Wenn Daten Zeit und Leben retten können
Das Start-up „arterioscope“ kann mit EKG-Daten Medikamentenstudien beschleunigen und Herzerkrankungen frühzeitig erkennen. Dafür gab es kürzlich den steirischen Innovationspreis.
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Eine grüne Linie auf schwarzem Bildschirm, ein schrilles Piepsen – und regelmäßige Ausschläge, die plötzlich abrupt stoppen. Das beschreibt wohl eine der gängigsten Assoziationen, wenn von EKG (Elektrokardiogramm) die Rede ist – so gesehen in zahllosen Filmen oder Serien. Tatsächlich waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Österreich allein 2024 für mehr als ein Drittel der Todesfälle verantwortlich. Wem die Gesundheit am Herzen liegt, der muss also zwangsläufig eines in den Fokus nehmen: das Herz. Genau das hat sich das Grazer Start-up „arterioscope“ zum Ziel gesetzt und so jüngst den steirischen Innovationspreis gewonnen. Durch maschinelles Lernen will man künftig mehr aus EKG-Daten herausholen, Medikamentenzulassungen beschleunigen und das Gesundheitssystem entlasten.
Bereits vor Jahren begann man mit der Forschung an der TU Graz, wo Vahid Badeli und Sascha Ranftl die Technologie entwickelten. „Jetzt werden wir unsere ersten Piloten auf den Markt bringen“, freut sich CEO Hermann Moser, der das Unternehmen mit den beiden Entwicklern im Vorjahr offiziell gründete. Kernpunkt des Forschungsprojekts war es, die Früherkennung von Herzerkrankungen – Herzinsuffizienzen allein betreffen in Österreich bis zu 300.000 Menschen – zu verbessern. Das sei mit der innovativen Software auch möglich, so Moser: „Für den Markteintritt konzentrieren wir uns aber auf das Thema Wirkstoffentwicklung – für neue Medikamente bei Biotechnologie- oder Pharmaunternehmen.“ Dabei sehen die Grazer riesiges Potenzial, denn gerade am Anfang klinischer Studien gehe viel Zeit verloren, die Fehlerquote sei hoch. „Mit unserer Technologie können wir aus herkömmlichen EKG-Daten Informationen extrahieren, um schneller festzustellen, ob und bei welcher Patientengruppe ein Medikament wirkt“, so Moser. „Und das schon nach wenigen Wochen – drei bis sechs statt über 24.“ Eine massive Kostenersparnis – die man an späterer Stelle im Prozess wiederholen könne. „In Phase drei klinischer Studien gibt es oft tausende Patienten, bei Kosten im hohen Millionenbereich. Wir können sie optimieren und die Sample-Größe um 30 Prozent reduzieren. Damit machen wir klinische Studien schlanker, schneller und kosteneffizienter“, so der Unternehmer.
Prävention im Blick
Schon jetzt gebe es großes Interesse namhafter Firmen – dennoch sollen mittelfristig noch weitere Anwendungsfälle hinzukommen. „Wir wollen maximalen Mehrwert stiften und die Software auch als Diagnostikprodukt auf den Markt bringen. So könnte unsere Technologie im Zuge von Gesundenuntersuchungen eingesetzt werden. Herzinsuffizienz beispielsweise ist eine schleichende Erkrankung – treten Symptome auf, ist es aber meist zu spät. Im Einsatz zur Prävention sehen wir massiven gesellschaftlichen Nutzen.“ Und auch ein dritter Anwendungsbereich habe sich inzwischen ergeben: „Es gibt konkretes Interesse von Herstellern von Wearables – etwa Smart-Watches –, um unsere Software zu nutzen“, so Moser. Vorerst will man aber als Analysetool durchstarten, in den anstehenden Pilotprojekten erste Umsätze generieren – und wachsen. Dafür werden aktuell Investoren gesucht.