auch in der Medizintechnik einen Namen gemacht und setzt im 80. Jubiläumsjahr ein Zeichen, werden am steirischen Standort doch die Produktionskapazitäten erweitert.
Ebenso spektakulär ist die Geschichte der Knapp AG: 1952 richtete Firmengründer Günter Knapp in seinem Keller in Graz eine kleine Werkstatt ein. Nach ersten Innovationen wie der Krapfenfüllmaschine stieg Knapp ins Geschäft mit der Fördertechnik ein: So wurden Paternoster, Lastenaufzüge, Hebeanlagen und Förderbänder gebaut. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich daraus ein international tätiges Unternehmen mit komplexen Logistiklösungen – und weltweit 5.000 Mitarbeitern und namhaften Kunden auf dem ganzen Globus.