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Ein Grab mit einem QR-Code der Firma Memories
© Memories/Nikolaus Kofler

Wo Gräber nun interaktiv werden

Das Unternehmen „Memories“ aus Lieboch will Erinnerungen an Verstorbene mit QR-Codes an den Gräbern lebendig halten.

Lesedauer: 4 Minuten

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Aktualisiert am 18.02.2026

Tod. Trauer. Abschied. Unausweichliche Konstanten im Leben. Was bleibt, wenn ein geliebter Mensch verlorengeht, sind die Erinnerungen. Im Kopf, vor dem inneren Auge, aber auch – und immer öfter – als Fotos oder Videos. Das Problem: Gerade am zentralen Ort der Erinnerung, dem Grab, hat man ebendiese in der Regel nicht im Gepäck. Genau das soll sich künftig ändern, so ist zumindest die Idee des Liebocher Unternehmens „Memories“. Möglich wird das mittels QR-Code.

Begonnen habe alles mit einem Verlust in der Familie seiner Partnerin, erzählt Nikolaus Kofler. „Uns ist aufgefallen, dass Fotos und Bilder mit der Zeit verräumt werden und man sie entsprechend nie zur Hand hat, wenn man sie braucht und sich vielleicht in der emotionalen Atmosphäre direkt am Grab an die verstorbene Person erinnern will.“ Eine Beobachtung, die sich in Gesprächen mit anderen bestätigte: „Meine Partnerin ist Heimleitung in einem Pflegeheim – und dort hat sie oft gehört, dass Bilder, Erinnerungsstücke und Co. oft mit der Zeit einfach verlorengehen“, so Kofler. Und so kam dem gebürtigen Tiroler, den es erst kürzlich in die Steiermark zog, die Idee, mit einem entsprechenden Unternehmen durchzustarten. Denn: „Es fehlt ein Ort, um all das zu bewahren.“ Mit Memories sollen Gräber diese Funktion künftig übernehmen können – alles verschlüsselt und sicher.

Erinnerungen direkt an der Gedenkstätte

Dafür erstellt das Unternehmen einen QR-Code, der auf eine eigens gestaltete Plakette – Edelstahl oder Schiefer – gelasert wird und am Grab angebracht werden kann. „Das kann entweder über das Bestattungsunternehmen oder direkt über uns gemacht werden“, erklärt Kofler. Hat man sich für das Angebot entschieden, erhalte man ein Willkommensmail mit einem Link, über den die Bilder hochgeladen werden können. „Aber natürlich ist es auch möglich, uns analoge Bilder zu schicken, die wir für unsere Kunden dann digitalisieren – wenn der Scanservice ausgewählt wird, erhält man von uns ein Kuvert mit bezahltem Porto“, erklärt Kofler. Als Berufsfotograf bietet er auf Wunsch auch Bildbearbeitung, Colorierung und Retusche an – sogar KI-Animationen seien möglich. Kofler schneidet daraus dann ein mit passender Musik unterlegtes Video, das dann vor Ort jederzeit über den QR-Code abgerufen werden kann – und das langfristig abgesichert, ohne benötigte App. Kofler: „Wir senden unseren Kunden alles Nötige zu, auch für die unkomplizierte Anbringung der Plakette am Grabstein oder davor. Inklusive Anleitung.“ An den verwendeten Materialien und der Programmierung im Hintergrund hat der Unternehmer lange entwickelt, um optimale Qualität, Nutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Haltbarkeit zu gewährleisten. Die Erstellung des QR-Codes selbst geht schnell: „Dann können die Kunden ihn schon bei der Verabschiedung/beim Begräbnis auf Erinnerungskärtchen drucken lassen“, so Kogler. Auch Nachreichungen seien möglich, wenn Bilder erst später gefunden werden.

Kooperationen als Weg zum Erfolg

Das Interesse sei groß, Anfragen gebe es einige – gerade für Bestattungen sei es ein attraktives zusätzliches Angebot. „Wir befinden uns aktuell schon in konkreten Gesprächen mit mehreren Bestattungsunternehmen, auch über die Steiermark hinaus“, erzählt Kofler. Die Vorteile seien klar: „Für die Betriebe liegt der administrative Aufwand dann praktisch bei null.“ Kunden können das Memories-Angebot  beispielsweise im Katalog der Bestattung als zusätzliches Service auswählen und sich für eine Plakette entscheiden. Den Bestattern bleibt eine Provision – die Bezahlung kann entweder direkt an Memories oder eben an das Bestattungsunternehmen erfolgen. „Je nachdem erhalten sie von uns eine Rechnung oder eine Gutschrift“, so Kofler.

Fotos und Videos von Verstorbenen gehen oft mit der Zeit verloren. Wir wollen sie bewahren und am passenden Ort zugänglich machen.

QUERGEFRAGT


Was ist Ihre Vision?

Kofler: Die wichtigsten Erinnerungen an geliebte Menschen sollen nicht mehr verblassen, sondern weiterleben.

Was sind die größten Herausforderungen?

Den Menschen zu erklären, was wir tun und wie das Ganze funktioniert. Das geht am besten mit Beispielvideos, die wir aus Gründen der Pietät KI-generiert haben.

Die nächste Ziele?

Mehr Bestatter von uns zu überzeugen.